Monogamie ist nicht gut für den Nachwuchs - zumindest bei Beutelmäusen nicht. Denn Weibchen, die sich mit mehreren Männchen paaren, haben bessere Chancen, gesunde Babys zur Welt zu bringen als ihre monogamen Artgenossinnen. Damit sei zum ersten Mal bewiesen worden, dass bei einer Tierart häufiger Sex mit verschiedenen Partnern die Überlebensrate der Nachkommen verbessere, berichten australische Forscher im Wissenschaftsmagazin "Nature".
Die Zoologin Diane Fisher hat ein Faible für Braune Breitfußbeutelmäuse (Antechinus stuartii); vor allem deren Liebesleben interessiert die Wissenschaftlerin von der Australian National University seit Jahren. Für ihre neuesteste Untersuchung durfte sich eine Gruppe von Beutelmaus-Weibchen jeweils nur mit einem Partner paaren, während die Weibchen einer Vergleichsgruppe mehrere Partner zur Auswahl hatten. Ein Jahr nachdem die Weibchen geworfen hatten, stellten Fisher und ihre Kollegen fest: Die Jungen promisker Tiere haben eine dreimal so hohe Überlebensrate wie die Nachkommen aus der monogamen Gruppe. Die Promiskuität der Weibchen erhöhe ihre Chancen, dass unter den Männchen auch eines mit besserem Sperma sei, erklären die Forscher diese Beobachtung.
Vielmännerei lässt Weibchen länger leben
Der "Sperma-Wettkampf" ist Fisher zufolge eine von vielen Theorien, die Wissenschaftler aufgestellt haben, um zu erklären, warum weibliche Tiere nicht monogam sind. Außerdem in der Diskussion waren bislang: Sex gibt es gegen Futter und Schutz; die Weibchen wollten unfruchtbare Männchen umgehen oder die Paarung mit diesen durch die mit einem besseren Partner ausgleichen; bei Tieren, die ihre Verwandten nicht erkennen können, könnten durch den Partnerwechsel die negativen Folgen der Inzucht verhindert werden.
Fishers Erfahrungen mit den Beutelmäusen sprechen ihrer eigenen Einschätzung nach jedoch für die Theorie des Sperma-Wettkampfs: "Männchen mit den kampfstärksten Samen sind die besseren Zuchttiere", sagte Fisher, "und sie zeugen besseren Nachwuchs". Vaterschaftstests hätten bestätigt, dass das Sperma mancher Männchen einfach besser war und die damit gezeugten Beutelmaus-Babys höhere Überlebenschancen gehabt haben.
Gleichzeitig ergab die Studie, dass die Beutelmaus-Männchen normalerweise nach einer kurzen und intensiven Paarungssaison an Erschöpfung oder den Folgen von Auseinandersetzungen mit Geschlechtsgenossen sterben. Die Weibchen hingegen überlebten mit Leichtigkeit zwei bis drei Paarungszeiten: "Vielmännerei verbessert die lebenslängliche Fitness", schreiben die Forscher deshalb.
Beutelmäuse sind - anders als ihr Name vermuten lässt - keine Mäuse: Sie gehören nicht zu den Nagetieren, sondern zu den Beuteltieren. Die von Fishers Team studierten Braunen Breitfußbeutelmäuse leben im Südosten Australiens, hausen mit Vorliebe in Baumhöhlen und fressen vor allem Insekten.
fba/AFP
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