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03.11.2006
 

Langes Leben

Unterkühlte Mäuse sterben später

Mäuse mit dauerhaft abgesenkter Körpertemperatur haben eine erhöhte Lebenserwartung und bleiben bis ins Alter fit. Forscher hatten die Tiere mit einem Eingriff ins Erbgut gezüchtet. Nur: Der Mechanismus hinter der Lebensverlängerung ist noch völlig unklar.

Die Körpertemperatur beeinflusse die Lebenserwartung maßgeblich, berichtet eine internationale Forschergruppe im Wissenschaftsmagazin "Science". Das Team um Bruno Conti vom Scripps Research Institute im kalifornischen La Jolla hatte das Erbgut von Mäusen so verändert, dass deren Körpertemperatur verglichen mit jener normaler Artgenossen generell um rund ein halbes Grad Celsius niedriger lag.

Maus: Länger leben mit niedrigerer Körpertemeperatur
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REUTERS

Maus: Länger leben mit niedrigerer Körpertemeperatur

Der Effekt: Die unterkühlten Mäuse hätten durchschnittlich drei Monate länger gelebt, berichten die Forscher. Unveränderte Mäuse seien rund 27 Monate alt geworden. Auf den Menschen übertragen entspräche das einer Lebensverlängerung von sieben bis acht Jahren, schreibt Clifford Saper von der Harvard Medical School in Boston in einem Begleittext zu der Studie.

Wissenschaftler hatten bei früheren Studien herausgefunden, dass weniger Energieaufnahme die Lebenszeit von warmblütigen Organismen verlängern kann. Infolge der reduzierten Nahrung senkte sich auch die Körpertemperatur der Tiere. In der nun vorgestellten Studie durften die genetisch veränderten Mäuse hingegen essen, so viel sie wollten - trotzdem lebten sie länger.

Genetisch Thermostat im Gehirn heruntergeregelt

Die Erkenntnis der Forscher ist ein weiteres Puzzlestück im Rätselraten um die biologische Uhr des Lebens: Erst kürzlich hatten US-Forscher herausgefunden, dass es kein virtuelles Kalorienkonto gibt, welches die maximale Mäuse-Lebensspanne begrenzt.

Das Team von Conti senkte die Körpertemperatur über eine Art Thermostat im Zwischenhirn der Mäuse. Dort steuert der Körper seine Temperatur. Die Forscher veränderten die Mäuse so, dass sich die Temperatur um die Hirnregion erhöhte. Im Gegenzug regelte die Steuerregion die Körpertemperatur herab - um durchschnittlich 0,3 bis 0,5 Grad Celsius.

Weibliche Tiere lebten im Schnitt um 20 Prozent länger, männliche um 12 Prozent. Bei den Mäusemännchen erhöhte sich zudem das Körpergewicht um 10 Prozent, vermutlich wegen des geringeren Energiebedarfs zum Erhalten der abgesenkten Körpertemperatur, wie die Forscher glauben.

Doch der genaue Mechanismus der Lebensverlängerung ist bislang unklar. Womöglich werden von den Mäusen weniger freie Radikale produziert, die beim Altern eine Schlüsselrolle spielen, schreiben die Wissenschaftler. Eine effizientere Energienutzung senke die Produktion solcher Radikale.

Für Menschen, die ihre Lebenszeit verlängern möchten, kommt das Verfahren derzeit nicht in Frage. Conti sagte, die Technik sei zwar "prinzipiell anwendbar", man wisse jedoch noch nicht, wie sicher sie sei. Das Wort "prinzipiell" muss hier als entscheidende Einschränkung verstanden werden: Kein Ethikrat einer Universität (und sicher keine Eltern) würden zustimmen, das Erbgut eines Kindes dermaßen zu verändern, wie es bei den fürs Experiment gezüchteten Labormäusen gemacht wurde.

hda/dpa/rtr

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