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14.11.2006
 

Grüner Planet

Der Wald kommt zurück - in den reichen Ländern

Viele Wälder auf der Welt sind wieder größer und dichter als noch vor 15 Jahren. Zwar werde in armen Ländern noch immer viel gerodet, ein Ende des Abholzens sei aber in Sicht - und der Trend besser als angenommen, sagen die Autoren einer umfassenden internationalen Studie.

Deutsche Brauereien werben mit Regenwaldschutz, britische Aktivisten campen auf Bäumen, um sie vor den Holzfällern zu schützen, und schon seit den siebziger Jahren steht der Schlager "Mein Freund der Baum" für die Wehmut, die sich einstellt, wenn die Motorsäge verhallt ist: Der Wald verschwindet, dieses Gefühl scheint zum Grundton der Moderne zu gehören.

Waldentwicklung: Grün gefärbt sind jene Staaten, in denen die Fläche des Waldes, seine Dichte oder beides zugenommen hat. In den rot gefärbten Ländern ging die Waldmenge zurück
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Waldentwicklung: Grün gefärbt sind jene Staaten, in denen die Fläche des Waldes, seine Dichte oder beides zugenommen hat. In den rot gefärbten Ländern ging die Waldmenge zurück

Jetzt melden Forscher: Der Wald kommt zurück. Zwar werden in vielen armen Ländern weiter rücksichtslos Bäume gefällt oder mit Feuer gerodet - doch ab einer gewissen Wohlstandsschwelle geht es aufwärts.

Während der vergangenen 15 Jahre nahm die Waldmenge in 22 von 50 untersuchten Ländern zu - am stärksten in den USA und China. Das sind nur zwei von mehreren überraschenden Ergebnissen einer Studie, die Pekka Kauppi und seine Kollegen in der US-Wissenschaftszeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlicht hat.

"Der Trend ist besser, als wir ursprünglich gedacht haben", sagte Pekka der britischen BBC. "Ein Ende des Abholzens ist in Sicht. Wir machen zwar keine Vorhersagen, aber es ist möglich." Das würde bedeuten, dass die Gesamtmenge des Waldes nicht weiter abnehmen würde. Zwar verlieren besonders Indonesien und Brasilien weiter große Teile ihrer wertvollen tropischen Wälder. Doch das Forschungsteam aus China, Finnland, Schottland und den USA fand einen Zusammenhang, der besonders optimistisch stimmt: In Staaten mit einem jährlichen Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt von mindestens 4600 US-Dollar sei der Waldbestand nicht zurückgegangen.

Nicht nur Fläche untersucht

Die Wissenschaftler hatten sich für ihre Untersuchung mit Daten der Uno-Unterorganisation FAO (Food and Agricultural Organization) eingedeckt, insbesondere mit solchen über die vergangenen 15 Jahre in 50 Ländern mit traditionell großen Forstbeständen. Sie waren im Bericht zur Lage der weltweiten Waldbestände (Global Forest Resources Assessment Report) im vergangenen Jahr veröffentlicht worden. Nationale Daten haben die Auswertung ergänzt: Die Forscher haben nicht bloß die von Wald bedeckte Fläche eines Landes untersucht, sondern auch die Biomasse der Wälder, den darin gebundenen Kohlenstoff und die Baumdichte berechnet. 36 Prozent der untersuchten Länder weisen der Studie zufolge eine inzwischen größere Baumfläche auf, 44 Prozent eine größere Biomasse.

Waldbedeckung: Diese Grafik aus Messdaten eines Nasa-Satelliten von 2002 zeigt die Waldbedeckung der Erde
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NASA / GSFC

Waldbedeckung: Diese Grafik aus Messdaten eines Nasa-Satelliten von 2002 zeigt die Waldbedeckung der Erde

Die Wissenschaftler bildeten ein Koordinatensystem, das sowohl die Zu- oder Abnahme der Walddichte als auch die Schrumpfung oder das Wachstum der Waldfläche berücksichtigte. Diese Grafik zeigt ein Wachstum der Wälder in 22 der 50 untersuchten Länder. Bis auf vier - Nepal, Malaysia, Japan und Vietnam - nehmen bei dieser Gruppe sogar beide Werte zu.

Deutschland taucht in der Grafik der Waldforscher nicht auf. Im Laufe der vergangenen Jahrhunderte haben sich die Grenzen Deutschlands ständig verändert, weshalb eine langfristige Berechnung schwierig sei, schreiben Kauppi und seine Kollegen. Einige Befunde präsentieren sie dennoch: "Obwohl die deutsche Waldfläche sich seit dem Mittelalter beinahe verdoppelt hat, nahm sie zwischen 1988 und 2002 kaum zu. Andererseits ist die wachsende Menge steil auf 320 Kubikmeter pro Hektar gestiegen."

Wohlstand bringt Wald-Stabilität und manchmal -Wachstum

Die Experten verweisen auf Beobachtungen aus vielen europäischen Ländern wie Dänemark, Frankreich oder der Schweiz: Dort habe sich es im 19. Jahrhundert eine "Übergangsphase" gegeben, in der die Abholzung ein Ende genommen und sich ein stabiles Gleichgewicht aus Nutzung und Aufforstung eingestellt habe. Dies passe zur Beobachtung, dass aktuell keine Staaten oberhalb einer gewissen Wohlstandsschwelle noch an Waldmenge verlieren.

Auch die USA seien in weiten Gegenden schon ein Jahrhundert lang so weit. Der Bundesstaat Texas habe die Trendwende aber erst im Jahr 2002 geschafft, sagte Roger Sedjo aus dem Forschungsteam.

Allerdings bedroht die rasante Rodung noch immer die Wälder in vielen Ländern, beispielsweise Brasilien. Die umfangreichsten Rodungen gab es im Untersuchungszeitraum - zwischen 1990 und 2005 - in Indonesien, Nigeria und den Philippinen, wie die Studie belegt.

Derzeit ist noch knapp ein Drittel der Landfläche der Erde mit Wald bedeckt. Die Bäume dieser Wälder speichern fast 300 Gigatonnen Kohlenstoff, 50 Prozent mehr als in Form von Kohlendioxid in der Atmosphäre stecken. Die Abholzung in der "Dritten Welt" hat daher gleich mehrere nachteilige Folgen: Sie verschärft den Treibhauseffekt, fördert Erosion und Wüstenbildung und bedroht die Artenvielfalt. Und noch schrumpfen die Wälder in etwa der Hälfte der untersuchten Länder weiter.

stx/tos/AP/rtr

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