Einen Tag, bevor die Walfangflotte mit ihren sechs Schiffen ausläuft, gibt die japanische Fischereibehörde Auskunft über den Umfang der bevorstehenden Expedition: Diesmal sollen - bis zum April kommenden Jahres - in der Antarktis 850 Zwergwale und zehn Finnwale getötet werden. Morgen werden die Jäger aus dem Hafen von Shimonoseki im Südwesten der japanischen Hauptinsel Honshu auslaufen.
Zwar ist Walfang seit 20 Jahren verboten. Japan gesteht die "International Whaling Commission" (IWC) jedoch eine begrenzte Fangmenge zu. In erster Linie sollen die Expeditionen der Erforschung von Population, Fress- und Zuchtgewohnheiten der Wale dienen - offiziell. Das Fleisch der gefangenen Tiere wird allerdings zu kommerziellen Zwecken verkauft, wie Kritiker anprangern. Walfleisch gilt in Japan als Delikatesse - und ist inzwischen teuer geworden.
Die Fischereibehörde weist Vorwürfe von Umweltschützern zurück, nach denen die Walfänger ihr wissenschaftliches Interesse an den Säugetieren nur als Vorwand nehmen, um weiterhin kommerziell jagen und den japanischen Markt beliefern zu können. Die auf den Expeditionen erhobenen Daten fließen in Untersuchungen des wissenschaftlichen Komitees der IWC ein, das unter anderem Walbestände misst.
Für dieses Jahr plant Japan, mehr als 1200 Wale verschiedener Arten zu fangen. Während einer 42 Tage langen Expedition vor der Küste Hokkaidos töteten Jäger bereits 35 Tiere. Erlaubt gewesen wären gar 60 Wale. Schuld an der kargen Ausbeute sei das schlechte Wetter gewesen, hieß es.
Die Pro-Walfang-Lobby wächst
Japan fordert von der IWC, das Verbot für die kommerzielle Jagd nach Walen aufzuheben. Hinter dieser Forderung stehen weitere Nationen, die den Fang befürworten. Die Walbestände seien groß genug, um die begrenzte Tötung von Tieren einer bestimmten Art, etwa des Zwergwals, auszuhalten, lautet das Argument dieser Lobby - deren Druck zunimmt.
Auch in Island nahmen Walfänger die kommerzielle Jagd wieder auf, nachdem Lizenzen ausgestellt wurden, neun der seltenen Finn- und 30 der zahlreicheren Zwergwale zu töten. Island hatte 1989 den Walfang eingestellt, jedoch zwischen 1970 und 1990 rund 60.000 Tonnen gefrorener Walprodukte nach Japan exportiert. Nun hofft man hier, diesen Handel wieder aufnehmen zu können.
Norwegische Jäger haben in diesem Jahr bereits mehr als 500 Wale getötet. Trotz des internationalen Fangstopps hatte das Land 1993 die Jagd wieder aufgenommen und die Quote in diesem Jahr auf mehr als 1000 angehoben. Sie übersteigt damit die Zahlen der vergangenen zwanzig Jahre.
Auf der Jahrestagung der IWC im Juni hatte sich das Gewicht erstmals seit Jahren zugunsten der Jagd-Befürworter verschoben. Ein Ende des Walfangverbots ist allerdings erst mit einer Mehrheit von drei Vierteln der Stimmen möglich.
tos/AP
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