Nairobi - Zum Abschluss der Uno-Klimakonferenz haben die Delegierten in letzter Minute noch eine Einigung erzielt. Demnach ist geplant, die Umsetzung des Kyoto-Protokolls zum Klimaschutz bis 2008 genau zu beobachten und auf dieser Grundlage neue Emissionsquoten für die Zeit nach 2012 festzulegen, wenn das Kyoto-Abkommen ausgelaufen ist.
China habe die Garantie erhalten, dass die aufstrebenden Entwicklungs- und Schwellenländer keine Einschnitte hinnehmen müssten, sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD). Kritiker dürften diesen Punkt für besonders bedenklich halten: Die rasante Industrialisierung bevölkerungsreicher Staaten wie China und Indien gilt als eine der größten zukünftigen Bedrohung für das Weltklima. Entsprechend unzufrieden zeigte sich Gabriel mit dem Erreichten: Das Resultat der zweiwöchigen Konferenz in Kenias Hauptstadt Nairobi sei nicht genug, erklärte der Minister. Dringendes Handeln sei notwendig.
Entwicklungs- und Schwellenländer wie Brasilien, Indien und China hatten sich gegen eine gründliche Überprüfung der Kyoto-Erfolge ausgesprochen - um zu verhindern, dass auch sie zur Reduzierung von Treibhausgasen gezwungen werden. Bisher gilt eine solche Verpflichtung nur für die westlichen Industriestaaten - mit Ausnahme der USA und Australien, die das Kyoto-Protokoll bis heute nicht unterzeichnet haben.
Kritik: Zu wenig Unterstützung für Opfer des Klimawandels
Afrikanische Staaten, die besonders unter den Folgen des Klimawandels wie etwa Trockenperioden und Fluten leiden, sollen sich mit umweltfreundlichen Technologien am Kampf gegen die Erderwärmung beteiligen. Das schlug Yvo de Beur, Chef des Klimasekretariats der Vereinten Nationen, vor. Er wehrte sich gegen Kritik, die Konferenz helfe den Betroffenen zu wenig. Er verwies auf einen Fonds zu Förderung von Wind-, Wasser- und Solarenergie, dessen Erweiterung in der Nacht rund 70 Minister ausgehandelt hatten. Als zweiten Erfolg nannte de Beur einen Fonds, aus dem die Anpassung der afrikanischen Infrastruktur an die veränderten Umweltbedingungen finanziert werden soll.
Die deutsche Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul sagte zum Abschluss des Klimagipfels, viele der notwendigen Maßnahmen könnten durch verstärkte entwicklungspolitische Kooperation in Angriff genommen werden. Es sei deutlich geworden, dass die Entwicklungsländer dringend bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels unterstützt werden müssten.
Für frustrierend hält dagegen der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) das Ergebnis des Klimagipfels. In einer Erklärung hieß es: "Die Bedrohung durch den Klimawandel wird immer dramatischer, und die Klimadiplomatie bewegt sich im Schneckentempo." Zuletzt hatten Volkswirtschaftler dringend zum Handeln ermahnt und davor gewarnt, der Welt drohe aufgrund der Erderwärmung eine wirtschaftliche Depression ähnlich der in den dreißiger Jahren.
Sowohl der umweltpolitische Sprecher der Grünen, Reinhard Loske, als auch die deutsche Industrie zeigten sich enttäuscht über die mangelnde Einigkeit der EU, die sich in darin zeige, dass "keine sichtbaren Fortschritte bei der Lösung" der anstehenden Probleme gemacht worden seien. Der nächste Klimagipfel wird voraussichtlich im Dezember kommenden Jahres stattfinden.
tos/rtr/dpa/AP
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