"Jurassic Shrimps" werden die Garnelen genannt - weil sie nach Ansicht von Experten bereits vor 50 Millionen Jahren ausgestorben waren, wie die Dinosaurier im verfilmten Roman "Jurassic Parc" von Michael Crichton. Allerdings: Die "Jurassic Shrimps" gibt es wirklich - und sie leben wider Erwarten immer noch. Wissenschaftler fanden sie bei der "Volkszählung im Meer", wie das Projekt Census of Marine Life auch genannt wird. Und sie sind nur eine von zahlreichen neu entdeckten Kuriositäten und Rekordhaltern dieses Jahres.
Wissenschaftler der seit sechs Jahren laufenden Artenzählung haben jetzt in New York ihre neuesten Funde vorgestellt:
"Wir können nirgends einen Ort finden, an dem wir nichts Neues entdecken", sagte Chefwissenschaftler Ron O'Dor. Er warb angesichts der neuen exotischen Arten einmal mehr dafür, die vielfältige Lebenswelt in den Meeren zu erhalten. Das könnte den Menschen auch direkt zugute kommen: Wissenschaftler vermuten in den hoch spezialisierten Tieren der Tiefsee zahlreiche neue Wirkstoffe, etwa für Medikamente.
Am Census of Marine Life sind 2000 Forscher aus 80 Ländern beteiligt. Unterstützt wird das Projekt von Regierungen, der Uno und privaten Naturschutzorganisationen. Allein in diesem Jahr fanden 19 Ozeanexpeditionen statt, die 20. wird derzeit durch die Antarktis unternommen. Zudem nahmen und nehmen die Wissenschaftler Wasserproben an 128 Stellen in Küstennähe; mit Satelliten verfolgen sie markierte Haie, Tintenfische, Seelöwen und Albatrosse. Rund 500 Arten haben sie dieses Jahr schon entdeckt, seit Beginn der Meeresvolkszählung insgesamt ein paar tausend neue Spezies.
Bis jetzt seien etwa 16.000 in den Ozeanen vorkommende Fischarten bekannt, sagte Jesse Ausubel von der Sloan Foundation. Insgesamt über 78.000 Arten mariner Lebewesen hätten die Forscher seit Beginn des Projekts gezählt. Bis zum Jahr 2010 will der Census of Marine Life die bislang umfangreichste Bestandsaufnahme des Lebens im Meer aufstellen. Die Forscher wollen nach eigenen Angaben "erfassen, was in den Weltmeeren gelebt hat, lebt und leben wird".
fba/AP/dpa
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