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Brasilien Die Gier nach Soja frisst den Regenwald

3. Teil: Lesen Sie weiter: "Landräuber haben Waffen und viel Geld. Wenn sie mich hier draußen erwischen, werden sie mich einfach abknallen."

Für die Bauern der Umgebung wurde Cargill als potenzieller Aufkäufer von Soja zum Anlass, die Pflanze anzubauen. Die Abholzung nahm stark zu. Aber, meint Odoni, "wenn sie uns ihre Bohnen nicht verkaufen könnten, gäbe es für die Gemeinde hier keine Steuern und Einkünfte."

Vergangenen Sommer stimmten Cargill und die anderen großen Sojahändler Brasiliens einem Zweijahresmoratorium zu. Sie verpflichteten sich, keine Sojabohnen von Anbauflächen auf neu gerodeten Amazonasböden anzukaufen. Die Einigung zeigt den Sojaproduzenten, dass der Umwelteinfluss ihrer Betriebe auf dem Weltmarkt stärker wahrgenommen wird.

Für viele Bewohner der Gemeinde Belterra, eine Fahrtstunde südlich von Santarém, kommt das Moratorium zu spät. Als Vorsitzende des Ortsverbands der Landarbeitergewerkschaft vertritt die 33-jährige Auricelia Núnes etwa 5000 Bauernfamilien. Diese, sagt sie, hatten auf ihren kleinen Parzellen ein relativ gutes Auskommen, bis Ende der neunziger Jahre Fremde aus Südbrasilien das Land für wenig Geld aufkauften. "Viele Kleinbauern kennen den Wert des Geldes einfach nicht", sagt Núnes. "Sie glaubten, es würde lange reichen, aber das stimmt nicht." Heute vegetieren sie in den ständig wachsenden Slums von Santarém dahin.

Wer sich dem Verkauf widersetzte, sah sich bald von immer näher rückendem Ödland umgeben. Brände und Kettensägentrupps vernichteten den Wald bis unmittelbar an die Grundstücksgrenze. Aufgescheucht durch die Zerstörung ihres Lebensraums, drangen Giftschlangen, Bienen und Nagetiere in die Gärten ein. Als dann die Traktoren auf den gerodeten Feldern Pestizide versprühten, trieben die giftigen Wolken auch in die Häuser. "Es war gesundheitsgefährdend ", sagt Núnes. "Viele wurden krank. Auch Tiere verendeten."

Núnes und ihr Ehemann Everaldo Pimentel sind noch traditionelle Kleinbauern. Auf ihren 28 Hektar Land pflanzen sie Mais, Kürbis und Bohnen und halten Vieh. Doch Pimentel will mir eine andere Stelle zeigen. Sie liegt 15 Autominuten entfernt. Wir fahren einen Feldweg entlang, der auf mehreren Kilometern an Sojafeldern entlangläuft. Dann biegen wir auf eine schmalere Piste ab - es ist die Zufahrt zu dem Bauernhaus, das sein Großvater im Schatten eines großen Mangobaums gebaut hatte. Hier ist Pimentel aufgewachsen. Vor vier Jahren verkaufte sein Vater die Farm an einen Fremden. Sofort haben Arbeiter jeden Baum gefällt. "Innerhalb von 30 Sekunden können die mehr Verwüstung anrichten als ein Kleinbauer, der 30 Jahre lang das Land bestellt hat.

"Pimentel ist es völlig gleichgültig, dass wir uns auf fremdem Besitz befinden - die bewaffneten Wachen sind nirgends zu sehen. Er deutet auf eine rissige, von Unkraut überwucherte Betonplatte am Boden: "Hier hat das Haus gestanden." Ein Dutzend riesige Mangobäume liegen auf der Erde. Mit Kettensägen gefällt, verrotten sie nun in der glühenden Sonne. "Wenn wir gewusst hätten, was dieser Mann vorhat, hätten wir nie verkauft", sagt Pimentel. Er setzt sich auf den Stumpf eines alten Mangobaums. "Den hat mein Großvater vor 100 Jahren gepflanzt", sagt er und blickt auf ein trostloses, leeres Feld. Pimentel vergräbt das Gesicht in den Händen und fängt an zu weinen. "Es war so schön hier", sagt er. "Sie hätten es sehen sollen."

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