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20.01.2007
 

Angst-Erforschung

Phobiker sollen Spinnen anfassen

Jenaer Psychologen wollen in einem Forschungsprojekt die Angst vor Spinnen erforschen. Potenzielle Probandinnen waren zunächst abgeschreckt - sie fürchteten sich schon beim Anblick der Website des Instituts.

Wissenschaftler der Universität Jena wollen jenen Prozessen auf die Spur kommen, die sich im Gehirn von Menschen mit Spinnenangst (Arachnophobie) abspielen. Doch allein der Anblick der hauseigene Vogelspinne namens Karla auf der Website des Instituts für Psychologie - eigentlich gedacht als lockerer Einstieg in einen Fragebogen für potenzielle Probandinnen - löste bei einigen Website-Besuchern bereits Angst und Entsetzen aus. Genau jene Reaktionen, die die Jenaer Experten mit einem im Frühjahr startenden Forschungsprojekt untersuchen wollen.

Sie konzentrieren sich dabei auf Frauen, weil diese das Gros unter den weniger als zehn Prozent Spinnen-Phobikern der deutschen Bevölkerung ausmachen, wie Judith Lipka berichtet. Die Jenaer Psychologin arbeitet gemeinsam mit ihren Kollegen Thomas Straube und Wolfgang Miltner an einem auf zwei Jahre von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten neurowissenschaftlichen Projekt. Sie wollen ergründen, "wie das Gehirn vermeintlich bedrohliche Reize verarbeitet und das Entstehen von Angstzuständen steuert", erläutert die Wissenschaftlerin.

Die Forscher wollen die neurobiologischen Mechanismen des Erlebens von Angst besser verstehen lernen, um wirksame therapeutische Ansätze weiterentwickeln zu können. Sie erfassen dazu mittels Hirnstrommessung (EEG) und Kernspintomographie die im Gehirn ablaufenden Prozesse vor und nach einer - bereits erfolgreich erprobten - Kurzzeit-Therapie, um deren Effekte nachzuweisen. Das sei ein viel versprechendes Forschungsfeld, so Lipka.

Auf der Website musste die eigentlich friedfertige Vogelspinnen-Dame Karla zwar weichen, um für die geplanten Untersuchungen möglichst viele Frauen mit Spinnenangst zu erreichen.

In absehbarer Zeit jedoch werden sich die mehr als 60 an der Studie teilnehmenden Spinnen-Phobikerinnen ihr stellen. Sie werden sie ansehen, sogar anfassen müssen - und das so lange, bis sie Karla und ihren vermeintlich gefährlichen Artgenossen nicht mehr "spinnefeind" sind und in ihrer Gegenwart nicht mehr die Kontrolle verlieren.

Dann werde sich zeigen, so hoffen die Forscher, ob sich die Vorgänge im Gehirn der Phobikerinnen jeden Alters und Berufs ebenso normalisieren wie die Angst vor den achtbeinigen Wesen. Und weil bekannt ist, dass bei längerer "Abstinenz" vom Panik auslösenden Objekt die Wirkung der Therapie nachlassen kann, wollen die Jenaer Psychologen ihre Messungen nach einem Jahr wiederholen.

Uschi Lenk, ddp

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