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Gefahr im Gehölz Wild, Bauern und Feuer bedrohen deutsche Wälder

2. Teil: Tatort Wald: Trockene Kieferwälder drohen, in Flammen aufzugehen. Verschärft wird die Gefahr für den Wald durch eine Erbe absolutistischer Herrscher - übergroße Wildbestände fressen frische Laubbäumchen weg.

Das Problem dabei: Die Kiefer ist zwar, anders als die Fichte, relativ hitze- und dürretolerant – doch wehe, ein Funke fliegt: Dann brennen die endlosen harzig-knarzigen Kiefernplantagen ab wie ein Kienspan. Und "im Zuge des Klimawandels", warnt das Umweltbundesamt, werde sich "in Kiefernreinbeständen ... die Waldbrandgefahr erheblich erhöhen".

Die Hauptbetroffenen, die Länder Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, steuern daher bereits um: Ein "Projektverbund Nordostdeutsches Tiefland" plant, die brandanfälligen Kiefernmonokulturen großräumig "in Mischbestände mit hohem Laubholzanteil" umzuwandeln – ein Projekt, das nach dem Urteil des Potsdamer Umweltministeriums zu den "bedeutendsten ökologischen Großvorhaben in Nordostdeutschland" zählt.

Elsbeeren, Eichen, Ahorn und Tannen - der Mix als Rettung

"Risikoverminderung durch Risikostreuung" – nach dieser Formel sollen auch anderswo naturnahe, artenreiche Mischwälder entstehen. Die Wälder der Zukunft müsse man gar "nicht erfinden", schreibt der Naturschutz-Publizist Claus-Peter Lieckfeld in seinem jüngst erschienenen Klimafolgen-Buch "Tatort Wald" – es seien die Wälder der Vergangenheit.

Urtümliche Landschaften mit standorttypischer Bodenvegetation existieren, so Lieckfeld, "in unvollständigen Resten noch überall in Deutschland": "Hier haben sich alte Bäume erhalten wie zum Beispiel Elsbeeren, Eichen, Ahorne oder Tannen und manche Sträucher oder krautige Pflanzen wie zum Beispiel Schneeball, Waldweidenröschen, Türkenbund oder Hasenlattich."

Der naturnahe Mischwald von einst dient auch den Sachsen als Vorbild. Bereits im vorigem Jahr wurden etwa im Forst Bärenfels in der Nähe von Tharandt die reinen Fichtenbestände durch Neuanpflanzungen aufgelockert: Rund 650.000 junge Ahorne, Eschen, Eichen und Lärchen sollen dort der Wald fit machen für den Klimawandel. Darüber hinaus werden an den Berghängen Weißtannen eingebracht, die mit ihren Pfahlwurzeln die Erdrutschgefahr verringern sollen.

Auch dort allerdings haben die Forst-Umbauer mit einem Problem zu kämpfen, das Wälder vielerorts in Deutschland an den Rand des Ruins gebracht hat: die übergroßen Wildbestände.

Seit den Zeiten der absolutistischen Herrscher hat die politisch und gesellschaftlich einflussreiche Lobby der Trophäenjäger dafür gesorgt, dass Deutschland die "vermutlich schalenwildreichsten Wälder der Erde" (Lieckfeld) hat – zum Schaden der Laubbäume, an deren frischen Trieben das Wild lieber knabbert als an genadeltem Holz.

Der "selektive Verbiss des allzu vielen Wildes" habe, wie Lieckfeld anprangert, die noch immer anhaltende "weitgehende Artenverschiebung hin zu artenarmen Holzäckern" noch beschleunigt. Jüngste Zahlen aus Sachsen bestätigen den Trend, dessen Folgen sich angesichts des Klimawandels vollends fatal ausnehmen.

Der Wald ist nicht nur Patient, sondern auch Arzt

Der Anteil der Laubbäume mit abgefressenen Leittrieben ist in Sachsen binnen drei Jahren landesweit von 18 auf 26 Prozent empor geschnellt – was den Dresdner Umweltminister Stanislaw Tillich im Januar veranlasste, an alle Jäger zu appellieren, doch bitteschön "in ihren Anstrengungen zur Bejagung nicht nachzulassen".

Denn es genügt in der Tat nicht, einfach nur die Laubholz-Neuanpflanzungen mit Zäunen vor den gierigen Hirschen und Rehen zu schützen, auf die das frische Grün nach den Worten des sächsischen Försters Andreas Geschu "wie ein Delikatladen in der DDR" wirkt. Die überstarken Wildbestände nämlich führen nicht nur zu direkten Schäden an den Bäumen, sondern bremsen auch auf andere Weise die Bemühungen, auf den Klimawandel mit einer Waldwende zu reagieren.

Der Wildverbiss, warnt die Landwirtschaftskammer Niedersachsen, "vernichtet auch wichtige Kräuter, die für parasitierende oder räuberische Insekten als natürliche Gegenspieler der Schadinsekten erhebliche Bedeutung haben".

Doch so sehr der Klimawandel die Forsten gefährdet – der Wald ist, wie die Grünen-Umweltpolitikerin Bärbel Höhn predigt, "nicht nur Patient, sondern auch Arzt": Gesunde Bäume filtern Gifte aus der Luft und speichern während des Wachsens das klimaschädliche Kohlendioxid.

Klimawandel als Brandbeschleuninger

Umso schlimmer auch für das Klima, wenn diese Heilwirkungen des Waldes nachlassen, etwa weil der Baumbestand nicht rasch genug den neuen Bedingungen angepasst wird. Welche Schäden dann - neben dem Windfall, dem Käferfraß und der Trockenheit - den Wäldern drohen, zeigt sich bereits in den USA.

Dort gilt der Klimawandel längst als Brandbeschleuniger: Die Zahl der Waldbrände hat sich im letzten Dritteljahrhundert in den Vereinigten Staaten vervierfacht.

Die Zunahme der Feuersbrünste sei "einer der ersten großen Indikatoren für die Auswirkungen des Klimawandels in den USA", zitierte jüngst das Fachblatt "Science" ein Forscherteam der University of Arizona: "Die Waldbrand-Saison beginnt früher und dauert länger."

Kaum etwas anderes wird Deutschland widerfahren, wenn die Durchschnittstemperatur auch nur um 1,4 Grad steigt und in der Bundesrepublik "Verhältnisse wie in der Toskana" herrschen, wie der Potsdamer Professor Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe vorhersagt.

Dann wird, so der Klimafolgenforscher, in den Nadelwäldern von Berlin und Brandenburg "die Waldbrandgefahr bis 2050 um fast ein Drittel ansteigen".

Zum 1. Teil der Serie über den deutschen Wald: Der Angriff der Killerkäfer

Zum 2. Teil: Deutschland sucht den Superbaum

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