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21.02.2007
 

Rettung der Art

Nashorn reist 63 Stunden zur Paarung

Flugzeug, Fähre, Lastwagen - ein US-Nashorn reiste um die halbe Welt um seine Art retten. Denn vom Sumatra-Nashorn gibt es nur noch rund 300 Exemplare - auf dem ganzen Planeten. Zwei zur Paarung bereite Weibchen warten bereits. Jetzt muss der Weitgereiste sich nur noch verlieben.

Seine Mission ist klar: Sich paaren, Nachkommen zeugen. Das Sumatra-Nashorn Andalas hat dafür eine weite Reise auf sich genommen. Von seiner Geburtsstätte im US-amerikanischen Cincinnati-Zoo (Bundesstaat Ohio) ist das Tier bis nach Jakarta in Indonesien geflogen. Von dort aus wurde es per Lastwagen und Fähre auf die Insel Sumatra verfrachtet. Hier befinden sich nicht nur ein Schutzgebiet, in dem Andalas heimisch werden soll, sondern auch die Weibchen Rosa und Ratu. Mit ihnen soll das US-Nashorn seine Art retten.

Sumatra-Nashörner stehen auf der Liste der stark bedrohten Tiere der Naturschutzunion der Vereinten Nationen. Nur rund 300 sind noch am Leben, viele von ihnen befinden sich in Malaysia und auf Sumatra. Die natürlichen Lebensräume teilen sie sich mit ebenfalls gefährdeten Tigern und Elefanten. Doch Wilderer jagen dort, und die Landwirtschaft verdrängt - etwa durch kräftig wachsende Palmölplantagen - die natürlichen Gebiete.

Der fünfjährige Andalas wurde während der 63 Stunden langen Reise zu seinem neuen Zuhause mit Gräsern gefüttert und durch ein Moskitonetz vor Insekten und übertragbaren Krankheiten geschützt. Im Schutzgebiet angekommen, wanderte er einige Zeit umher und legte sich dann nieder. Bald soll er sich mit den beiden Weibchen anfreunden: "Er ist jung und noch voller Energie" sagte Arman Malonongan, Direktor der indonesischen Wald- und Tierschutzorganisation. "Hoffentlich verliebt er sich bald."

Ehrgeiziges Ziel: Bestände verachtfachen

Dann - davon gehen Tierschützer aus - könnten die Sumatra-Nashörner vorm Aussterben bewahrt werden. Allerdings müsste es nach Expertenangaben wieder mindestens 2500 von ihnen geben, damit sie nicht mehr als unmittelbar bedroht gelten müssten. Das würde mehr als einer Verachtfachung der gegenwärtigen Bestände entsprechen.

Mit einer Länge von nur drei Metern sind die Tiere die kleinsten lebenden Nashörner und zeichnen sich auch durch zwei Hörner auf der Nase aus - das hintere fällt allerdings kaum auf, da es nur eine stumpfe Erhöhung ist.

Andalas war 2001 im Cincinnati Zoo zur Welt gekommen und war damit das erste Kalb seit Jahrzehnten, das in Gefangenschaft geboren wurde. "Nach fünf Jahren ist es schwer, ihn gehen zu lassen", sagte Terri Roth, Vizepräsidentin des Zoos. "Aber wenn wir mit der Aufgabe unseres ersten Kalbes seine Spezies retten können, sind wir darüber sehr glücklich."

Mit der Nachzüchtung von bedrohten Nashörnern hatten Forscher erst kürzlich in Ungarn Erfolg: Im Zoo von Budapest war im Januar das weltweit erste Nashornkalb nach einer künstlichen Befruchtung geboren worden.

hei/AP

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