Das Paradiesische des Great Barrier Reefs ist verschwunden. Wo auf Werbefotos türkisblaues Wasser grün-gelbe Felsen und Korallen umspült, schwimmt jetzt eine grau-braune Suppe. Sand und Schmutz wurden aus Flüssen vom australischen Festland herangeschwemmt, deren Ufer ein tropischer Wirbelsturm kürzlich hatte übertreten lassen. Das zeigen Satellitenbilder der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa und der US-Wetter- und Ozeanbehörde (NOAA).
"Der Schlammstrom floss nach den verheerenden Regenfällen in die Lagune des Great Barrier Reefs und von dort direkt in den Ozean", sagte Arnold Dekker von Australiens staatlicher Behörde für wissenschaftliche und industrielle Forschung (CSIRO). "Und das geschah mit einer so hohen Geschwindigkeit, dass wir erst durch die Satellitenbilder darauf aufmerksam wurden."
In dem Riff lagern sich der angespülte Sand und Schmutz ab und bedrohen so das Meeresleben. Das Sonnenlicht kann nicht mehr bis zu den Korallen durchdringen, so dass sie an der für sie lebensnotwendigen Photosynthese gehindert werden.
Wissenschaftler machen den Klimawandel für die Bedrohung des Great Barrier Reefs, das sich über 2300 Kilometer vor der Nord-Ost-Küste Australiens entspannt, verantwortlich. Steigende Wassertemperaturen treiben die Korallenbleiche voran und auch tropische Wirbelstürme werden in Zukunft noch häufiger erwartet.
Die aktuellen Bilder zeigen, dass das Schlammwasser wahrscheinlich mit einer Geschwindigkeit von einem Kilometer pro Stunde auf das Riff zutrieb, sagte Dekker zur Nachrichtenagentur Reuters. "Bislang sind wir davon ausgegangen, dass das Flusswasser in der Nähe der Küste bleibt", erklärte er. "Aber diese Bilder zeigen, dass es durch das Riff hindurch fließt." Dekker geht davon aus, dass mit dem Schlamm auch Pestizide aus der Ländereien um die Flussufer herausgewaschen wurden, die das ökologische Gleichgewicht des Riffs beeinträchtigen könnten.
hei/rtr
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