"Wenn sich das Männchen vom Weibchen löst, bricht in mehr als 80 Prozent der Fälle die Spitze seines Genitals ab", sagt Gabriele Uhl von der Universität Bonn. "Die Spitze sitzt dann wie ein Korken in der Geschlechtsöffnung." Damit könnten die Spinnenmännchen zwar nicht weitere Paarungen des Weibchens mit seinen Rivalen verhindern, wohl aber, dass bei diesen Begegnungen Nachkommen gezeugt werden.
Flieht ein Wespenspinnenmännchen nach der Begattung nicht schnell genug, wird es vom Weibchen getötet und verzehrt. Bei der überstürzten Flucht bricht die Spitze des Taster genannten männlichen Geschlechtsteils in vier von fünf Fällen ab. Da die Überlebenschancen nicht von der Genitalverstümmelung abhängig sind, wie die Bonner Verhaltensforscher herausgefunden haben, handle es sich nicht ausschließlich um einen Begleitumstand der Flucht vor dem Gattenmord.
Vielmehr erschwert die abgebrochene Tasterspitze nachfolgende Paarungen des Weibchens mit weiteren Liebhabern: "Die abgebrochene Spitze verschließt die Öffnung so sicher, dass ein Samentransport weitgehend ausgeschlossen sein dürfte", sagte Uhls Kollege Stefan Nessler. Wespenspinnen sind aus dem Mittelmeerraum nach Süddeutschland eingewandert und breiten sich weiter aus.
Eine Genitalverstümmelung sei dann sinnvoll, wenn ohnehin kaum eine Chance auf eine weitere Kopulation bestehe, schreiben die Forscher im Fachblatt "Behavioral Ecology" (Band 18, Seite 174-181, 2007). Uhl und ihr Mitarbeiter haben diesen Verkorkungsmechanismus inzwischen bei verschiedenen Wespenspinnenarten beobachtet. Und auch andere Spinnenarten kennen das Prinzip Keuschheitsgürtel: Zwergspinnenmännchen schießen ihren Spermien ein zähflüssiges Sekret hinterher. Dieser Schleimpfropf verschließt die weibliche Genitalöffnung so effektiv, dass Rivalen nicht mehr kopulieren können.
hda/ddp
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