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27.03.2007
 

Ekel-Amphibie

Ganz Australien hasst die Monsterkröte

Die Tiere sind giftig, hässlich - und sie erinnern die Menschen an ihre eigene Dummheit. Nun wurde wieder einmal ein Prachtexemplar der Aga-Kröte gefunden: fast ein Kilogramm schwer und so groß wie ein kleiner Hund. Australien hat ein neues Hassobjekt.

Die australischen Krötenjäger haben es nicht leicht. Sie kämpfen gegen einen zähen, hässlichen, hochgiftigen Feind – aber dauerhaft will sich offenbar niemand so recht für ihre eklige Arbeit interessieren. Ab und an muss deshalb mal etwas getan werden, um den australischen Krötenfluch wieder ins Bewusstsein der Menschen zurückzuholen. Schließlich kostet Krötensammeln Geld – auch wenn man aus den widerlichen Tieren "exzellenten Dünger" machen kann, wie Graeme Sawyer von den "Toad Busters" der Nachrichtenagentur Associated Press versichert.

Eben hat Sawyer, der hauptberuflich Kröten tötet, mal wieder eine ziemlich große "Cane Toad" in die Kameras gehalten – so groß wie ein kleiner Hund ist das Tier, und fast ein Kilogramm schwer. Für ein Männchen ist das ziemlich viel – selbst die "Toad Busters" sprechen allerdings nicht von der größten Aga-Kröte aller Zeiten. Immerhin: Die Meldung von der Monsterkröte schaffte es mal wieder um die ganze Welt. Und die "Toad Busters" können auf neue Mittel für ihren aussichts- und endlosen Kampf gegen eine der Dummheiten der Menschheit hoffen.

Sawyer sagte, das Monstermännchen sei "riesig, um es milde auszudrücken", und er habe "keine Lust, seine Schwester zu treffen" - wer würde das schon wollen? Die Australier hassen diese Kröten – und zwar womöglich nicht zuletzt deshalb, weil sie nicht ständig an die eigene Dummheit erinnert werden möchten. In den dreißiger Jahren wurden die Viecher importiert, um Käfer zu bekämpfen – dumm nur, dass die Schädlinge fliegen konnten, die Kröten aber nicht.

Mehrere Millionen Monster

Dafür können sie so einiges anderes: Bis zu 35.000 Eier in einem Anlauf legen zum Beispiel. 100 Stück wurden ursprünglich eingeführt, inzwischen ist die Population auf viele Millionen angewachsen. Mehrere Millionen Monster: Aga-Kröten haben zwei dicke Drüsen rechts und links am Kopf. Die enthalten ein starkes Gift, das den Herzmuskel angreift. Selbst große Schlangen und Süßwasserkrokodile sterben innerhalb weniger Minuten an Herzstillstand, wenn sie den Fehler begehen, in eine Aga-Kröte zu beißen.

Außerhalb Australiens sollen auch schon Menschen an Krötenfleisch oder Aga-Eier-Suppe zugrunde gegangen sein. In Hawaii sterben angeblich Jahr für Jahr um die 50 Hunde am Krötengift. Fast ein Drittel aller australischen Schlangenarten könnte durch die fiesen Amphibien in den kommenden Jahrzehnten an den Rand der Ausrottung geraten, prognostizierten vor einiger Zeit Zoologen der University of Sydney.

Selbst niedliche Aga-Kaulquappen kosten unvorsichtige Fische, Frösche und andere Tiere das Leben, die auf eine schnelle, glitschige Zwischenmahlzeit aus sind. Die ausgewachsenen Tiere muss man nicht essen, um zu leiden - wenn sie sich bedroht fühlt, versprüht die Aga-Kröte ihr Gift bis zu zwei Meter weit. Im Auge verursacht das "intensiven Schmerz, zeitweilige Blindheit und Entzündungen", hält die Webseite des Australian Museum in Sydney nüchtern fest.

Der Hass ist ein echtes Popkultur-Phänomen

Die Australier hassen die Amphibien mit einer Inbrunst, die sonst Spinnen und Ratten vorbehalten ist. Es gibt Krötenhasser-Bücher, Filme und sogar Cane-Toad-Geldbörsen aus echten Kröten. Die Regierung lobte sogar schon einmal einen Preis für die beste Krötenfalle aus.

Man tötet sie mit Golfschlägern und Luftgewehren, sie werden vergiftet, gehäckselt und überrollt, man stopft sie ins Gefrierfach oder erstickt sie mit CO2 – der Klimakiller killt auch Kröten. Wenn man die toten Tiere anschließend noch ein bisschen chemisch nachbehandelt, lässt sich auch das Gift neutralisieren – und die toten Kröten können als Düngemittel endlich einem positiven Zweck zugeführt werden.

Auch der Monsterkröte, die man jetzt vor den Toren der Stadt Darwin fand, wird es wohl so ergehen. Immerhin: Im Gegensatz zu Abertausenden seiner Artgenossen hat das fette Aga-Männchen es vorher noch zu fünfzehn Minuten Weltruhm gebracht.

cis

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