Bremerhaven - Der milde Winter hat auch in der Arktis seine Spuren hinterlassen. Ungewöhnlich hohe Temperaturen haben deutlich weniger Meereis entstehen lassen als sonst üblich. "Es gab Werte von plus fünf Grad mit Regen", sagte Jörg Hartmann vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (Awi) in Bremerhaven.
Das Institut hat im März zwei Wochen lang zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) das arktische Meereis aus der Luft kartiert. Normalerweise ist Spitzbergen am Ende des Winters weitgehend von Eis umschlossen, die Fjorde sind zugefroren. "In diesem Jahr mussten die Flugzeuge bis an die Grenzen ihrer Reichweite fliegen, um ausreichend Messdaten über dem Meereis erfassen zu können", sagte Hartmann. "Ich studiere die Arktis schon seit 15 Jahren, so etwas habe ich noch nicht gesehen."
Mehrfach sei die Null-Grad-Grenze angekratzt worden, in den Vorjahren zugefrorene Fjorde seien eisfrei gewesen. Normalerweise herrschten im März Durchschnittstemperaturen von minus zehn bis minus zwölf Grad Celsius.
Das Awi-Forschungsflugzeug "Polar 2" hat meteorologische Instrumente und Kameras an Bord. Bei der jüngsten Mission ist es in geringer Höhe über das Eis geflogen, während ein DLR-Flugzeug in drei Kilometern Höhe die Eisflächen des gleichen Gebiets mit einem Radarsystem vermessen hat. Die Daten sollen die Grundlagen für die Messverfahren des geplanten europäischen Satelliten "Sentinel-1" liefern. Der Orbiter soll ab 2011 mit einem Radar-System die Arktis beobachten.
Das arktische Eis spielt eine wichtige Rolle für das Weltklima, da es einen Teil der Sonnenstrahlung ins All reflektiert. Der Rückgang des Eises verstärkt sich deshalb selbst: Je weniger vorhanden ist, desto stärker heizt die Sonne die hohen Breitengrade auf - und das Eis schmilzt noch schneller. Im jüngsten Klimabericht der Vereinten Nationen wird die Erwärmung der Arktis als einer der bedeutendsten Belege für den globalen Klimawandel herausgestellt.
mbe
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