Brüssel - Die Veröffentlichung des zweiten Teiles des Weltklimaberichtes hat sich heute in letzter Sekunde verzögert. Der Bericht sei aber nunmehr "abgeschlossen" und werde "in zwei Stunden" veröffentlicht, sagte der Vorsitzende des Weltklimarates (IPCC), Rajendra Pachauri, am Morgen kurz nach dem eigentlich vereinbarten Veröffentlichungstermin in Brüssel. "Wir haben gerade eine Marathonsitzung beendet", sagte Pachauri. "Es war eine produktive aber ermüdende Übung. Letztlich haben wir ein, wie ich denke, sehr gutes Dokument."
Ein IPCC-Sprecher hatte kurz zuvor gesagt, dass sich die auf 10 Uhr angesetzte Pressekonferenz zur Vorstellung des Berichtes verzögere, ohne einen neuen Termin zu nennen. Delegierte machten die USA, China und Saudi-Arabien für die Verschiebung verantwortlich. Die Regierungen dieser Länder hätten einige Abschnitte des Berichtes insbesondere zu den Wirkungen des Klimawandels als zu weitgehend beanstandet. In dem Streit ging es nicht um den Hauptteil des gut 1400 Seiten dicken Berichts, sondern um die an politische Entscheidungsträger gerichtete "Zusammenfassung". Forscher klagten über die Einmischung der Politik.
Die Fachleute gaben dem Drängen der USA und Chinas aber letztlich nach. Nach Angaben aus Delegationskreisen wurden nun einige kritische Passagen aus dem Bericht gestrichen. Ein Abschnitt zu erwarteten Klimaschäden in Nordamerika komme nun nicht mehr vor, hieß es. Im Entwurf hatte es zunächst geheißen, als Folge der Erderwärmung werde es auf dem Kontinent unter anderem Wirbelstürme, Trockenheit, Überflutungen und Brände geben.
China habe in den Verhandlungen darauf bestanden, eine Textstelle zu entfernen, wonach gewisse Schäden mit "sehr hoher Wahrscheinlichkeit" eintreten würden. Anwesende Wissenschaftler seien daraufhin aufgestanden und hätten einen Erhalt dieses Hinweises verlangt. Daraufhin wurde eine Kompromissformel gesucht.
Mit den dramatischen Ergebnissen seines ersten Berichts, der im Februar in Paris vorgestellt wurde, hatte der Weltklimarat international Bestürzung ausgelöst. Der Bericht sagt einen durchschnittlichen Temperaturanstieg von bis zu 6,4 Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts vorher. Im zweiten Teil sollen nun die Regionen vorgestellt werden, die in den kommenden Jahrzehnten besonders unter den Auswirkungen des Klimawandels leiden werden. Befürchtet werden Dürren, Überschwemmungen und zunehmender Mangel an Trinkwasser in jetzt schon heißen Regionen, die stärkere Verbreitung von Krankheiten und das Aussterben diverser Tier- und Pflanzenarten.
Den dritten und letzten Teil ihres Weltklimaberichts wollen die Forscher Anfang Mai präsentieren. Dann wollen sie Lösungsvorschläge unterbreiten, um die Folgen des Klimawandels abzumildern.
100 Millionen Menschen in Küstenstreifen, die nur einen Meter über dem Meeresspiegel lebten, liefen Gefahr, ihr Zuhause zu verlieren. Die globale Erwärmung würden in China und Indien durch Missernten zu Hunger führen. "Man kann den Fakten nicht entkommen: Die globale Erwärmung wird Hunger, Überschwemmungen und Wassermangel bringen.
Arme Länder, die am wenigsten Verantwortung dafür tragen, werden am meisten leiden", erklärte der Direktor des WWF-Klimaprogramms, Hans Verolme. Nichts zu tun hätte desaströse Konsequenzen, ergänzte er. Die industrialisierten Länder müssten ihre Verantwortung akzeptieren und mit der Lösung des Problems beginnen. Die Experten des Klimarates hätten klar gemacht, dass der Klimawandel unvermeidlich ist. Aber noch gebe es Zeit, um sich gegen die schlimmsten Folgen zu schützen.
phw/AFP/dpa
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