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26.04.2007
 

Klimawandel

Eisen macht Plankton zu CO2-Vielfraß

Algen gelten als Hoffnungsträger im Kampf gegen den Klimawandel. Nun haben Forscher herausgefunden, dass Eisen die Organismen dazu bringt, noch mehr Kohlendioxid als bislang gedacht aufzunehmen. Doch die Studie zeigt auch, dass der Mensch Algenwachstum nur schwer steuern kann.

Die Kerguelen, zwischen Australien und Südafrika im südlichen indischen Ozean gelegen, führen ein abgeschiedenes Dasein. Nicht umsonst trägt die Inselgruppe den Spitznamen "Insel der Trostlosigkeit". Doch vor der Küste findet sich ein Schatz, auf den in Zeiten des Klimawandels die ganze Welt neidisch blickt.

Denn die Algenfelder in der Nähe der Insel gelten als ausgezeichnete Kohlendioxid-Fresser. Eine 47-köpfige internationale Forschergruppe richtete deshalb Satelliteninstrumente auf das Meer vor der Kerguelen-Küste, um die Organismen näher zu untersuchen. An Bord eines Forschungsschiffes wurden die Daten ausgewertet und mit Messergebnissen von Wasserproben verknüpft.

Ihre Ergebnisse, die nun in der Fachzeitschrift "Nature" publiziert wurden, übertreffen bisherige Schätzungen zum Kohlendioxid (CO2)-Hunger der Organismen: Die Blüten der Algen können mindestens zehnmal so viel CO2 aufnehmen wie bislang geschätzt. Dies liegt an der hohen Eisenkonzentration im Wasser. Durch Zirkulation gelangt vom Meeresboden eine beträchtliche Menge Eisen an die Oberfläche. Durch diesen Stoff scheinen die Organismen das CO2 besonders gut aufnehmen zu können. Auch noch eine Reihe anderer Nährstoffe scheinen bei dem komplexen Geschehen aber eine Rolle zu spielen.

Keine Lösung für die Klimaveränderung

Der Studie zufolge kann ein einzelnes Eisenatom mehr als 100.000 Kohle-Atome aus der Luft ziehen helfen. Pflanzliches Plankton benötigt im Meerwasser gelöstes Kohlendioxid für das Wachstum. Wenn die Algen absterben, sinken sie zum Meeresboden und nehmen den gebundenen Kohlenstoff mit nach unten.

Doch eine ideale Versorgung mit Eisen, wie auf den Algenfeldern vor den Kerguelen, ist auf den Ozeanen selten. Deshalb gab es Versuche, dem Wasser künstlich Eisen zuzuführen. Allerdings scheiterten diese, da der Stoff in den meisten Fällen oxidierte, bevor er durch das Phytoplankton aufgenommen werden konnte.

Auch die aktuelle Studie findet in solchen Versuchen von "Geo-Engineering" kaum Lösungen für den Klimawandel. Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass neben Eisen noch andere Stoffe nötig sind, um das Plankton zum Wachsen zu bringen. Auch wachsen Algen durch die langsame und kontinuierliche Zufuhr von Eisen - und diese ist vom Menschen nur schwer künstlich steuern.

Andere Studien hatten bereits zuvor die Hoffnung auf den "Klimaretter Phytoplankton" gedämpft: Demnach könnten Algen, die durch das Versenken von Eisen im Meer zum Wachstum gebracht würden, nicht mehr als drei Prozent des jährlichen Kohlendioxid-Ausstoßes aufnehmen.

joh

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