Phytoplankton wird von Zooplankton gefressen, also tierischen Kleinstlebewesen. Die wiederum dienen größeren Tieren bis hin zu Walen als Nahrung. Ein Eingriff in das unterste Ende der globalen Nahrungskette könnte unvorhersehbare Folgen haben, warnt Bathmann vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.
Die Ergebnisse könnten sogar positiv ausfallen, sagt der Wissenschaftler, zumindest für manche Arten. Wale zum Beispiel könnten durchaus davon profitieren, dass es plötzlich massenweise wohlgenährten Krill zu naschen gibt. Das wiederum würde aber dazu führen, dass die erhoffte CO2-Einsparung reduziert wird oder gar ausfällt. Denn der Kohlenstoff würde von Alge zu Kleintier zu Wal weiterwandern und irgendwo unterwegs schlicht abgeatmet werden - also zurück in den Kreislauf gelangen. Die Wechselwirkungen sind für einfache Prognosen schlicht zu komplex.
Eine Studie, die eben jene Folgen der Eisendüngung auf Wale untersucht, wird Batmanns Kollege Viktor Smetacek gemeinsam mit Kollegen aus Indien bald beginnen. Es fehlen Bathmann zufolge schlicht und einfach wissenschaftliche Daten, die eine Einschätzung dessen zulassen, was die Menschheit erwartet, wenn Planktos seine Pläne wahrmacht.
Zwischenspeicher mit 1000 Jahren Halbwertzeit
Generell ist die Einlagerung im Ozean keine Patentlösung für die nächsten Jahrmillionen. Je größer die Tiefe, desto länger bleibt das CO2 unten. Kohlendioxid in 3000 Metern Tiefe würde beispielsweise "einige hundert Jahre" aus dem Kreislauf verschwinden, sagt Bathmann. Wirklich weg wäre es aus atmosphärischer Sicht aber erst, wenn es in einer Sedimentschicht verschwindet, also in Gestein eingeschlossen würde. Das aber gelte nur für jenen verschwindend kleinen Prozentsatz des CO2, das den Meeresgrund überhaupt erreicht.
Bathmann spricht deshalb lieber vom Ozean als einem "Zwischenspeicher mit 500 bis 1000 Jahren Halbwertzeit". Man könne die Hoffnung haben, dass sich die Menschheit bis dahin mit dem Klimawandel arrangieren werde.
Dieser Zwischenspeicher wäre mit Algen kaum zu füllen. Die EurOcean-Forscher prüften deshalb die Möglichkeit, CO2 in flüssiger Form direkt tief ins Meer zu pumpen - eine aufwändige und teure Technik. Und auch hier wären die Folgen für die marinen Ökosysteme unabsehbar. Die Tiefsee würde plötzlich saurer, das Kohlendioxid würde Sauerstoff aus der Tiefe verdrängen.
Große Geschäfte mit dem CO2-Ablasshandel
Im Augenblick favorisieren die Forscher deshalb CO2-Lager tief im Erdboden, in geologischen Depots. Parallel müsste aber weiter an energiesparender Technik, erneuerbaren Energien und anderen Klimaschutzmaßnahmen gearbeitet werden, fordern sie.
Für die Planktos-Investoren, die mit Kohlenstoff-Credits für den internationalen CO2-Handel Geld verdienen wollen, ist dieser Aufwand überflüssig. "Wir reden hier von organischem Anbau", sagte Russ George der "New York Times". Man habe es nicht mit komplizierter Wissenschaft zu tun. "Kann es tatsächlich so einfach sein, wie wir sagen?", fragte der Öko-Unternehmer rhetorisch. "Wir werden es bald herausfinden."
Klar sind jedenfalls die Gewinnerwartungen von Planktos: Eine Tonne CO2-Einsparung bringt derzeit etwa zwei US-Dollar auf dem freien Markt. Ab fünf Dollar pro Tonne glaubt man bei Planktos profitabel arbeiten zu können. Der Preis lag schon einmal bei 35 Dollar - und er wird vermutlich wieder steigen, wenn bei der Kyoto-Nachfolgekonferenz in Bali Ende 2007 verbindliche Klimaziele für die Industrienationen der Welt beschlossen werden.
Planktos will dann bereitstehen, um am CO2-Ablasshandel zu verdienen.
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