Aus Singapur berichtet Jürgen Kremb
Die Umweltschützer sehen in der offiziellen Stellungnahme deshalb auch keinen Grund, ihre Vorwürfe zurückzunehmen. "Obwohl der Einschlag von Tropenhölzer bereits durch den Premier verboten ist", sagt Global Witness Direktor Taylor zu SPIEGEL ONLINE, verdiene die Brigade 70 an ihren Holzfällerkonzessionen pro Jahr zwischen zwei und 2,75 Millionen US-Dollar.
Die Untersuchungen der Briten decken sich auch mit Analysen der UN-Unterorganisation für Landwirtschaft FAO. Durch den unerlaubten Holzeinschlag habe das südostasiatische Land in den letzten fünf Jahren etwa ein Drittel seiner auf mehr als 100.000 Quadratkilometer großen Flächen an Urwald verloren.
Vorwurf: Westliche Geberländer schauen zu
Akut bedroht von den Aktivitäten der Firma Seng Keang, die mit dem Holzexport vor allem nach China jährliche Erträge von mindestens über 13 Millionen US-Dollar erwirtschafte, sei der Prey Long Urwald, mahnten die Umweltschützer. Das ist der größte noch existierende Tieflanddschungel im Festland von Südostasien, der mit einer Fläche von 5250 Quadratkilometern etwa doppelt so groß wie das Saarland ist.
Der Prey Long Urwald, gelegen in der zentralkambodschanischen Provinz Kompong Thom, ist Heimstatt zahlreicher aussterbender Tierarten. Es gibt in dem westlich des Mekong gelegenen Waldgebiets noch wilde Elefanten, Tiger und den seltenen asiatischer Schwarzbären.
Während die politische Elite um Hun Sen an dem Raubbau kräftig verdiene, schade der Kahlschlag besonders den Ärmsten des Landes, prangert Global Witness an. Bevorzugte Beute der Holzfäller sei eine besonders harzhaltige Baumsorte, berichtet Global Witness, die Lebensgrundlage vieler Waldbewohner in Prey Long sei.
Schwere Vorwürfe erhebt die Londoner Organisation daher auch gegen internationale humanitäre Organisationen. Kambodscha ist knapp 30 Jahre nach Ende der Herrschaft der Roten Khmer und ihren Killing Fields noch immer eines der größten Empfängerländer von Entwicklungshilfe in Südostasien. Mehr als 600 Millionen US-Dollar fließen jedes Jahr in das Land, wo mehr als 50 Prozent der 14 Millionen Einwohner von weniger als einem halben Dollar am Tag leben müssen. Damit finanzieren wohlhabende Nationen gut die Hälfte des Landeshaushaltes. Dem Waldfrevel würden die internationalen Geber aber unwidersprochen zusehen. Am 19. und 20. Juni treffen sich die internationalen Geldgeber des südostasiatischen Landes um über künftige Zuwendungen zu entscheiden.
"Wenn ausländische Organisation wollen, dass Kambodscha angemessen mit seinen Rohstoffen und Waldreserven umgeht", fordert deshalb Global-Witness-Direktor Taylor, "dann müssen sie auch entschieden gegen die Korruption in hohen Ämtern vorgehen."
Mit Material von AP
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