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Klima-Projektion Immer mehr Glutofen-Tage am Mittelmeer

2. Teil: Hitzeinseln rund ums Mittelmeer - in den Küstenregionen verstärkt sich der Effekt noch

Noch häufiger als in den Städten wird der Schwellenwert für kritischen Hitzestress den Projektionen zufolge an den Küsten des Mittelmeeres überschritten werden. Das hat zum einen damit zu tun, dass sie so tief liegen. Diffenbaugh: "Die höher gelegenen Regionen landeinwärts sind in der Regel auch weiterhin zu kühl, um gefährliche Temperaturschwellen zu überschreiten." Das betrifft den nördlichen Mittelmeer-Raum mit seinen küstennahen Gebirgszügen. Ein weiterer Grund: In unmittelbarer Meeresnähe ist die Luftfeuchtigkeit erhöht, was den körperlichen Hitzestress bei hohen Außentemperaturen verstärkt.

Auf der Klimakarte der nahen Zukunft ziert vor allem die nordafrikanische Küste ein fast durchgehender roter Saum. Hier wird es nach dem A2-Szenario gegen Ende des Jahrhunderts bis zu 40 Tage pro Saison gefährlichen Hitzestress für Bevölkerung und Touristen geben. Weitere Hot Spots sind Portugal, die spanische Ostküste und Süditalien, aber auch beliebte Urlaubsinseln wie Zypern, Kreta und Mallorca. Der Klimaforscher Filippo Giorgi vom Internationalen Zentrum für Theoretische Physik in Triest sieht darin den größten Wert der neuen Studie, an der er entscheidend mitgewirkt hat: "Sie zeigt zum ersten Mal dieses Verstärkungssignal in den Küstenregionen."

Die Böden haben im Sommer nichts mehr zu verdunsten

Mit ihrer Veröffentlichung bestätigen Giorgi, Diffenbaugh und ihre Co-Autoren die Ergebnisse von Modellrechnungen im Rahmen des EU-Klimaforschungsprojekts "Prudence". Auch dabei hatte sich herauskristallisiert, dass Hitzewellen in Europa tendenziell zunehmen werden - mit dem Mittelmeer-Raum als besonders neuralgischer Zone. "Die Böden haben hier ein starkes sommerliches Wasserdefizit, und es gibt dann nichts mehr, was die Sonne verdunsten könnte", erläutert Jens Hesselbjerg Christensen, Physiker beim Dänischen Wetterdienst und seinerzeit "Prudence"-Projektleiter. Die ganze solare Strahlungsenergie werde deshalb in Wärme umgesetzt. "Das verstärkt die Hitzewellen im Sommer."

Diffenbaugh möchte seine aktuelle Studie als Mahnung verstanden wissen. Es gebe auf jeden Fall Chancen, das A2-Szenario zu vermeiden, "nur müssen wir dann sofort in Emissionsreduktionen investieren, um die Risiken durch stärkere Hitzewellen zu minimieren". So könnte man die Kurve noch kriegen und auf dem moderateren B2-Pfad landen.

Der Lohn laut den Modellrechnungen wären nur halb so viele Sommertage mit bedrohlichem Thermostress im Vergleich zur A2-Welt. Das Mittelmeer bliebe zwar auch dann ein Hot Spot der Klimaerwärmung. Aber der mediterrane Ofen würde deutlich seltener lebensgefährlich glühen.

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