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Historische Explosion Tunguska-Rätsel vor Lösung - Spur führt zum Krater

2. Teil: Kritiker fordern Trümmer als Beweise - doch die Indizien passen zu keiner anderen Theorie. Wie sonst hätte der trichterförmige See entstehen können?

In der Tat machen Gasperini und seine Kollegen die besonderen geologischen Bedingungen in der Tunguska-Region für das Fehlen einer bei Meteoritenkratern üblichen Wulst von Auswurfmaterial verantwortlich. Das Gebiet ist von Sümpfen durchzogen, die auf einer rund 25 Meter dicken Permafrostschicht ruhen. Die Wucht und die enorme Hitzeentwicklung des Einschlags hätten vermutlich große Wassermengen verdampfen lassen, den Permafrost großräumig aufgeschmolzen und dabei im Boden gespeichertes Methan freigesetzt, glaubt Gasperini. Durch die Ausgasungen und den Kollaps des weichen Erdbodens sei der Kraterrand aus ausgeworfenem Material versunken.

Einschlag als plausibelste Erklärung

Die Italiener erörtern in ihrem Fachartikel auch andere mögliche Mechanismen, die zur Entstehung des Tscheko-Sees geführt haben könnten. Vulkanische Prozesse etwa seien auszuschließen. Das gleiche gelte für den sogenannten Thermokarst - ein Prozess, der durch Schmelzvorgänge im Permafrostboden Seen mit steilen Ufern und nahezu ebenem Grund entstehen lässt.

Der Tscheko-See aber besitzt die Form eines Trichters. Es sei "höchst unwahrscheinlich", dass der Fluss Kimtschu, der den Tscheko-See speist, durch normale Erosions- und Umverteilungsprozesse ein 50 Meter tiefes konisches Loch geschaffen habe, heißt es in der Studie. Vielmehr entsprächen die Trichterform des Sees sowie das Verhältnis zwischen Tiefe und Durchmesser dem, was man bei einem Meteoriteneinschlag in einen weichen Untergrund erwarten würde.

Die leicht elliptische Form des Sees sei gut mit einer relativ geringen Aufprallgeschwindigkeit und einem flachen Winkel vereinbar, meint Gasperini. Sein Team hat errechnet, dass der Asteroid einen Durchmesser von etwa zehn Metern besaß, bis zu 1500 Tonnen wog und sich mit 3600 bis 36.000 Kilometern pro Stunde in einem Winkel von etwa 45 Grad in die Erde gebohrt hat.

Weicher Grund hat Aufprallenergie aufgenommen

Der britische Experte Collins wendet zwar ein, dass ein Einschlag die Bäume im Umfeld des Sees umgeknickt hätte - und dass der See heute mit Bäumen umgeben sei, die offenbar älter als 100 Jahre seien. Doch auch dafür haben die Italiener eine Erklärung: Der weiche Grund habe einen großen Teil der Aufprallenergie absorbiert, was die Druckwelle des Einschlags vergleichsweise gering habe ausfallen lassen.

Kraterexperte Ernstson nennt die Argumentation der Italiener "plausibel": "Mehr kann man mit dem gegenwärtigen Material nicht machen." Zweifel aber werden bleiben, bis ein Stück des Asteroiden auftaucht. "Reste des Projektils unter dem Seeboden aufzufinden, wäre natürlich wundervoll", meint Ernstson, "weil man dann möglicherweise auch Rückschlüsse auf den Charakter des Tunguska-Impaktors ziehen könnte."

Die italienischen Forscher sehen das ähnlich. "Das Problem ist, dass wir dieses Objekt finden müssen", sagt Gasperini. Die bisher genommenen 1,80 Meter langen Bohrkerne hätten aber weder Gesteine aus der Zeit des Einschlags noch aus der Zeit davor erreicht, räumen die Forscher ein. Eine neue Bohrung "könnte dieses Dilemma lösen".

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