Aus San José berichtet Torge Löding
"Unsere Zeit ist fast abgelaufen, aber noch haben wir Optionen"- gewohnt wortgewaltig stellte Oscar Sanchez Arias, Friedensnobelpreisträger und Präsident Costa Ricas, im Nationaltheater der Hauptstadt San José seine Ideen zur Rettung der Welt vor. "Frieden mit der Natur" heißt seine Agenda, und sie beinhaltet ein internationales Maßnahmenpaket um vier zentrale Forderungen, das der Staatschef mit den Vereinten Nationen durchsetzen möchte.
International bekannt wurde Arias durch seine Friedensinitiative im bürgerkriegsgeschüttelten Zentralamerika der achtziger Jahre, für die er 1987 den Friedensnobelpreis bekam. Nun scheint ihm die Region nicht mehr genug, er möchte Frieden mit der Natur auf der ganzen Welt. Die Grundlage für die "Initiative Frieden mit der Natur" legte ein im Dezember verabschiedetes Gesetz. Seit einem halben Jahr tüfteln Wissenschaftler und Spezialisten hinter verschlossenen Türen in zwölf thematischen Arbeitsgruppen (darunter Klimawandel, Tourismus und Umgang mit gefährlichen Substanzen) an der Agenda.
"Industrieländer haben keine Pesete bezahlt"
Arias verurteilt den Irak-Krieg, ansonsten gilt er als treuer Verbündeter der USA. Dennoch ballt er die Faust, wenn er konstatiert: "Die Welt ist zu egoistisch. Die reichen Staaten, die die größten Umweltverschmutzer sind, stellen keinen Fonds zur Erhaltung der Natur bereit." Dabei hätten gerade die Industrienationen eine Schuld zu begleichen: "Für die Umweltverschmutzung in ihrer eigenen Entwicklungsphase haben sie keine Pesete bezahlt."
Doch auch die Entwicklungsländer besitzen etwas Wertvolles, betont Arias: die Wälder, insbesondere die Regenwälder Lateinamerikas, die Lunge der Welt. Beim verantwortungsvollen Umgang mit der natürlichen Ressource ist das kleine Costa Rica schon heute ein Musterschüler. Folge des globalen Heißhungers auf Fleischklopse war auch hierzulande eine massive Abholzung der Regenwälder für die Rinderzucht. Waren 1950 noch 72 Prozent des Landes mit Wäldern bedeckt, so zählte man 1987 gerade noch 21 Prozent.
Scharfe Kehrtwende war erfolgreich
Dann steuerte das jetzt als Ökotourismusparadies bekannte Costa Rica um. Mit Erfolg: Heute sind mehr als die Hälfte des Landes wieder bewaldet, ein Viertel der Fläche steht unter Naturschutz. Costa Rica finanziert diese Naturparks zum Teil über eine 3,5-Prozent-Ökosteuer auf Benzin, ist internationaler Vorreiter beim Emissionshandel im Geiste des Kyoto-Protokolls und möchte bis 2021 als erster Staat weltweit CO2-neutral sein. Heute schon gewinnt das öffentliche Energieinstitut ICE 78 Prozent der nötigen Elektrizität aus Wasserkraft und weitere 18 Prozent aus Erdwärme.
Doch ausgerechnet die Umweltschützer blieben der "Frieden mit der Natur"-Zeremonie symbolisch fern. Arias ist ihnen ein rotes Tuch. "Viel Rauch um nichts", nennt Grace Garcia, Sprecherin von "Amigos de la Tierra" (Freunde der Erde) die Initiative. Arias kümmere sich eher um seine künftige Berufung in ein hohes Amt bei den Vereinten Nationen. "Es ist widersprüchlich, wenn er Umweltschutz verspricht und diese Initiative finanziert, aber die Nationalparks gleichzeitig aufgrund fehlender Mittel nicht einmal die Parkwächter bezahlen können."
Ausverkauf an den natürlichen Ressourcen wittern Garcia und ihre Mitstreiter durch das Cafta-DR-Freihandelsabkommen zwischen Mittelamerika, den USA und der Dominikanischen Republik. Cafta-Befürworter Oscar Sanchez Arias hat seine politische Zukunft mit der nur in Costa Rica ausstehenden Ratifizierung des Abkommens verknüpft. Das letzte Wort soll das Volk bei einem Referendum am 7. Oktober haben.
Es steht zu erwarten, dass Arias sich einmal mehr durchsetzt. Der Friedensnobelpreisträger ist bekannt dafür, dass er bekommt, was er will: 2005 ließ er sogar die Verfassung ändern, damit er bei den Präsidentschaftswahlen im darauffolgenden Jahr antreten durfte.
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