• Drucken
  • Senden
  • Feedback
06.07.2007
 

Seeanemonen

Schon frühe Gewebetiere tragen Komplexität im Bauplan

Eine DNA-Analyse brachte es zum Vorschein: Schon Seeanomenen tragen Strukturen im Erbgut, die später zu höheren Tieren führten. Die Wassertiere seien gar Wirbeltieren ähnlicher als Fliegen, glauben die US-Forscher.

Seeanemonen gelten als "anscheinend primitive Tiere" - das räumen die Genforscher um Daniel Rokhsar vom Joint Genome Institute im kalifornischen Walnet Creek gleich zu Beginn ihres Aufsatzes ein. Aber das "anscheinend" deutet bereits an: Es sieht nur so aus. Eine Genanalyse zeigt nun, wie falsch diese Annahme ist - und wie alt die Baupläne im Erbgut schon sind, die schließlich zu höheren Tieren führten.

Auf einem Foto der Seeanome Nematostella vectensis macht ein Detail neugierig: Während der gesamte restliche Körper kreisförmig symmetrisch aufgebaut ist, hat das Tier ein leuchtend gelbes Maul - das schlitzförmig ist. Forscher deuteten dies als Hinweis auf versteckte Komplexität. Der Blick ins Erbgut sollte diese Vermutung nun erhärten.

Rokhsar und sein Team aus US-amerikanischen und norwegischen Genforschern sequenzierten die DNA von N. vectensis und berichten nun im Wissenschaftsmagazin "Science": Das Erbgut der Seeanemone sei dem von Wirbeltieren ähnlicher als dem Bauplan von Fliegen oder Fadenwürmern (Nematoden). "Dies legt nahe, dass das Genom des Gewebetier-Urahns schon ähnlich komplex war", folgern die Wissenschaftler.

Taxonomisch zählen fast alle Tiere - gleich ob Insekten, Fische, Dinosaurier oder Menschen - zu den Gewebetieren (Eumetazoa), die sich durch echtes Zellgewebe mit speziellen Verbindungen zwischen den einzelnen Körperzellen auszeichnen. Nur die Schwämme und einige Exoten sind keine Eumetazoa. Im Genom ihrer Untersuchungsobjekte fanden die Wissenschaftler einige Merkmale, die sie gar an das menschliche Erbgut erinnerten.

Weil die Seeanemonen neben Korallen, Quallen und Polypen als ältester Stamm der Gewebetiere gelten, folgern die Genforscher nun: Diese genetischen Erfindungen muss es wohl schon im Eumetazoa-Urahn, dem ältesten aller Gewebetiere, gegeben haben. Die Komplexität, die später Ameisen, Affen und Menschen schuf, scheint evolutionär also schon sehr lange angelegt gewesen zu sein.

stx

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
alles aus der Rubrik Natur

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP