Erfurt/Wickersdorf - Das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) in Berlin bestätigte am Abend, dass eine im Thüringer Wald verendete Hausgans mit dem hoch ansteckenden Virus H5N1 infiziert war. Es handele sich um einen kleinen Bestand von neun Nutztieren in dem Ort Wickersdorf im Thüringer Wald, sagte eine FLI-Sprecherin.
Der Bestand eines privaten Geflügelhalters in Wickersdorf von vier Gänsen und fünf Enten war bereits vorsorglich getötet worden. Nun werde alles Nutzgeflügel im Umkreis von drei Kilometern getötet, hieß es. Betroffen seien vier Kleintierhalter mit insgesamt 35 Tieren. Das Ministerium plant dennoch keine generelle Verschärfung der Stallpflicht im Land.
Auch bei den Wildvögeln greift die Vogelgrippe in Ostdeutschland weiter um sich: Alle 153 in den vergangenen drei Tagen am Stausee Kelbra an der Grenze zu Thüringen gefundenen Wildvögel starben nach Behördenangaben an dem Vogelgrippevirus H5N1. Dabei handelte es sich ausschließlich um Haubentaucher und Schwarzhalstaucher.
Nach Auffassung des Löffler-Instituts könnte der Erreger von Enten oder Schwänen durch den so genannten Mauserzug oder durch flügge gewordene Jungvögel beispielsweise von Enten oder Möwen eingetragen worden sein. Auch kürzere Zwischenzüge von Ost nach West etwa von Kiebitzen könnten im Moment nicht komplett ausgeschlossen werden. Ein großräumiger Vogelzug wird zu dieser Jahreszeit aber nahezu ausgeschlossen.
Bislang ist das Virus H5N1 in Deutschland erst in einem Geflügelhof aufgetreten und zwar am 5. April 2006 in der Gänsezucht Wermsdorf Eskildsen östlich von Leipzig. Dort mussten damals mehr als 21.000 Hühner, Puten, Gänse und Tauben getötet werden. Im Folgemonat war in Deutschland eine grundsätzliche Stallpflicht für Geflügel eingeführt worden. In diesem Jahr wurden in der EU bereits drei Ausbrüche der Vogelgrippe in Geflügelbeständen gemeldet und zwar in Ungarn, Tschechien und Großbritannien.
Das Virus ist in den vergangenen zwei Wochen außer in Thüringen und Sachsen-Anhalt auch in Bayern und Sachsen aufgetreten. In Thüringen hat sich die Zahl der Vogelgrippe-Fälle auf vier erhöht.
Bundesrat streicht Stallpflicht-Lockerung
Angesichts der jüngsten Vogelgrippefälle hatte der Bundesrat den zunächst für heute vorgesehenen Tagesordnungspunkt zur möglichen Lockerung der Stallpflicht gestrichen. Die FDP-Bundestagsfraktion forderte eine neue Strategie im Kampf gegen die Tierseuche. «Offensichtlich ist das gefährliche Vogelgrippevirus nicht mehr - auch nicht durch das massenhafte Töten von Tieren - vollständig auszurotten», sagte der FDP-Agrarpolitiker Hans-Michael Goldmann der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) müsse die Forschung von Impfstoffen vorantreiben, mit denen geimpftes von infiziertem Geflügel unterschieden werden könne.
Für Vögel ist der H5N1-Subtyp des Influenza-A-Virus hochansteckend. Für Menschen gilt das Risiko als außerordentlich gering. In Europa ist bisher keine Ansteckung bei Menschen bekannt geworden. Allerdings sollten tote Vögel nicht berührt werden.
flo/dpa/AFP
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wissenschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Natur | RSS |
| alles zum Thema Vogelgrippe | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH