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06.07.2007
 

Thüringen

Vogelgrippe-Erreger bei Nutztieren entdeckt

Erstmals seit mehr als einem Jahr ist in Deutschland die gefährliche Vogelgrippe in einem Geflügelbestand ausgebrochen. Bei einer verendeten Gans in Thüringen wurde das Virus H5N1 nachgewiesen.

Erfurt/Wickersdorf - Das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) in Berlin bestätigte am Abend, dass eine im Thüringer Wald verendete Hausgans mit dem hoch ansteckenden Virus H5N1 infiziert war. Es handele sich um einen kleinen Bestand von neun Nutztieren in dem Ort Wickersdorf im Thüringer Wald, sagte eine FLI-Sprecherin.

Stallung im thüringischen Wickersdorf: Hier wurde die infizierte Hausgans entdeckt
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AP

Stallung im thüringischen Wickersdorf: Hier wurde die infizierte Hausgans entdeckt

Der Bestand eines privaten Geflügelhalters in Wickersdorf von vier Gänsen und fünf Enten war bereits vorsorglich getötet worden. Nun werde alles Nutzgeflügel im Umkreis von drei Kilometern getötet, hieß es. Betroffen seien vier Kleintierhalter mit insgesamt 35 Tieren. Das Ministerium plant dennoch keine generelle Verschärfung der Stallpflicht im Land.

Auch bei den Wildvögeln greift die Vogelgrippe in Ostdeutschland weiter um sich: Alle 153 in den vergangenen drei Tagen am Stausee Kelbra an der Grenze zu Thüringen gefundenen Wildvögel starben nach Behördenangaben an dem Vogelgrippevirus H5N1. Dabei handelte es sich ausschließlich um Haubentaucher und Schwarzhalstaucher.

Nach Auffassung des Löffler-Instituts könnte der Erreger von Enten oder Schwänen durch den so genannten Mauserzug oder durch flügge gewordene Jungvögel beispielsweise von Enten oder Möwen eingetragen worden sein. Auch kürzere Zwischenzüge von Ost nach West etwa von Kiebitzen könnten im Moment nicht komplett ausgeschlossen werden. Ein großräumiger Vogelzug wird zu dieser Jahreszeit aber nahezu ausgeschlossen.

Bislang ist das Virus H5N1 in Deutschland erst in einem Geflügelhof aufgetreten und zwar am 5. April 2006 in der Gänsezucht Wermsdorf Eskildsen östlich von Leipzig. Dort mussten damals mehr als 21.000 Hühner, Puten, Gänse und Tauben getötet werden. Im Folgemonat war in Deutschland eine grundsätzliche Stallpflicht für Geflügel eingeführt worden. In diesem Jahr wurden in der EU bereits drei Ausbrüche der Vogelgrippe in Geflügelbeständen gemeldet und zwar in Ungarn, Tschechien und Großbritannien.

Die Vogelgrippe

Virus

DDP
Die Vogelgrippe, auch als Aviäre Influenza bekannt, ist eine hochansteckende Viruskrankheit und befällt vor allem Hühner und Puten, aber auch Wildvögel, Fasane und Perlhühner. Der Virusstamm H5N1 ist eine besonders aggressive Variante, die bei 80 bis 100 Prozent der erkrankten Tiere innerhalb weniger Tage zum Tod führt. In seltenen Fällen können sich auch Menschen anstecken. Weltweit wurden bisher über 300 solcher Fälle festgestellt, die meisten in Asien. Fast 200 Menschen starben. Die meisten hatten beruflich mit Geflügel zu tun.

Übertragen wird die Seuche von Tier zu Tier durch direkte Berührung, über Kot, Speichel und Tränenflüssigkeit oder über Kontakt mit infiziertem Material wie Transportkisten oder Eierkartons. Bei starker Staubentwicklung ist auch eine indirekte Ansteckung über die Luft möglich.

Symptome

Gefahr für Menschen

Behandlung

Das Virus ist in den vergangenen zwei Wochen außer in Thüringen und Sachsen-Anhalt auch in Bayern und Sachsen aufgetreten. In Thüringen hat sich die Zahl der Vogelgrippe-Fälle auf vier erhöht.

Bundesrat streicht Stallpflicht-Lockerung

Angesichts der jüngsten Vogelgrippefälle hatte der Bundesrat den zunächst für heute vorgesehenen Tagesordnungspunkt zur möglichen Lockerung der Stallpflicht gestrichen. Die FDP-Bundestagsfraktion forderte eine neue Strategie im Kampf gegen die Tierseuche. «Offensichtlich ist das gefährliche Vogelgrippevirus nicht mehr - auch nicht durch das massenhafte Töten von Tieren - vollständig auszurotten», sagte der FDP-Agrarpolitiker Hans-Michael Goldmann der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) müsse die Forschung von Impfstoffen vorantreiben, mit denen geimpftes von infiziertem Geflügel unterschieden werden könne.

Für Vögel ist der H5N1-Subtyp des Influenza-A-Virus hochansteckend. Für Menschen gilt das Risiko als außerordentlich gering. In Europa ist bisher keine Ansteckung bei Menschen bekannt geworden. Allerdings sollten tote Vögel nicht berührt werden.

flo/dpa/AFP

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