Tschernobyl - Bis heute leiden Mensch und Umwelt in der Ukraine an den Folgen des Kernkraft-GAUs vom 26. April 1986. Während um den Unglücksreaktor in Tschernobyl herum für die Einwohner noch immer eine Sperrzone mit einem Radius von 30 Kilometern gilt, leben Tiere auch in unmittelbarer Nähe des Kraftwerks. Französische und US-amerikanische Wissenschaftler haben nun erforscht, wie diese Tiere auf die radioaktive Strahlung reagieren - am Beispiel von 60 Vogelarten.
Im Fachmagazin "Journal of Applied Ecology" berichten Anders Møller von der Pierre- und Marie-Curie-Universität in Paris und Timothy Mousseau von der University of South Carolina: Rote, gelbe und orangefarbige Vögel leiden besonders unter der Radioaktivität. Auch Arten, die verhältnismäßig große Eier legen, lange Entfernungen zurücklegen oder weit verstreut leben, sind übermäßig betroffen. Dazu zählen unter anderem Zugvögel wie die Wachtel oder der Wiedehopf.
Die besonders anfälligen Arten haben eine Gemeinsamkeit, schreiben die Forscher: Sie seien auf eine besonders gute Versorgung mit Antioxidantien angewiesen, die sie in Form von roten, gelben und orangefarbigen Pigmenten, sogenannten Carotinoiden, im Körper haben. Auch bei der Ei-Produktion und beim Wechsel ihres Lebensraums benötigten Vögel viele dieser Substanzen - und das wirke sich auf die Gesundheit aus. Denn entsprechend weniger Carotinoide blieben übrig, um die Zellen vor freien Radikalen zu schützen.
Freie Radikale sind Moleküle, bei denen ein Atom ein ungepaartes Elektron besitzt - weswegen es besonders reaktionsfreudig ist. Diese Radikale können Gewebe schädigen und für Brüche im Erbgut-Strang sorgen - Mediziner sprechen von oxidativem Stress.
Freie Radikale entstehen im Körper unter anderem durch radioaktive Strahlen. Doch obwohl oxidativer Stress alle Lebewesen gleichermaßen schädigen kann, gebe es Arten, die aufgrund ihres Antioxidantien-Bedarfs besonders stark unter den negativen Folgen der Radioaktivität leiden, fassen die Autoren ihre Beobachtungen zusammen.
Doppelt benachteiligt scheint der Pirol zu sein: Nicht nur, dass er jeden Winter gen Süden zieht - die Männchen haben darüber hinaus auch einen grellgelben Rumpf.
stx/ddp
Korrektur: Auf dem Foto ist ein Baltimore Trupial zu sehen und kein Pirol. wie es fälschlicherweise in der Bildunterschrift hieß.
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