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18.07.2007
 

Dürre und Bürgerkrieg

Neu entdeckter See unter Darfur soll Konflikt entschärfen

Wasser als Krisen-Lösung: Unter der Wüste des Sudan haben Wissenschaftler einen riesigen See entdeckt, so groß wie das Saarland. Das Reservoir könnte den Konflikt in der von Dürre und Völkermord ausgezehrten Provinz entspannen, hoffen die Forscher. Sie wollen den See anzapfen.

Boston - Mindestens 200.000 Tote, rund 2,5 Millionen Vertriebene: Das ist die Bilanz des seit vier Jahren andauernden mörderischen Konflikts in der Provinz Darfur im Westsudan. Der Bürgerkrieg hält noch immer an, Hilfsorganisationen werfen arabischen Reitermilizen Völkermord vor.

Dürre und Bürgerkrieg in Darfur: Unterirdisches Wasserreservoir soll Spannungen lockern
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AP

Dürre und Bürgerkrieg in Darfur: Unterirdisches Wasserreservoir soll Spannungen lockern

Die Wurzel dieses Konflikts sind Dürre und Wassermangel, sagt Farouk El-Baz von der Boston University Center for Remote Sensing: "Viele Unruhen und all das Elend in Darfur kommen von der Wasserknappheit. Es gab zwei lange Dürre-Episoden während der vergangenen 20 Jahre, jede dauerte etwa sieben Jahre." Jahrzehnte knapper Ressourcen hätten die unterschwelligen Konflikte in der Darfur-Region geschürt. Die Trockenheit habe die Spannungen zwischen Darfurs Ethnien - schwarzafrikanischen Stammesangehörigen und arabischen Nomaden - verschlimmert. Selbst der Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon hält es für keinen Zufall, dass Dürre und Eskalation der Gewalt zusammenfallen: Der Völkermord sei eine Folge des Klimawandels, sagte er vor einem Monat.

Ein Geologenteam um El-Baz hofft nun, die Spannungen in der Krisenregion mindern zu können - mittels einer wissenschaftlichen Entdeckung: Im Norden der ausgedörrten Darfur-Region haben die Forscher unterirdische Reste eines einstigen Sees ausfindig gemacht - mit Hilfe von Radardaten von Weltraumsonden. El-Baz selbst war bei den Apollo-Mondmissionen der US-Raumfahrtbehörde Nasa dabei und gilt als Pionier in der Untersuchung von Wüstenlandschaften mittels Satellitenbild.

Das Wasser-Reservoir ist dem Forscher zufolge etwa 2530 Quadratkilometer groß. Das entspricht etwa der Fläche des Saarlandes und liegt unter einem einstigen Berglandsee. Dessen Becken ist mit 30.751 Quadratkilometern etwas größer als Brandenburg und mittlerweile von verwehtem Sand bedeckt. El-Baz hofft nun, die wertvolle Wasserquelle anzapfen und so den Wassermangel lindern zu können.

Friedensmission mit 1000 Wasserschächten

Mindestens 1000 Schächte sollen den Geowissenschaftlern zufolge in den Boden der staubigen Landschaft Darfurs gebohrt werden, um das uralte Wasser heraufzupumpen. Das könnte die Spannungen zwischen den afrikanischen Stammesangehörigen und den arabischen Nomaden abbauen und Anstrengungen unterstützen, Darfur zu befrieden. Davon ist El-Baz überzeugt: Mit den vielen Schächten könnten Darfurs arabische Nomaden ihren Lebensstil aufrechterhalten, während sesshafte Gemeinschaften gleichzeitig ihre Felder bewässern - und so die Landwirtschaft, also auch den Handel und die Wirtschaft zum Florieren bringen könnten.

Die Geoforscher um El-Baz wollen nun den besten Ort für eine erste Serie von Schächten zum Wassersammeln suchen. Die Regierung des Nachbarlandes Ägypten hat sich bereits verpflichtet, die ersten 20 Schächte zu bohren. Nach Angaben der Boston University Center for Remote Sensing plant auch die Uno-Mission im Sudan, mehrere Löcher für Wasserpumpen zu bohren, um ihre Maßnahmen zur Friedenssicherung voranzutreiben. Radhia Achouri, Uno-Sprecherin im Sudan, wollte das Vorhaben der Forscher aber noch nicht kommentieren, weil sie den Bericht über die Entdeckung des unterirdischen Sees noch nicht gelesen habe.

Im Juni warf die US-Außenministerin Condoleezza Rice der internationalen Gemeinschaft vor, in Darfur versagt zu haben - zu lange habe die Welt dem Töten tatenlos zugesehen. US-Präsident George W. Bush hatte bereits Ende Mai angekündigt, 31 Konzerne "im Besitz oder unter Kontrolle der sudanesischen Regierung" vom Handel und von Finanztransaktionen mit den USA auszuschließen. Bestehende Sanktionen würden "aggressiver" als bisher durchgesetzt. Auf einem Index gescheiterter Staaten von Politikwissenschaftlern landete der Sudan - vor allem wegen der anhaltenden Gewalt in Darfur - auf dem unrühmlichen Spitzenplatz.

fba/AP

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