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25.07.2007
 

Humboldt-Kalmare

Gefräßige Weichtiere erobern Kaliforniens Gewässer

Eine steigende Zahl von Humboldt-Kalmaren bevölkert den kalifornischen Pazifik. Die zehnarmigen Tintenfische sind gefräßige Räuber und dezimieren die Bestände von Seehecht und Sardellen. Die Kalmare profitieren auch davon, dass andere Raubfisch-Populationen zurückgehen

Sie wachsen bis auf zwei Meter Länge, wiegen bis zu 50 Kilogramm und kommen in immer nördlichere Gefilde: Die Zahl der Humboldt-Kalmare vor der kalifornischen Küste ist in den vergangenen Jahren rasant angestiegen. Die gewaltigen Tintenfische, einst als Seeungeheuer oder Killerkalmar beschrieben, waren bis vor wenigen Jahren nur in sehr warmen Pazifik-Gebieten nahe dem Äquator zu finden.

Doch in den letzten fünf Jahren haben sich die aggressiven Räuber in kühlere Gewässer nach Norden aufgemacht und vor der kalifornischen Küste die Seehechtbestände dezimiert, schreibt Louis Zeidberg von der Stanford University und seine Kollegen im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences". Ironischerweise würden die Humboldt-Kalmare davon profitieren, dass die Populationen von Thunfischen und anderen großen Raubfischen rückläufig seien.

Bislang wurden die Tiere nur gelegentlich an den Küsten Kaliforniens gesichtet, etwa auf der Höhe San Franciscos. Doch nun sei die Situation anders, berichten Zeidberg und sein Kollege Bruce Robison vom Monterey Bay Aquarium Research Institute. In den vergangenen Jahren habe man mehrfach massenhaft gestrandete Tiere gefunden, eine seriöse Analyse der Bestände fehlte jedoch.

Kalmare quasi heimisch

Diese haben Zeidberg und Robison nun vorgelegt. Die Meeresbiologen stützen sich dabei auf seit 1989 in der Bucht von Monterey durchgeführte Videosichtungen durch ferngesteuerte U-Boote. Die von den Kameras erfassten Tiere wurden gezählt und in einer Datenbank erfasst. Diese Bestände konnten Zeidberg und Robison gezielt nach Ort und Zeitpunkt der Sichtungen durchsuchen und so Trends ableiten.

Von 1989 bis 1997 wurde in der Monterey Bay laut den Daten kein einziger Humboldt-Kalmare erfasst. Im Jahr 1997 hingegen tauchten plötzlich für ein bis zwei Jahre viele der Tintenfische auf. Zwischen 1999 und 2002 wiederum gab es nur wenige Kalmare in der Bucht. Seit 2002 ist die Zahl der gesichteten Tintenfische wieder groß - und das bis heute.

Die Biologen führen die Schwankungen auch auf das Klimaphänomen El Niño zurück. In Jahren, in denen das Phänomen besonders stark sei, könnten viele Kalmare mit der warmen Meeresströmung nach Norden gelangen, schreiben Zeidberg und Robison. Weil El Niño jedoch nur alle sieben Jahre auftritt und die Tiere selbst nur ein bis zwei Jahre leben, lassen sich die Tiersichtungen nicht allein mit den veränderten Meeresströmungen erklären. Seit 2002, so folgern die Autoren, jagen Humboldt-Kalmare nicht nur vor der Küste Kaliforniens, sie sind dort quasi heimisch geworden und pflanzen sich auch fort.

Keine Gefahr für Menschen

Die Tiere hätten sich als sehr anpassungsfähig erwiesen und seien bei der Jagd in mehreren hundert Metern Tiefe beobachtet worden, wo das Wasser nicht einmal acht Grad Celsius warm sei. Die Videoaufnahmen zeigten, dass die Kalmare im kühleren Norden reichlich Futter hätten. Nicht nur Laternenfische wie auch in den Tropen gehörten zu ihrem Speiseplan, sondern auch Seehechte und Sardellen. Die zehnarmigen Weichtiere stellten deshalb eine ernste Gefahr für den kommerziellen Fischfang dar. In der Tat zeigen die Zählungen in der Monterey Bay, dass die Seehecht-Bestände dramatisch zurückgegangen sind.

Zumindest Surfer, Schwimmer oder Taucher müssen sich vor den hungrigen Jägern nicht fürchten: "Wenn die Kalmare einen Menschen sehen, verschwinden sie schnell in eine andere Richtung", erklärte Zeidberg.

hda/AP

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