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31.07.2007
 

Sauerstoffmangel

Todeszone vor Oregon wird zum Normalfall

Vor der Westküste der USA hat sich erneut eine Todeszone ausgebreitet: Akuter Sauerstoffmangel hat alles Leben vernichtet oder vertrieben. Forscher glauben, dass solche Todeszonen eine Folge des Klimawandels sind - und künftig der Normalfall sein werden.

Die Todeszone vor der Küste des US-Bundesstaats Oregon ist auch diesen Sommer wieder aufgetaucht - im sechsten Jahr in Folge. Was martialisch klingt, ist eine ganz und gar angemessene Beschreibung: Im Pazifik vor Oregon sterben Fische, Schalen- und Weichtiere, weil ihnen der Sauerstoff ausgeht. Und es wird nicht das letzte Mal sein, wenn Forscher Recht behalten: "Es sieht so aus, als ob das der neue Normalfall wäre", sagte Jane Lubchenco, Meeresbiologin an der Oregon State University.

Auf Videoaufnahmen eines Tauchroboters entdeckten Lubchenco und ihre Kollegen unter anderem einen Krebsfriedhof auf dem Meeresboden des Kontinentalschelfs. Fischer berichten von ungewöhnlichen Fischschwärmen an ungewöhnlichen Orten - und vermuten, dass die Tiere vor der Todeszone geflüchtet waren.

Zwischen den Küstenstädten Newport und Cape Perpetua - sie liegen rund 40 Kilometer voneinander entfernt - fuhren die Forscher von der Küste rund 20 Kilometer aufs Meer hinaus und zeichneten die Sauerstoffkonzentration im Wasser auf. Teilweise betrug sie nur noch ein Sechstel des Normalwerts, sagte der Meeresökologe Francis Chan. Das sei allerdings nicht so schlimm wie im vergangenen Jahr. Damals hatte die "New York Times" gemeldet: Die Todeszone sei größer als in den Jahren zuvor und sogar rund viermal so groß wie im Jahr 2002. Damals reichte das leblose Gebiet von der Küste Südoregons bis zur Spitze der Olympic Peninsula im US-Bundesstaat Washington - über 600 Kilometer weit.

Klimawandel als Grund für veränderte Windverhältnisse

Die Todeszonen entstehen, wenn ungewöhnliche Winde sauerstoffarmes Tiefenwasser bis an die Meeresoberfläche strömen lassen. So werden Stickstoffe und andere Nährstoffe in der Wassersäule verteilt - was zu einem starken Planktonwachstum führt. Dieser eigentlich segensreiche Prozess verbraucht aber einen großen Teil des ohnehin schon knappen Sauerstoffs im Wasser. Die kleinen Tiere und Pflanzen, die das Plankton bilden, sinken nach ihrem Tod zum Meeresboden. Dort zersetzen sie sich, was wiederum schlecht für die Sauerstoffkonzentration ist.

Insbesondere den wenig mobilen Meeresbewohner wie etwa Krebsen oder Seegurken geht dann das lebenswichtige Gas aus. "Die Tatsache, dass wir das nun zum sechsten Mal in Folge sehen, zeigt uns, dass sich an den Bedingungen vor der Küste etwas Grundlegendes ändert", sagte Lubchenco. Als Verursacher stehen Veränderungen der globalen Luftzirkulation unter Verdacht. Die sogenannten Jetstreams, schnelle und starke Höhenwinde, könnten die Windverhältnisse vor Oregon verändert haben. Damit wäre die Todeszone eine Folge des Klimawandels.

Nun fragen sich die Forscher, ob die unheimliche Sauerstoffarmut jedes Jahr wiederkehren wird - und was das für die ohnehin gebeutelten Ökosysteme vor der Küste bedeutet. Meeresbiologin Lubchenco zieht einen drastischen Vergleich: "Diese Meeresökosysteme könnten genauso lange brauchen, um sich zu erholen, wie die Landökosysteme nach dem Ausbruch des Mount St. Helens." Der Vulkan im US-Bundesstaat Washington war am 18. Mai 1980 ausgebrochen. Und auch ein Vierteljahrhundert später war die Zerstörung im Umkreis immer noch klar zu erkennen.

stx/AP

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