London - Die neuen Fälle von Maul- und Klauenseuche sorgen in den britischen Zeitungen für große Aufregung. Den Blattmachern des "Daily Mirror" fiel die Überschrift "Farmageddon" ein - ein Mix aus "Farm" und dem biblischen Katastrophenort Armageddon. Im seriöseren "Guardian" werden Theorien zur Verbreitung des Virus aufgestellt, obwohl erste offizielle Zwischenergebnisse der Untersuchung der verdächtigen Labors Pirbright erst am morgigen Dienstag vorliegen werden.
"Hochrangige Regierungsbeamte" gehen laut "Guardian" davon aus, dass Mitarbeiter des zum US-Konzern Merial Animal Health gehörenden Pirbright-Labors das Virus versehentlich an ihrer Kleidung oder an einem Auto bei einem Besuch auf die benachbarte Rinderfarm des Viehzüchters Roger Pride eingeschleppt hätten.
In dem Labor waren im Juli größere Mengen an Impfstoffen aus einem abgeschwächten Virusstamm der Seuche hergestellt worden. Derselbe Stamm war am Freitag bei Rindern einer fünf Kilometer entfernten Farm entdeckt worden. Daraufhin wurden auf dieser und einer benachbarten Farm bislang rund 120 Rinder getötet. Nur bei einigen der Tiere wurde die Seuche nach Informationen des Sender BBC tatsächlich diagnostiziert.
Der letzte Ausbruch der Maul- und Klauenseuche (MKS) in Deutschland liegt fast 20 Jahre zurück. 1988 seien MKS-Viren aus einem Impfstoffwerk in Großburgwedel (Niedersachsen) entwichen, sagte der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts, Thomas Mettenleiter. Damals erkrankten Tiere in der Nähe des Impfstoffwerks. Impfungen wurden in der EU später wegen zahlreicher Probleme verboten.
Labors, die mit dem Erreger der Maul- und Klauenseuche (MKS) arbeiten, etwa um Grundlagenforschung zu betreiben oder um Impfstoffe herzustellen, müssen strenge Sicherheitsvorkehrungen einhalten. Das Virus aus der Familie Picornaviridae darf in Deutschland nur in Hochsicherheitslabors der Stufe 4 untersucht werden. Dies geht aus einer Liste risikobewerteter Spender- und Empfängerorganismen hervor, die das Bundesministerium für Gesundheit im Jahr 2001 veröffentlicht hat.
Im Schutzanzug unter die Säuredusche
Damit gelten für das Maul- und Klauenseuche-Virus ähnlich strenge Vorschriften wie beispielsweise am Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, wenn dort mit Erregern des Lassafiebers gearbeitet wird, die im Unterschied zu MKS-Viren gefährlich für Menschen sind. "Die Mitarbeiter tragen Ganzkörperschutzanzüge und müssen damit durch eine Säuredusche, wenn sie das Labor verlassen", sagte Barbara Ebert, Sprecherin des Instituts, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Die Säure tötet alle Viren ab, die möglicherweise auf dem Anzug haften können."
Viren könnten nur auf zwei Wegen aus Laboren gelangen, sagte Ebert: über kontaminierte Gegenstände oder über infizierte Menschen. Bei den höheren Labor-Sicherheitsstufen 3 und 4 werde sicherheitshalber auch die Laborluft gefiltert. Benutzte Kanülen oder Abfälle aus dem Hochsicherheitslabor müssten die Mitarbeiter direkt vom Labor aus in sogenannte Autoklaven ablegen. Darin wird das Material unter Druck gesetzt und stark erhitzt, um möglicherweise daran haftende Viren zu vernichten werden. "Nur inaktiviertes Material verlässt das Labor", betonte Ebert.
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