Von Sebastian Knauer
EU-Umweltkommissar Stavros Dimas hat nun neue Richtlinien für einen naturorientierten Hochwasserschutz vorgelegt. "Die Deltas der Flüsse sind ungeheuer wichtig für uns", sagte Dimas im August. Die bisherige unsinnige EU-Doppelförderung – erst baggern, dann schützen - solle "überprüft" werden, kündigte seine Sprecherin an.
So fördert Brüssel in einem "Natura 2000"-Projekt beim rumänischen Tulcea den Schhutz von Donauinseln mit Silberweiden und Auenwald. Rund 1,6 Millionen Euro bekamen die lokalen Behörden und Verbände für eine Umweltstudie. "Wir sind froh über die Hilfe", sagt Dorin Gropapa, Leiter des örtlichen Landesamtes für Umweltschutz im rumänischen Calarasi. "Wir wollen unseren Fluss bewahren."
Doch dafür könnte es bald zu spät sein. Bei Flusskilometer 347 gabelt sich die Donau in zwei Arme. Mit Unterwasserwehren aus Beton und Stahl wird hier ein Großangriff auf den ökologisch wertvollen Nebenarm gestartet. "Die Laichplätze und Sandbänke für die Zugvögel können wir dann vergessen", sagt WWF-Experte Eichelmann. "Das wird ein Strom, der alles mitreißt."
Das Wasser soll in den schiffbaren Südarm der Donau umgeleitet werden - auch weil dort nur einige Kilometer flussabwärts das Kernkraftwerk Cernavoda liegt, der einzige rumänische Atommeiler. Im September soll der zweite Block der "Nuclearelectrica", ein Schwerwasserreaktor kanadischen Typs, ans Netz gehen. Für den Neubau der Blöcke drei und vier laufen die Vorbereitungen. Dieser Anbau würde den Kühlwasserbedarf aus der Donau rapide ansteigen lassen.
Hoffen auf flache Schwimmkörper
Wenigstens die Vertiefung der Fahrrinne auf durchgängig 2,50 Meter könnte überflüssig werden. Die WWF-Experten hoffen auf Innovationen wie jene eines Unternehmens aus Kiel, das neue Binnenschiffe entwickelt und in einer Werft in Brake bauen lässt.
"Futura Carrier" heißt das Containerschiff-Design, das dank moderner Antriebsmotoren deutlich weniger Schadstoffe ausstoßen soll. Sein Schwimmkörper ginge in die Breite und erforderte voll beladen rund einen Meter weniger Tiefgang als die üblichen Binnenschiffe.
Nicht die "Anpassung der Flüsse an die Schiffe, sondern die Anpassung der Schiffe an den Fluss" ist eine Forderung, die schon beim umstrittenen Ausbau des Donau-Seiten-Kanals erhoben wurde. Diesen Slogan haben sich rumänische Öko-Aktivisten jetzt auf ihre T-Shirts drucken lassen.
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