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04.09.2007
 

Verräterische Gene

Erste Hausschweine Europas kamen aus dem Orient

Die Idee, Wildschweine zu fangen und in Ställen zu halten, stammt nicht von europäischen Bauern, sondern aus dem Nahen Osten. Das schließen Forscher aus genetischen Untersuchungen. Die Tiere kamen demnach vor 12.000 Jahren aus dem Orient nach Westeuropa.

Washington - Was keine archäologische Grabung und keine menschliche Aufzeichnung verrät, enthüllen die Gene. Das gilt nicht nur für den Weg des Haushuhns nach Amerika, sondern auch für die Geschichte des Hausschweins. Es waren Tiere aus dem Nahen Osten, die europäische Bauern vor 6000 Jahren dazu brachten, Wildschweine in den Wäldern einzufangen und als Haustiere zu halten. So interpretieren zumindest Forscher von der University of Oxford die Ergebnisse einer Studie, in der sie die DNA von Schweinen aus Westeuropa, der Türkei und Iran verglichen.

Europäisches Hausschwein: Urahnen einst in Wäldern eingefangen
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Jeff Veitch, Durham University

Europäisches Hausschwein: Urahnen einst in Wäldern eingefangen

Demnach brachten vor 12.000 Jahren Bauern aus dem Nahen Osten ihre Schweine mit nach Westeuropa. Die Nachkommen dieser Tiere wurden bis ungefähr 4000 Jahre vor Christus in Europa gehalten. Dann wurden sie nach und nach von den europäischen Schweinen verdrängt, die sich schließlich ihrerseits bis in den Nahen Osten ausbreiteten, schreiben Greger Larson und seine Kollegen im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Für ihre Studie untersuchten die Forscher das Erbgut von Schweinemitochondrien. Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zellen und besitzen eine eigene DNA. Die Wissenschaftler begutachteten nicht nur die DNA von heutigen Schweinen, sie untersuchten auch Mitochondrien-DNA aus Überresten von Schweinen aus der Jungsteinzeit.

Dabei entdeckten sie ein kleines Erbgutstück namens Y1, das nur in heute lebenden iranischen und türkischen Wildschweinen vorkommt, in modernen europäischen Schweinen fehlt es gänzlich. In der Jungsteinzeit allerdings lebten Schweine mit diesem Erbgut auch in Westeuropa, zuletzt ungefähr 4000 Jahre vor Christus dort, wo sich heute Paris befindet. Danach verschwand die Y1-DNA vollständig aus Europa.

Das Verschwinden der Y1-DNA steht nach Meinung der Forscher stellvertretend für das Schicksal der Schweine aus dem Nahen Osten. Nachdem sie zusammen mit Bauern vor 12.000 Jahren aus dem Nahen Osten einwanderten, verteilten sie sich zunächst in ganz Europa. Dort konnten sie aber nur so lange überleben, bis die Bauern begannen, die europäischen Wildschweine zu domestizieren. Diese breiteten sich in den nächsten 1000 Jahren in ganz Europa aus und drangen sogar bis in den Nahen Osten vor.

Warum die europäischen Schweine so erfolgreich waren, können sich die Wissenschaftler allerdings nicht erklären. Doch ohne die Schweine aus dem Nahen Osten wäre das wohl nicht möglich gewesen. Die Forscher vermuten, dass erst die fremden Schweine die Menschen der Jungsteinzeit dazu brachten, auch die einheimischen Wildschweine als Haustiere einzufangen.

hda/ddp

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