Von Jan-Philipp Hein und Markus Becker
Einer von jenen, die Rahmstorf gern als "Klimaskeptiker" bezeichnet, ist Dirk Maxeiner. In seinen Büchern und seiner Kolumne in der "Welt" stilisiert sich Maxeiner gern als furchtloser Kämpfer gegen die Öko- und Klima-Verschwörung. Im "FAZ"-Aufsatz beschimpft Rahmstorf Maxeiner als "Medienprofi solcher Verneblung". Der keilt zurück: Rahmstorfs Philippika zeuge vom "missionarischen Furor" jener Leute, "die Aktivismus mit Wissenschaft verwechseln".
Noch besser kann Wolf Lotter austeilen, Autor des Wirtschaftsmagazins "Brand eins" und diverser anderer Zeitungen. Er habe kein Problem mit dem wissenschaftlichen Konsens, sondern mit Rahmstorf. "Rahmstorf will Redaktionen einschüchtern", sagte Lotter zu SPIEGEL ONLINE. Er sei nicht in der Lage, andere Meinungen gelten zu lassen, schrieb Lotter auf einer Website mit erschöpfenden Beiträgen der Rahmstorf-Gegner. "Es geht nicht um die Frage des Klimawandels, es geht um Sie, Herr Rahmstorf. Ihren Charakter. Ihre Persönlichkeit. Ihre Unfähigkeit, zuzuhören, ihre Unfähigkeit, sachlich zu argumentieren, ihre Unfähigkeit, ihre Ansichten anders als durch Drohungen durchzusetzen. Sie halten sich für unfehlbar. Ich halte sie für untragbar."
Das alles ist recht unterhaltsam und hat das Feuilleton ein paar Tage auf Trab gehalten. Andere machen sich ernsthaft Sorgen um den Pluralismus. Zum Beispiel Ulli Kulke, der sich bei der "Welt" mit Wissenschaftsthemen befasst. Im "FAZ"-Essay taucht er zwar nicht auf, doch in der Langfassung des Textes auf Rahmstorfs Homepage bekommt auch er sein Fett weg. Kulke fürchtet, ganz wie Lotter, dass "Redaktionen und Autoren, die Rahmstorf anschwärzt, eingeschüchtert werden".
"Einschüchterung" gehört zu den Lieblingsbegriffen der Klimaskeptiker. Was sie nicht verraten, ist, welche selbstbewusste Redaktion sich ernsthaft von Briefen und Anrufen eines Wissenschaftlers einschüchtern lässt - und welche konkreten Folgen das für die Berichterstattung haben soll. Rahmstorf erklärt dazu, dass er über keinerlei Druckmittel verfüge. "Auf Fehler hinweisen = ‚einschüchtern’?", schreibt er auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE. Er lege Wert darauf, dass seine Kritik sich immer auf "bestimmte, nachprüfbare Sachaussagen" beziehe. "Wenn ein Journalist Probleme bekommt, dann doch nur, wenn die Kritik berechtigt war", so Rahmstorf. Er kämpfe nur gegen "falsche Zahlen, verfälschte Kurven und dergleichen".
Rahmstorf droht mit "schwarzer Liste"
Wie sich Rahmstorf die Erziehung von Journalisten vorstellt, hat er in einem denkwürdigen Aufsatz für die "Zeit" im Februar 2005 erklärt. Auf seiner privaten Internetseite habe er "klassische Medienirrtümer" aufgelistet, "die ich jedem Journalisten vor einem Interview zur Pflichtlektüre gebe". Berichte der Journalist dennoch reißerisch, bekomme er Konsequenzen zu spüren: "Solche Journalisten kommen auf meine schwarze Liste", schrieb Rahmstorf in der "Zeit".
Auf seiner privaten Homepage hat Rahmstorf inzwischen eine Antwort auf den Aufsatz seiner Gegner in der "FAZ" verfasst, sozusagen eine Replik auf die Replik. Die "schwarze Liste" sei nur eine "Metapher", beteuert Rahmstorf, ohne sich aber von ihrer Bedeutung zu distanzieren: Sie beziehe sich auf "Journalisten, die den Klimawandel dramatisieren".
Mit der "schwarzen Liste" hören die Konsequenzen für unbotmäßige Journalisten nicht auf. Kulke etwa falle "immer wieder durch falsche Aussagen auf", schreibt Rahmstorf in der Langversion seines "FAZ"-Essays - nennt aber nur ein Beispiel. Die Taktik der pauschalen Diskreditierung wendet Rahmstorf nicht zum ersten Mal an. Nach einem SPIEGEL-ONLINE-Artikel über einen Streit unter Klimaforschern schmähte Rahmstorf den Autor auf die gleiche Art - in einem auf seiner Homepage veröffentlichten Brief, ohne zuvor das Gespräch mit dem Autoren oder der Redaktion zu suchen. Nach sorgfältiger Prüfung stehen Redaktion und Autor jedoch weiterhin zu dem Artikel.
Klimaskeptiker resozialisiert - dank Rahmstorf
Solche und andere Aktionen bezeichnen Rahmstorfs Gegner in der "FAZ" als "Untergangsterror", so die Überschrift ihrer Replik. Rahmstorf strebe in der Klimadebatte einen "Endsieg" an. Dass ihre Position "aussichtslos" sei, räumen die Autoren ein - "aber irgendjemand muss die Türen eines skeptischen Weltverständnisses gegen die praktisch gleichgeschaltete öffentliche Meinung offen halten, damit wir für die Zukunft lernen können". Vertreter einer Minderheitsmeinung, die inhaltlich teils haarsträubenden Unsinn verbreiten, als Retter des kritischen Journalismus - Rahmstorf macht es möglich.
Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts und damit Rahmstorfs Chef, kannte den "FAZ"-Beitrag seines Kollegen vor der Veröffentlichung. "Das ist ein hervorragender Artikel und ein sauberes Stück Recherche", sagte Schellnhuber im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Es gab keinen Grund für mich, ihn zu zensieren."
Gleichwohl habe er nach dem Schlagabtausch in der "FAZ" ein Gespräch mit Rahmstorf geführt. "Es kann einem schon an die Nieren gehen, wenn Forschungsergebnisse nicht korrekt wiedergegeben oder durch haarsträubenden Unfug konterkariert werden", meint Schellnhuber. Rahmstorf habe den Kampf gegen die Klimaskeptiker "zu einer persönlichen Sache gemacht". "Wir sollten jetzt den Dampf aus der Debatte nehmen", meint Schellnhuber. Durch zu harte Reaktionen der seriösen Forschung werde das Lager der Klimaskeptiker nur unnötig aufgewertet.
Sorgen unter Forscherkollegen
Auch andere Fachleute, die Rahmstorf im Kern nicht widersprechen, sehen dem Treiben des Potsdamer Forschers mit Sorge zu. Heinz Miller etwa gilt als ruhiger und besonnener Vertreter der Klimaforschung. Er ist stellvertretender Leiter des weltweit angesehenen Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. Inhaltlich ist er nicht weit von Rahmstorf entfernt – in Stilfragen dafür umso weiter.
Zu Rahmstorfs Forderungen an die Journalisten sagt er: "Medien machen gerne extreme Standpunkte publik, die für eine Schlagzeile gut sind." Rahmstorf aber sei "aggressiv". Miller spricht sich gegen dessen Forderung einer redaktionellen Qualitätssicherung aus: "Ein Peer-Review-Prozess kann nicht Aufgabe von Redaktionen sein." Die Zuschauer und Leser könnten so erkennen, dass es nicht einen einheitlichen Stand der Wissenschaft gebe. "Gesellschaftliche Willensbildungsprozesse", meint Miller, "lassen sich nicht so steuern, wie Herr Rahmstorf das gerne hätte."
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Selbst sein Chef Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber hat ihn schon zurückgepfiffen; er soll alles nicht so persönlich nehmen... Es mag sicherlich auch eine Menge an "marginalisierte Nobodys" bei den [...] mehr...
Wie wäre es mit folgender Liste: An der Universität Oregon gibt es eine überprüfte Liste, die sogenannte Robinson-Liste, von nachweislich etwa 20.000 Wissenschaftlern mit Uni-Abschluß (Eintrag nur US Wissenschaftlern erlaubt), [...] mehr...
[QUOTE=Montanabear;1680844]Det ham Se knorke jesacht. Wirklich, es stimmt. Klimawandelansprachen sind zu Ersatzpredigten geworden. Man muss in Reih und Glied denken oder wird angegriffen. Und der (Schein-) Heilige heisst Albert [...] mehr...
Det ham Se knorke jesacht. Wirklich, es stimmt. Klimawandelansprachen sind zu Ersatzpredigten geworden. Man muss in Reih und Glied denken oder wird angegriffen. Und der (Schein-) Heilige heisst Albert Gore, gekürt vom [...] mehr...
"Ramstorf ist wirklich über jeden Zweifel erhaben." Ein Wissenschaftler, der sich Zweifel an seinen Thesen verbittet, ist kein solcher. Rahmstorf erstellt ferner Szenarien, von denen er selber sagt, das sie [...] mehr...
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