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Römerschlachten gegen Germanen Gemetzel an grimmigen Wilden mit begehrten Haaren

3. Teil: Wie Arminius die Gunst der Stunde nutzte, um eine Allianz gegen die Römer zu schmieden und seinen Widersacher Varus vernichtend zu schlagen

Die Feuer der Rebellion loderten so gewaltig, dass Veteranen einberufen, Sklaven bewaffnet und fremde Kontingente verpflichtet wurden. Für den Germanen Arminius, Mitglied einer hochgestellten Familie der Cherusker, bot sich hier eine Karrierechance. Mit seinen Kriegern leistete er den Römern Waffenhilfe in Pannonien. Dafür verlieh der Kaiser dem Germanen das römische Bürgerrecht und erhob ihn in den Ritterstand. Im Rang eines Präfekten leitete er Einheiten cheruskischer Krieger. Er lernte Latein und wurde mit der römischen Kriegsführung vertraut gemacht.

Während sich Pannonien gegen das Reich erhob, blieb Germanien überraschend ruhig. Im Jahr 7 n. Chr. hatte dort der Feldherr und Statthalter Publius Quinctilius Varus sein Amt angetreten. Antiken Autoren zufolge war er ein lasterhafter Mensch und schlechter Verwalter, zudem ein unfähiger Militär: Drei Legionen samt Hilfstruppen und Tross soll er 9 n. Chr. im Teutoburger Wald in die Katastrophe geführt haben. Doch davon ist wenig wahr.

Varus hatte sich vielmehr wiederholt bewährt: als Begleiter des Kaisers bei Staatsgeschäften im Osten des Imperiums, als Konsul, als Statthalter der Provinz Syrien und als Legionskommandeur im aufrührerischen Judäa. Dennoch unterlief dem erfahrenen Offizier ein Fehler. Auslöser des germanischen Aufstands war, den Quellen zufolge, sein Vorhaben, Steuern zu erheben. Doch über kurz oder lang erwartete Rom von einer Provinz nun einmal Einnahmen und immerhin hatte sich Germanien nicht vom Aufruhr in Pannonien anstecken lassen. Die Lage schien stabil, die Bevölkerung weit gehend angepasst.

Nun aber betrat Arminius die Szene, und dessen Ambitionen hatte Varus nicht auf der Rechnung. Zurück von der Front, unterstellte sich der Cherusker mit seinen Kriegern dem Befehl des Statthalters. Als Mitglied des Ritterstands wäre es nun seine Aufgabe gewesen, die Steuern einzutreiben. Stattdessen knüpfte er eine Allianz gegen Rom. Anführer der germanischen Kriegerverbände waren auf Siege und Beute angewiesen, um ihre Männer bei der Stange zu halten – Arminius stellte sicherlich beides in Aussicht. Mit der Lüge, es drohe ein Aufstand, lockte er Varus samt etwa 20.000 Soldaten in eine Falle.

Nahe dem heutigen Kalkriese, so die Ansicht der meisten Fachleute, lauerten die germanischen Verbände ihnen auf. Mit einem Wall nach römischer Bauart hatten sie den schmalen Weg zwischen einer Anhöhe und einem Moor weiter verengt. Auf dem vom Regen durchweichten Boden kam der Tross nur mühsam voran. Die Römer wurden in Guerillamanier innerhalb weniger Tage aufgerieben.

Eine befriedet geglaubte Provinz war damit der Steuerung entzogen, ihr Kontrollorgan – die Rheinarmee – dezimiert, Roms Stellvertreter gefallen. Und das durch die Hand verbündeter Hilfstruppen. Kaiser Augustus, bereits 72 Jahre alt, befahl den sofortigen Rückzug hinter den Rhein. Waldgirmes und sicher noch andere Stadtprojekte dieser Art wurden aufgegeben, der linksrheinische Rest der germanischen Eroberung der gallischen Provinz Belgica zugeschlagen. Um sein Image als siegreicher Kaiser zu erhalten, wälzte Augustus die Schuld auf den glücklosen Statthalter ab. Das Gemetzel im Teutoburger Wald geriet zur Clades Variana – zur Varusschlacht.

Fortan war Schluss mit Integration. Tiberius und sein Adoptivsohn Germanicus durchstreiften zwischen 10 und 16 n. Chr. mit ihren Truppen die Gebiete östlich des Rheins – ohne nachhaltigen Erfolg. Das Land war für die Römer nicht mehr kontrollierbar. Germanicus suchte bei solcher Gelegenheit mit seinen Soldaten den Ort der Clades Variana und ließ dort die Toten bestatten. Diese Information antiker Quellen liefert Archäologen ein wichtiges Indiz dafür, den Fundort Kalkriese mit dem Schlachtfeld gleichzusetzen: Dort ausgegrabene Skelettreste hatten offenbar längere Zeit auf der Erdoberfläche gelegen, bis sie in Sammelgräbern beigesetzt worden waren.

Trotz dieses Sieges konnte Arminius aus seiner Revolte keinen Profit schlagen. Er hatte Marbod den Kopf des Varus schicken lassen – der aber sandte das Haupt weiter zu Augustus. Bald verfolgten Arminius’ Verbündete eigene Ziele; die große Schlacht war keineswegs Ausdruck eines nationalen Befreiungskampfes. Eine gemeinsame germanische Identität sucht man jenseits der Rivalitäten der Stämme und Familien vergeblich. Der Zwist machte nicht einmal vor Arminius’ Familie halt: Sein Schwiegervater Segestes schlug sich auf die Seite der Römer. Germanicus gewährte ihm samt seiner Tochter Thusnelda, Arminius’ Ehefrau, Schutz – ein Prestigegewinn.

Arminius attackierte in den nächsten Jahren seinen Rivalen Marbod, worauf dieser nach Italien floh. Im Exil von Ravenna überlebte er immerhin seinen Gegner. Der Verwandtschaft inzwischen zu mächtig, wurde der Cherusker 21 n. Chr. ermordet.

Augustus hatte, noch bevor er 14 n. Chr. starb, selbstbewusst verkünden lassen: "Ich habe Germanien befriedet!" Doch er hinterließ seinem Nachfolger Tiberius eine schwere Hypothek. Verlustreiche Siege wechselten mit katastrophalen Niederlagen ab. "Genug der Erfolge, genug der Unglücksfälle", resignierte der neue Kaiser schließlich gegen den Widerstand des Germanicus. Die römischen Truppen bezogen wieder Stellung hinter Rhein und Donau.

Wenn Germanien auch gern als bezwungen erklärt wurde – der Traum von einer Provinz zwischen Rhein und Elbe war ausgeträumt. Geblieben waren zwei Heeresbezirke, in denen ein Viertel der gesamten römischen Armee stationiert war; Kaiser Domitian (regierte 81–96) wandelte sie in die beiden Provinzen Germania Superior und Germania Inferior um. Doch erst unter Kaiser Hadrian (117–138) gab Rom seine Expansionspläne endgültig auf und setzte auf Grenzsicherung. Statt die fremdartige Welt der Germanen erobern und verändern zu wollen, sperrte das Reich sie fortan aus: hinter die Wehrtürme, Palisaden und Kastelle des Limes.


Der Archäologe Manuel Zeiler studierte Vor- und Frühgeschichte, Alte Geschichte sowie Geografie.

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