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Expedition in die Arktis Im Zeppelin über den Nordpol

Im nächsten Jahr startet der französische Abenteurer Jean-Louis Etienne zu einem Flug über den Nordpol - in einem Luftschiff. Er will gemeinsam mit deutschen Forschern die Dicke des arktischen Eises vermessen. Jetzt wurde der gigantische Zeppelin in Marseille getauft.

Es ist gut 80 Jahre her, dass jemand den Nordpol in einem Luftschiff überflogen hat. Roald Amundsen war das damals, der große Entdecker; er starb kurz nach der Überquerung beim Versuch, einen italienischen Kollegen zu retten. Im nächsten Frühjahr soll noch einmal so ein Flug stattfinden, wieder führt die Route von Spitzbergen über den Pol nach Alaska.

Aber anders als 1928 geht es nicht mehr um Entdeckungen und Ehre - diesmal fliegt der Zeppelin im Namen der Wissenschaft. Im Überflug soll vermessen werden, wie dick die Eisfläche noch ist - beziehungsweise wie dünn. Das Messgerät, eine elektromagnetische Sonde, stammt vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. Der Zeppelin wurde jetzt in Marseille der Öffentlichkeit vorgestellt: 55 Meter lang, 17,5 Meter hoch, gefüllt mit gut 5000 Kubikmeter Helium.

Genau genommen ist der Zeppelin gar keiner, sondern ein Blimp. Echte Zeppeline haben nämlich eine starre Tragekonstruktion im Innern der Hülle, ein Blimp wird einfach nur aufgepumpt. Und jetzt also hatte Jean-Louis Etienne zur Blimptaufe nach Marseille geladen - am Flughafen dort steht der einzige Hangar Frankreichs, der groß genug für das Luftschiff ist.

Deutsche Forscher fehlen

In Frankreich kennt jedes Schulkind Jean-Louis Etienne: ein kleiner, drahtiger Kerl, seit zwanzig Jahren berühmt als Extremsportler und Abenteurer. Zum Nordpol marschierte er einst allein und zu Fuß, er hat in der Arktis schon überwintert, sich vom Packeis treiben lassen, nur überflogen hat er den Pol noch nicht.

Und wenn einer wie Etienne eine Expedition leitet, dann findet die Luftschifftaufe auch nicht gerade im engsten Familienkreise statt: Fürst Albert von Monaco schaute vorbei, die Umweltstaatssekretärin schleuderte die Champagnerflasche, der Vorstandvorsitzende von Total, Christophe de Margerie, berichtete, wie froh der Ölkonzern ist, den Trip sponsern zu dürfen. Nur von den Deutschen, die ja den eigentlichen wissenschaftlichen Rahmen für den Überflug geschaffen haben, kam niemand.

Der oberste Arktisexperte vom Alfred-Wegener-Institut hat gerade einen Lehrauftrag in Kanada und deshalb keine Zeit, der Rest ist wohl nicht richtig gefragt worden. Und so wird das internationale Projekt bei seinem Start als nationales Abenteuer gefeiert: Ein französischer Nationalheld zieht an einem Band in den französischen Nationalfarben, ein riesiger Vorhang fällt, und gibt den Blick frei auf das sogenannte Pole Airship - das die Farben des französischen Ölkonzerns Total trägt.

Was geschieht mit dem Eis in der Arktis?

In den nächsten Wochen wird Etienne mit seiner Crew das Luftschifffliegen üben, bisher hat noch keiner der Piloten Erfahrung damit. Erst im nächsten Frühjahr, wenn der Blimp zum Nordpol startet, wird es wieder international: Von Paris geht es erst nach Bremerhaven zu den deutschen Wissenschaftlern, Anfang März wird das Luftschiff in Berlin-Tempelhof gezeigt.

Die Entwicklung der Eisbedeckung in den Polarmeeren gehört zu den Schlüsselfragen der Klimaforschung. "Über die regionale Verteilung der Eisdicke in Arktis und Antarktis und ihre zeitliche Veränderung ist fast nichts bekannt", sagte Christian Haas, Geophysiker am Alfred-Wegener-Institut. Vielleicht können die Forscher mit dem Zeppelinflug auch eines der großen Rätsel der Polarforschung klären: Warum das Eis im Arktischen Ozean stark zurückgeht, während es in der Antarktis leicht zunimmt.

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