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16.11.2007
 

Alarmierender Bericht

Uno-Klimarat warnt vor abrupter, unumkehrbarer Erderwärmung

Rasend schnell und unwiderruflich verändert sich das Klima auf der Welt: Der Uno-Expertenrat IPCC hat nach jahrelanger Debatte seinen neuen, dramatischen Bericht fertiggestellt. Deutlich wie nie wird der Mensch als Verursacher der Erderwärmung genannt.

Valencia - Die Sprache des neuen Klimareports des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) ist drastisch. Das Dokument fasst die schon bekannten drei Teilberichte zusammen - die Forscher warnen darin aber klarer denn je vor "abrupten und unumkehrbaren" Folgen des Klimawandels. Gletscher könnten sehr schnell abschmelzen, Tier- und Pflanzenarten aussterben. Bei steigender Temperatur drohen Überschwemmungen, Dürren, der Verlust küstennaher Landstriche, mehr Infektionskrankheiten und ein großflächiges Korallensterben.

Junge in Kenia: Bei steigender Temperatur drohen Überschwemmungen, Dürren, mehr Infektionskrankheiten
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DPA

Junge in Kenia: Bei steigender Temperatur drohen Überschwemmungen, Dürren, mehr Infektionskrankheiten

Wer Schuld daran hat, ist eindeutig benannt: Deutlich wie nie verweist der Report auf den Menschen als Verursacher der Erderwärmung. Der Klimawandel sei sehr wahrscheinlich auf die Verfeuerung fossiler Brennstoffe zurückzuführen. Katastrophale Folgen drohten, wenn sich die Atmosphäre um mehr als zwei Grad Celsius erwärmt. Rund 0,7 Grad seien schon erreicht. Die Erderwärmung ist laut IPCC nicht mehr zu stoppen - sondern allenfalls zu bremsen.

Die Delegierten des Uno-Klimarats verabschiedeten den Entwurf des Dokuments heute in Valencia. Morgen soll der Report von Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon und IPCC-Chef Rajendra Pachauri präsentiert werden - die ersten Inhalte sind allerdings schon vorab bekannt geworden.

Hitzewelle, Verschwinden des arktischen Eises

Laut BBC beträgt der wahrscheinliche Temperaturanstieg bis zum Jahr 2100 je nach Szenario zwischen 1,8 und 4 Grad Celsius, möglicherweise aber auch bis zu 6,4 Grad. Sehr wahrscheinlich sei ein Anstieg des Meeresspiegels um 28 bis 43 Zentimeter. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts werde im Sommer das Eis in der Arktis verschwunden sein. Hitzewellen werden demnach wahrscheinlich in Zukunft häufiger auftreten, genauso werden tropische Stürme häufiger Verwüstungen anrichten.

Umweltschützer hoffen auf eine starke Wirkung des Berichts. Der Mensch sollte dem von ihm verursachten Klimawandel entschieden entgegentreten und den Ausstoß von Treibhausgasen so schnell und so weit wie möglich verringern, forderten Teilnehmer der Sitzung des Uno-Klimarates. "Kein Politiker wird jetzt mehr sagen können, er wisse nicht, was los sei", sagte der Klimaexperte Han Verolme von der WWF. Die Beratungen in Valencia seien ein Meilenstein und würden den Kurs der Politik auf Jahrzehnte beeinflussen. "Eine starke Wortwahl des IPCC macht entschlossenes Handeln der Regierungen erforderlich. Der Ball liegt jetzt im Feld der Politik", sagte Verolme.

Amerikaner hielten Passagen sehr vage

Nach Angaben des deutschen Umweltstaatssekretärs Michael Müller ist das neue IPCC-Dokument auf Druck der US-Delegation jedoch besonders an jenen Stellen "interpretationsfähig", an denen es um die konkreten Maßnahmen zum Bremsen der menschengemachten Erderwärmung geht. An der Tragweite der wissenschaftlichen Ergebnisse habe dies jedoch nichts geändert, sagte Greenpeace-Sprecherin Gabriela von Goerne. "140 Staaten haben diese Resultate anerkannt", sagte sie. Die Frage sei nun, ob und welche Reduktionsziele sich die Staaten bei der am 3. Dezember auf Bali beginnenden Klimakonferenz auf dieser Grundlage setzten. Ausreden lasse die IPCC-Zusammenfassung nicht mehr zu.

Weil immer noch viele Menschen vor dem Klimawandel die Augen verschlössen, hat die WWF unterdessen ein Klimazeugenprogramm gestartet: Geprüfte Berichte von Menschen aus aller Welt sollen zeigen, dass der Klimawandel bereits jetzt das Leben der Menschen beeinträchtigt. Ein Unternehmen für Tauchtouristen fürchtet demnach durch die vom Klimawandel ausgelöste Korallenbleiche ebenso um seine Existenz wie ein Rentierzüchter aus Norwegen.

Das Treffen in Spanien war das erste, nachdem der IPCC mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Der jetzt fertiggestellte Report bildet die wissenschaftliche Grundlage für die Uno-Klimakonferenz auf Bali. Er soll die Klimaveränderungen auch anschaulicher machen: Verschiedene Grafiken werden in dem Papier zu einer großen kombiniert. So wird auf einen Blick deutlich, welche Mengen von Treibhausgasen zu welcher Temperaturerhöhung führen werden und was dann vermutlich auf der Erde passiert. Bislang musste vielfach geblättert werden, um zu einer eingängigen Gesamtaussage zu kommen.

Auf Bali wird das Nachfolge-Abkommen des 2012 auslaufenden Kyoto-Protokolls verhandelt. Darin hatten sich die Industriestaaten erstmals zur Reduktion ihrer Treibhausgas-Emissionen verpflichtet. Die USA aber auch aufstrebende Wirtschaftsmächte wie China sind dem Abkommen nicht beigetreten. Die Forscher betonen, dass künftige Regelungen deutlich stärker ausfallen müssen.

anr/dpa/AP

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