Tokio - Naturschützer sind entsetzt: Die japanische Walfangflotte will am morgigen Sonntag zur ersten Jagd auf Buckelwale seit 44 Jahren aufbrechen. Geführt von dem 8000-Tonnen-Schiff "Nisshin Maru" startet die Walfangflotte von der Hafenstadt Shimonoseki, teilte die Eignergesellschaft Kyodo Senpaku mit. Die Matrosen wollen bis zu 50 Buckelwale (Megaptera novaeangliae), bis zu 50 Finnwale (Balaenoptera physalus) und bis zu 935 Südliche Zwergwale (Balaenoptera bonaerensis) töten. Das ist das größte Jagdprogramm seit Beginn der Schutzmaßnahmen der Internationalen Walfangkommission (IWC).
Die Jagd auf die Buckelwale ist die erste seit Inkrafttreten des Walfangmoratoriums von 1963. Japan nutzt dabei eine Ausnahmebestimmung, die eine begrenzte Jagd der Meeressäuger zu wissenschaftlichen Zwecken erlaubt. Die inneren Organe der Buckelwale sollen demnach von Meeresbiologen studiert werden. Der größte Teil der aus wissenschaftlichen Gründen getöteten Wale wird jedoch schließlich an Restaurants verkauft, was die Bestimmungen des IWC nicht untersagen.
Naturschützer glauben, die wissenschaftlichen Forschungen seien nur Mittel zum Zweck, das Walfleisch zu verkaufen. "Diese Wale dürfen nicht sterben", sagte Greenpeace-Sprecher Junichi Sato. "Buckelwale sind sehr sensibel und leben in engen Gruppenverbänden. Deswegen kann schon ein einziger Todesfall äußerst schädlich sein." Noch dazu sollen die Tiere mit der Harpune getötet werden. Der Biologe Ken Findlay von der Universität Kapstadt kritisierte, dass manchmal verletzte Wale stundenlang von den Schiffen gejagt würden.
Der für den Walfang zuständige Abteilungsleiter bei der japanischen Fischereibehörde, Hideki Moronuki, sagte zu der für morgen angesetzten Jagd: "Bei einer Population von mehreren zehntausend Buckelwalen 50 herauszunehmen, wird keinerlei bedeutende Auswirkung haben."
Vor vier Jahrzehnten waren Buckelwale fast ausgerottet. Jetzt wird geschätzt, dass es weltweit 30.000 bis 40.000 Tiere gibt. Das ist etwa ein Drittel der Bestandsgröße in der Zeit vor dem kommerziellen Walfang. Bei den Finnwalen wird der Bestand auf 60.000 geschätzt. Bei den Konferenzen der Walfangkommission versuchte Japan bislang vergeblich, das 1986 verhängte Moratorium für den kommerziellen Walfang aufzuheben.
Die Suche nach einem Zwergwal, der sich 900 Kilometer vom Atlantischen Ozean entfernt in den Fluss Tapajos im brasilianischen Amazonas-Urwald verirrt hatte, haben Tierschützer gestern unterdessen abgebrochen. Nach Angaben des brasilianischen Ibama-Instituts hatten Helfer das Tier am Mittwoch aus Schlick im Tapajos befreit. Mit einem Schnellboot und einem Helikopter verfolgten sie gemeinsam mit Ureinwohnern in Kanus den Zwergwal, bis sie ihn schließlich aus den Augen verloren. Der Wal hat fern ab vom Salzwasser des Atlantiks kaum Überlebenschancen.
ase/AFP/AP
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