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Bali-Klimaverhandlungen Ein Prinz und 150 Weltkonzerne setzen Regierungschefs unter Druck

2. Teil: "Die Leute fällen Bäume nicht zum Spaß" - wie die Reichen versuchen wollen, die Armen zum Umweltschutz zu bewegen

Gao Guangsheng, Chef von Chinas nationaler Entwicklungs- und Reformkommission, wurde noch deutlicher: "Die entwickelten Länder sollten umweltfreundliche Technologie günstig oder gratis an die Entwicklungsländer abgeben." Bisher aber hätten die Industrieländer in dieser Hinsicht "wenig Engagement" gezeigt, kritisierte Gao am Donnerstag in Peking.

Mit dieser Argumentation ist China nicht allein. Auch Indien und lateinamerikanische Länder sehen den Westen in der Bringschuld. Vor wenigen Tagen meldete sich Brasiliens Präsident "Lula" da Silva mit der Forderung, die reichen Länder müssten zahlen, damit am anderen Ende der Welt der Regenwald geschützt werden könne.

Ganz unverständlich ist der Standpunkt der Zweit- und Drittweltstaaten nicht. In manchen Ländern liegen die Ausgaben für Ölimporte schon jetzt um ein Mehrfaches über den Investitionen für Gesundheit und Armutsbekämpfung. In dieser Situation die Einführung von CO2-Abgaben zu verlangen, die fossile Brennstoffe noch teurer machen würden, dürfte kaum möglich sein. Uno-Klimaexperte de Boer hat für die Position der ärmeren Länder Verständnis: "Die Leute fällen die Bäume nicht zum Spaß." Man könne jemanden nur dazu bewegen, die Axt niederzulegen, wenn man eine "ökonomische Alternative" anbiete.

Saubere Technologien sollen das Klima retten

Klimaschützer setzen deshalb auf den Technologietransfer: Die möglichst umweltfreundliche Kohleverbrennung und die intensive Nutzung erneuerbarer Energien soll den Treibhausgasausstoß der Schwellenländer begrenzen, bevor er katastrophale Ausmaße annehmen kann.

Doch dass Länder wie China, Indien und Indonesien das schmutzige Entwicklungsstadium der fossilen Energien einfach überspringen, halten viele Experten für einen frommen Wunsch. China etwa braucht für seinen ökonomischen Aufstieg Unmengen an Beton und Stahl - Materialien, deren Herstellung äußerst energieintensiv ist. Bisher ist wirtschaftliches Wachstum noch immer mit einem steigenden Treibhausgas-Ausstoß einhergegangen. Dass dies in den Schwellenländern plötzlich anders sein soll, halten Ökonomen für unwahrscheinlich.

Ausgerechnet die klimaschädliche Kohleverfeuerung gilt vielerorts als Energie der Zukunft - weil sie, wie in China, in riesigen Mengen verfügbar und obendrein billig ist. Dort fällt derzeit eine der wichtigsten Entscheidungen über die künftige Klimaentwicklung: In China gehen im Schnitt jede Woche zwei neue 500-Megawatt-Kohlekraftwerke ans Netz. Pro Jahr entstehen dort Kraftwerke mit der Kapazität des gesamten Stromnetzes Großbritanniens, hieß es im März in einer Studie des Massachusetts Institute of Technology.

China ist schon heute neben den USA der weltgrößten Treibhausgasverursacher. Sollten die neuen Kraftwerke nicht wenigstens rudimentäre Umweltschutzbedingungen erfüllen, dürften sie entsprechende Anstrengungen in anderen Weltregionen ad absurdum führen. Allerdings geben auch selbsternannte Umweltschutzvorreiter kein gutes Vorbild ab: In Deutschland etwa sollen nach den Plänen der Energiekonzerne in den nächsten Jahren mindestens 26 neue Kohlekraftwerke entstehen. Auch insgesamt stoßen die industrialisierten Länder immer mehr Treibhausgase aus, statt ihre Emissionen zu senken. Die Verhandlungsposition gegenüber China, von den Drittweltstaaten ganz zu schweigen, wird dadurch nicht eben besser.

Ausweg Emissionshandel?

Doch die harten Tatsachen bleiben: Sollten die Verhandlungen auf Bali scheitern und auch sonst keine wirksamen Klimaschutzmaßnahmen erfolgen, dürfte sich der globale CO2-Ausstoß bis 2050 ungefähr verdoppeln. Er müsste sich aber halbieren, wie die Vertreter der G-8-Staaten erst im Sommer in Heiligendamm betonten. Die Halbierung würde bedeuten, dass im Jahr 2050 jeder der dann voraussichtlich neun Milliarden Menschen rund zwei Tonnen Kohlendioxid pro Jahr ausstoßen dürfte. Derzeit liegt der Pro-Kopf-Ausstoß in Deutschl and bei zehn Tonnen pro Jahr, in den USA gar bei 20 Tonnen.

Selbst die verwegensten Optimisten glauben nicht, dass die US-Amerikaner diesen Wert bis 2050 auf ein Zehntel senken können. Das aber wäre auch gar nicht notwendig, gäbe es einen globalen CO2-Handel: Jedes Land würde Emissionsrechte entsprechend seiner Einwohnerzahl erhalten und könnte sie verkaufen, falls sie nicht benötigt werden. Das würde dazu führen, dass die reichen Nationen im großen Stil Luftverschmutzungszertifikate von ärmeren Ländern erwerben und so den dortigen Aufbau einer sauberen Energiewirtschaft finanzieren. Zugleich würde der Energieverbrauch in den Industrienationen teurer und deshalb womöglich zurückgehen.

Hoffnungsschimmer aus den USA

"Wenn nach 2010 eine Tonne CO2 zehn Dollar oder mehr wert ist, könnte ein Nord-Süd-Handel ein Jahresvolumen von 100 Milliarden Dollar erreichen", sagt de Boer. Nur: Inzwischen gehören auch Schwellenländer wie China und Indien zum Club der großen CO2-Schleudern - also eben jene Länder, die für absehbare Zeit das Recht auf ungebremstes Wirtschaftswachstum und billige Energie beanspruchen. Fraglich wäre auch, ob das Geld aus den Industrienationen in Drittweltstaaten wirklich in Wind- oder Sonnenenergieprojekte fließen würde - und nicht etwa in Kriege.

Immerhin, einen Hoffnungsschimmer gibt es: Die USA, die das Kyoto-Protokoll nie ratifiziert haben, wollen ihre Verweigerungshaltung offenbar aufgeben. Der Klimawandel sei eine "unumstrittene Realität", sagte Paula Dobriansky, die auf Bali die US-Delegation anführen wird, diese Woche vor dem Washingtoner Kongress. Noch vor einem Jahr wäre ein solcher Satz aus dem Mund einer US-Regierungsvertreterin eine politische Sensation gewesen. Doch Dobriansky ging noch weiter: "Wir treten für eine Bali-Roadmap ein, um die Verhandlungen voranzutreiben." Bis 2009 müsse ein solches Abkommen stehen.

Das klingt zunächst gut, impliziert aber auch die Möglichkeit, dass es auf Bali zu keiner Einigung kommt. "Wir haben eine Situation wie im Kalten Krieg", meint Hermann Ott vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Auch jetzt gebe es den Mechanismus der "Mutual Assured Destruction", der wechselseitig zugesicherten Zerstörung, früher auch als Gleichgewicht des Schreckens bekannt. "Der Unterschied ist, dass man im Kalten Krieg etwas unterlassen musste. Jetzt ist die Herausforderung größer, weil wir etwas unternehmen müssen."

Mitarbeit: Patrick McGroarty

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insgesamt 1977 Beiträge
atair 24.09.2007
Wieso? Das Geld 'verschwindet' ja nicht im Nirwana --- das wandert nur in andere Taschen. Und für deren Besitzer lohnt es sich unbedingt...
Zitat von sysopGigantische Investitionen, kaum Nutzen: Wie sinnvoll ist der Versuch, die Klimakatastrophe aufhalten zu wollen?
Wieso? Das Geld 'verschwindet' ja nicht im Nirwana --- das wandert nur in andere Taschen. Und für deren Besitzer lohnt es sich unbedingt...
jomeier 24.09.2007
Der Klimaschutz lohnt sich. Z.B. für Al Gore mit seinem CO2-Zertifikate Hedgefond. Und für die Klimawissenschaftler, die bekommen im Dezember mal wieder eine schöne Reise nach Bali von den Stromkunden in den Industrieländern [...]
Der Klimaschutz lohnt sich. Z.B. für Al Gore mit seinem CO2-Zertifikate Hedgefond. Und für die Klimawissenschaftler, die bekommen im Dezember mal wieder eine schöne Reise nach Bali von den Stromkunden in den Industrieländern bezahlt. Auch lohnt es sich für Konzern-Projekte, die ohnehin durchgeführt würden (z.B. Staudammbauten, Verwertung vom Gas bei der Ölförderung usw.) die Zuschüsse aus dem CO2-Zertifikate - Handel mitzunehmen. Für uns Bürger lohnt es sich nicht. Wir müssen das alles bezahlen.
Albedo4k8 24.09.2007
Das faengt schon in seiner Problemliste an (in der er mal wie immer die Zusammenhaenge der Probleme nicht kapiert). Die Wasserversorung haengt ziemlich stark mit dem Klimawandel zusammen. Mehr Duerre, mehr Ueberschwemmungen, [...]
Das faengt schon in seiner Problemliste an (in der er mal wie immer die Zusammenhaenge der Probleme nicht kapiert). Die Wasserversorung haengt ziemlich stark mit dem Klimawandel zusammen. Mehr Duerre, mehr Ueberschwemmungen, steigender Wasserspiegel damit Eindrinken von Meersalzwasser in das Suesswasserreservoir. All das wird Einfluss auf die Wasserversorgung haben. Das mit dem Hunger dito Krankheiten dito Aber was unser Lomborg ueberhaupt nicht kapiert wie fast jeder Oekonom (leider) ist die Knappheit von Resourcen insbesondere auf dem Sektor der Energietraeger. Wenn man dort die falschen Weichen stellt dann ist es ziemlich bald aus!
Ingeboorg 24.09.2007
Glasklar ist ja wohl, dass das ganze hysterische Klimageschrei nur die Taschen der Emissionshändler füllen soll. Sparen - ja. Solar- und Windenergie voll nutzen - ja. Aber alles andere ist rausgeschmissenes Geld. Das Klima [...]
Glasklar ist ja wohl, dass das ganze hysterische Klimageschrei nur die Taschen der Emissionshändler füllen soll. Sparen - ja. Solar- und Windenergie voll nutzen - ja. Aber alles andere ist rausgeschmissenes Geld. Das Klima wandelt schon immer - mit und ohne MENSCH.
LouisWu 24.09.2007
Es gibt keine Klima"katastrophe". Die Temperaturen werden sich ein wenig ändern, wie sie es in der Erdgeschichte schon häufig -und viel stärker- getan haben. Die Menschen haben Zeit genug, sich daran anzupassen, und es [...]
Zitat von sysopGigantische Investitionen, kaum Nutzen: Wie sinnvoll ist der Versuch, die Klimakatastrophe aufhalten zu wollen?
Es gibt keine Klima"katastrophe". Die Temperaturen werden sich ein wenig ändern, wie sie es in der Erdgeschichte schon häufig -und viel stärker- getan haben. Die Menschen haben Zeit genug, sich daran anzupassen, und es wird dabei wie immer Gewinner und Verlierer geben. Der Klima-Aktionismus steht in der schwachsinnigen Tradition der "Tut Buße!"- und "Das Weltenende ist nahe!"-Aufrufe, die es schon immer und zu allen möglichen (und unmöglichen) Anlässen gegeben hat.
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