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11.12.2007
 

Risiko-Index 2008

Deutschland - Musterschüler und Klimaopfer

Von Jens Lubbadeh

Die Organisation Germanwatch zählt Deutschland zu den zehn am stärksten vom Klima geplagten Ländern der Welt. Der Grund: der Extremsommer 2003, der viele tausend Tote forderte. Ein Risikoland ist Deutschland aber in Wahrheit nicht.

Denkt man an Klimakatastrophen, denkt man eigentlich an Wirbelstürme, Überflutungen, Mittelamerika, Asien. Laut Germanwatch ist man aber auch hierzulande von Klimakatastrophen schwer geplagt. In ihrem sogenannten " Klima-Risiko-Index" listet die Umweltorganisation Deutschland für die zehn Jahre 1997 bis 2006 auf Platz zehn, was die Anzahl der Todesfälle und finanzielle Schäden durch Klimakatastrophen angeht - jeweils bezogen auf die Bevölkerungszahl und das Bruttosozialprodukt. Einen Platz vor Deutschland: Frankreich. Insgesamt wurden für Deutschland in den zehn Jahren 258 Katastrophen registriert. Deutschland und Frankreich sind die beiden einzigen europäischen Länder in den Top Ten der Rangliste. Auch im Klimaschutzindex der Organisation lag Deutschland vorn - aus erfreulicheren Gründen.

Ausgetrocknetes Flussbett: Der extreme Sommer 2003 forderte Tausende Tote
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DDP

Ausgetrocknetes Flussbett: Der extreme Sommer 2003 forderte Tausende Tote

Der Grund für die Platzierung im Risiko-Index: Die Hitzewelle 2003, die in Europa Tausende Todesopfer forderte. Wie viele Tote es wirklich waren, weiß keiner genau. Laut Schätzungen starben in diesem Sommer in Europa 30.000 Menschen, für Deutschland nimmt Germanwatch 8000 Hitzetote an. Damit kommt die Bundesrepublik auf durchschnittlich etwa 730 Klimatote pro Jahr für diesen Zeitraum. Betrachtet man nur die Todesfälle pro 100.000 Einwohner würde die Bundesrepublik auf Platz 18 landen. Andere Zahlen des Earth Policy Institute beziffern die Anzahl der Toten europaweit auf 35.000, für Deutschland werden 7000 Todesfälle angegeben.

Die Anzahl der Toten, die Germanwatch seinem Ranking zugrunde legt, hält Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung für belastbar. Ist Deutschland nun ein Klimarisikoland? Nein, sagt Rahmstorf auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE. Zwar sei dieser Sommer eine Naturkatastrophe ohnegleichen gewesen, die mehr Tote forderte als im ganzen Jahr 2003 durch Verkehrsunfälle starben. Dennoch: "Die hohe Zahl der Toten ist vor allem damit zu begründen, dass Europa auf diesen Extremsommer schlecht vorbereitet war", sagt Rahmstorf. Die wahren Opfer sind nach wie vor die Entwicklungsländer - vor allem, weil ihnen das Geld fehlt, Vorsorge zu treffen.

Das bestätigt auch Thomas Loster, Chef der Münchner Rück Stiftung: "80 Prozent der Todesopfer in Naturkatastrophen sind in Entwicklungsländern zu verzeichnen." Im Zeitraum 1997-2006 waren Honduras, Nicaragua und Bangladesh die Länder, die wegen solcher Katastrophen die größte Zahl von Todesfällen und die größten finanziellen Verluste hatten. Dahinter folgen Vietnam, die Dominikanische Republik, Haiti, Indien und Venezuela.

Rahmstorf rechnet damit, dass so heiße Sommer wie der im Jahr 2003 in Zukunft nicht mehr so viele Todesfälle fordern werden - obwohl generell mit mehr Wetterextremen zu rechnen sein wird: "Wenn zukünftig solche heißen Sommer auftreten, wird man besser vorbereitet sein. Wir sind zwar auch verwundbar, aber es besteht kein Vergleich zu der Verwundbarkeit vieler ärmerer Länder", sagt Rahmstorf. Deutschland kann sich besser rüsten gegen Katastrophen.

mit Material von AP

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