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15.12.2007
 

Reaktionen auf Klimakonferenz

US-Regierung hat "ernsthafte Bedenken"

Kaum haben sich die Delegationen auf einen Klima-Kompromiss geeinigt, kommt Kritik aus dem Weißen Haus: Die Entwicklungsländer würden bei der Verringerung von Treibhausgas-Emissionen zu sehr geschont, hieß es. Alle Reaktionen auf das Bali-Ergebnis im Überblick.

US-Regierung: Auch Entwicklungsländer müssen handeln

Ungeachtet der Zustimmung der US-Delegation zu den Beschlüssen hat sich die Regierung in Washington unzufrieden mit dem vereinbarten Kompromiss gezeigt. Die Übereinkunft berücksichtige nicht ausreichend die Rolle der Entwicklungsländer, sagte die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino. Die USA hätten diesbezüglich "ernsthafte Bedenken". Eine Verringerung der Emissionen von Treibhausgasen könne nicht nur von den Industriestaaten verlangt werden. Die wichtigsten Entwicklungsländer müssten ebenfalls entsprechend handeln, erklärte die Sprecherin von Präsident George W. Bush. Der Kompromiss sei dennoch ein entscheidender erster Schritt mit vielen positiven Merkmalen, sagte Perino weiter.

Abschluss der Klimakonferenz: Das Ergebnis ist umstritten
REUTERS

Abschluss der Klimakonferenz: Das Ergebnis ist umstritten

Bundesumweltminister Gabriel: Besser als erwartet

Sigmar Gabriel sieht in dem Ergebnis von Bali einen großen Fortschritt. Es sei in mühsamen Verhandlungen gelungen, einen tragfähigen Kompromiss mit "substanziellen Festlegungen" zu erreichen. "Das Ergebnis ist weniger als Deutschland und die EU sich gewünscht hätten. Aber es ist weitaus besser, als angesichts der schwierigen Ausgangslage und der unterschiedlichen Interessen zu erwarten war", betonte Gabriel.

Das Signal von Bali laute, dass die Staatengemeinschaft entschlossen sei, innerhalb von zwei Jahren ein Nachfolgeabkommen für das auslaufende Kyoto-Protokoll zu erarbeiten. Zudem hätten neben den Industrieländern auch die Entwicklungsländer deutlich gemacht, dass sie ihre Anstrengungen für mehr Klimaschutz verstärken wollten. Dies sei angesichts festgefahrener vorheriger Klimagipfel ein großer Fortschritt.

Uno-Klimachef De Boer: Hervorragend

Der Chef des Uno-Klimasekretariats, Yvo de Boer, äußerte sich hochzufrieden über das Ergebnis der Weltklimakonferenz auf Bali. "Ein hervorragendes Ergebnis", sagte der Niederländer in Nusa Dua. Als größten Meilenstein bezeichnete de Boer eine Annäherung zwischen Industrie- und Entwicklungsländern auf Bali. "Die Berliner Mauer zwischen den Ländern des Nordens und des Südens ist gefallen", sagte de Boer. Bislang sei bei Klimakonferenzen immer von Industrieländern (Annex-1-Staaten) auf der einen Seite und dem Rest der Welt auf der anderen Seite gesprochen worden. "Jetzt sprechen wir von entwickelten und Entwicklungsländern - das wird im Laufe der Zeit die Dynamik der Verhandlungen ändern", sagte de Boer. Dadurch sei es möglich, Länder wie Singapur, Südkorea und Mexiko in neuem Licht zu sehen. Diese Länder hätten eine sehr viel höhere Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung als manches Land, dass unter dem Kyoto-Protokoll noch unter "Industrieländern" aufgeführt sei.

Uno-Generalsekretär Ban: Danke, USA

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon lobte die Einigung bei der Weltklimakonferenz. "Dies ist der entscheidende Moment für mich und meine Arbeit als Generalsekretär der Uno." Er sei "ermutigt vom Geist der Flexibilität, den die USA und andere wichtige Delegationen" gezeigt hätten und er sei dankbar dafür. Als die Verhandlungen zwischenzeitlich in der Sackgasse steckten, hatte er dringend an die Unterhändler appelliert, ihre Differenzen beizulegen. Die Welt warte auf einen Durchbruch, sagte Ban. "Ganz ehrlich, ich bin enttäuscht über das Niveau des Fortschritts, der hier gemacht wurde." Jeder müsse bereit sein zum Kompromiss.

EU-Delegationschef Rosa: Wir sind sehr zufrieden

Der Vorsitzende der EU-Delegation, Humberto Rosa, sagte, die Europäische Union habe ihre Ziele auf der Konferenz erreicht. "Das war genau, was wir wollten. Wir sind sehr zufrieden."

Klima-Experte Schellnhuber: Mehr war nicht drin

Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, spricht von einem "Arbeitserfolg". "Es war wohl das Maximum, das man erreichen konnte", sagte er SPIEGEL ONLINE. Dennoch bewertet er die Konferenz als Erfolg. Wichtiger als konkrete Ziele sei, dass der politische Prozess nicht zum Stillstand gekommen ist: "Es gibt ein Mandat, eine Roadmap - es geht weiter." Ein Durchbruch sei, dass sich die Kyoto-Staaten auf konkrete Reduktionsziele haben einigen können. Schellnhuber läge ein Abschlusspapier der Kyoto-Unterzeichner-Staaten vor, in dem alle ursprünglich angestrebten Reduktionsziele enthalten sind. Bemerkenswert sei, dass sich damit auch Japan und Russland - obwohl sie zuvor einen Blockadekurs verfolgt hatten - nun zu den Klimaschutz-Zielen der europäischen Staaten bekannt hätten.

CSU-Chef Huber: Für den Moment ein Fortschritt

CSU-Chef Erwin Huber hat den Kompromiss der Weltklimakonferenz auf Bali als "Schritt nach vorne" gewürdigt, aber weiter entschiedenes Handeln angemahnt. "Das ist für den Moment ein Fortschritt", sagte Huber am Samstag. "Es ist ja positiv, wenn 180 Staaten der Welt etwas unternehmen wollen." Die Klimaproblematik löse dies aber "natürlich noch nicht". So werde man beispielsweise mit allen politischen und diplomatischen Mitteln auf die USA einwirken, einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Amerika als wirtschaftliche Weltmacht müsse den Ehrgeiz entwickeln, hier eine führende Rolle zu übernehmen, verlangte Huber.

Grüne Kuhn und Höhn: Konferenz ist gescheitert

Die Mitglieder der Grünen-Fraktion Fritz Kuhn und Bärbel Höhn sind von dem Klimagipfel enttäuscht. Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn kritisierte das Ergebnis als "sehr negativ und in manchen Aspekten peinlich". Das einzig Positive an der in der Nacht zum Samstag beschlossenen "Roadmap" sei das Verhandlungsmandat für ein neues, weltweites Klimaabkommen, sagte Kuhn.

Nach Ansicht der Vize-Fraktionschefin der Grünen, Bärbel Höhn, ist die Klimakonferenz gescheitert. Auch wenn sich die Länder auf das ausgehandelte Dokument einigen würden, wäre dies ein Rückschritt, sagte sie. An vielen Punkten sei man bereits weiter gewesen.

Greenpeace: Drastische Kehrtwende der USA

Bill Hare von Greenpeace International sagte: "Ich habe noch niemals vorher solch eine Kehrtwende in einer Umweltkonferenz gesehen. Es zeigt sehr deutlich, dass die USA sich der Realität des Klimawandels nicht mehr länger entziehen können."

BUND: Kompromiss reicht nicht

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erklärte: "Der Kompromiss der Abschlusserklärung reicht nicht gegen die großen Bedrohungen durch den Klimawandel." Die Bundesregierung dürfe deshalb ihre Vorreiterrolle auf keinen Fall aufgeben und müsse ungeachtet des Ergebnisses die deutschen Emissionen um 40 Prozent reduzieren, sagte Geschäftsführer Gerhard Timm.

WWF: USA waren Klotz am Bein

Für den WWF Deutschland erklärte Regine Günther: "Der Gipfel hat gezeigt, dass die Kluft zwischen Wissen und tatsächlichem Handeln in der Klimapolitik noch immer groß ist. Die internationale Staatengemeinschaft hatte bis zur letzten Minute die USA als Klotz am Bein, deshalb ist man leider nicht weitergekommen."

Hillary Clinton fordert Kyoto-Nachfolgeprotokoll

Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton kritisierte in einer Erklärung das Verhalten der US-Delegation auf Bali. Erneut habe die Regierung des amtierenden Präsidenten George W. Bush versucht, "den Fortschritt abzublocken". Jedoch habe die US-Delegation dem "Gewicht des wissenschaftlichen und politischen Konsenses" letztlich nicht standhalten können, sagte Clinton. Wenn sie zur Nachfolgerin Bushs gewählt werde, werde sie "sofort den Prozess zur Aushandlung eines Kyoto-Nachfolgeprotokolls anführen". Sie sei bereit, so schnell wie möglich mit den Vertretern anderer Länder darüber zu beraten, "wenn nötig alle drei Monate", fügte Clinton hinzu.

reh/lub/ddp/dpa/Reuters/AFP

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27.12.2007 von Satiro:

Wie alle religiöse Menschen glauben diese Herren zu wissen! mehr...

26.12.2007 von wishful_thinking:

Hallo Satiro, noch viel schlimmer, wir muessten auch das Ausatmen einstellen bzw. zum Schutze des Klimas besteuern. Ich frage mich allerdings, welches Klima man schuetzen will. Um diese Frage beantworten zu koennen, [...] mehr...

26.12.2007 von Satiro:

Wenn man etwas weiterdenkt: Ja die Verhüttung von Eisenerzen müßte man doch eigentlich auch verbieten, wenn man das Klima retten will.. mehr...

26.12.2007 von Satiro:

Dass die Eisengewinnung / Stahlerzeugung auf Holzkohle basierte, ist auch noch keine 200 Jahre her. mehr...

25.12.2007 von Berd:

Beides hat nichts mit irgendeinem Klimawandel zu tun. In beiden Fällen hat man ohne Aufforstung einfach riesige Mengen an Bäumen gefällt (Ich bin mir nicht ganz sicher, aber in dem einen Fall war es glaube ich v. a. wegen [...] mehr...

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