"Früher glaubten die Menschen, solche Dinge wie Gräber und große Bäume seien heilig", sagt Muhammad Goodwill Zubir, ein führendes Mitglied der Muhammadiyah, einer Organisation, die auf friedliche Weise den muslimischen Glauben von vorislamischen Einflüssen reinigen will, unter anderem von der "ketzerischen" Verehrung der Vulkane. "Doch mit der Verbreitung der Muhammadiyah in diesen Gebieten stirbt diese Art Aberglauben aus", sagt Zubir. Seine Bewegung hat rund 30 Millionen Mitglieder. Sie unterhält Tausende von Moscheen, Schulen und Krankenhäusern, um den orthodoxen Glauben zu fördern. Es gibt aber auch Männer wie Satria Naradha die glauben, der Mystizismus werde nicht nur überleben, sondern regelrecht aufblühen. Naradha ist Eigentümer der führenden Zeitung und des wichtigsten Fernsehsenders auf Bali. Die Einheimischen bewundern den etwas mehr als 40-jährigen Medienmogul, denn er praktiziert jene verschwenderischen Rituale, die Präsident Yudhoyono so betont ablehnt.
"Vulkane sind die Throne der Götter", sagt Naradha. "Sie sind die stärkste Naturkraft, sie erhalten und zerstören Leben." Er unterstützt ein ehrgeiziges Programm zum Bau hinduistischer Tempel überall in Indonesien, insbesondere auf den aktiven Vulkanen. Auch auf dem Merapi will er eines Tages einen Tempel errichten. Der Bau von Hindutempeln in vorwiegend muslimischen Gebieten könnte als eine Provokation wahrgenommen werden, da das Land zu religiösen und ethnischen Auseinandersetzungen neigt. Doch Naradha lässt sich nicht beirren. Tempel stärken die balinesische Kultur, indem sie die spirituelle Macht der Vulkane binden, auf denen sie erbaut sind, erklärt er. "Das hilft allen Indonesiern, nicht nur den Balinesen."
Ein schöner Gedanke – allerdings scheint Harmonie in einer Nation, die so zersplittert ist, kaum erreichbar. Hinduistische Erneuerungsbewegung, militanter Islam, uralter Mystizismus: Was wird überdauern? Vielleicht alles. Vielleicht nichts.Wie ein Monsun fegt die Globalisierung durch Indonesien. Die junge Internet-Generation verehrt keine Vulkane, sondern asiatische Boygroups und englische Fußballclubs.
Aber man sollte die Vulkane noch nicht abschreiben. Kürzlich hielt Golkar, Indonesiens größte politische Partei, ihre Jahreskonferenz in Yogyakarta ab. Der ehrgeizige Vorsitzende,Vizepräsident Jusuf Kalla - der mit dem unheilvollen Namen - wird vermutlich 2009 für das Präsidentenamt kandidieren.
Im teakholzverkleideten Ballsaal des Hyatt Regency stellt Kalla einen Ehrengast vor. Einen Mann, "der resolut ist und fähig, in jeder Situation und Gefahr Entscheidungen zu treffen". Es ist Mbah Marijan. Wer wäre besser geeignet, eine Wahlkampagne für das höchste Amt im Staat zu eröffnen als der Präsident des Merapi?
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