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09.01.2008
 

Eingeschleppte Arten

Neue Fremdlinge im Bodensee

In deutschen Gewässern machen sich immer mehr fremde Arten breit. Im Bodensee haben Forscher jetzt den vierten neuen Bewohner seit 2002 entdeckt. Auch in Flüssen sowie Nord- und Ostsee halten Neulinge Einzug - und gefährden das ökologische Gleichgewicht.

Konstanz - Jetzt lebt auch der amerikanische Flohkrebs im Bodensee. Er ist bereits der vierte seit 2002 entdeckte neue Bodensee-Bewohner, teilte die Universität Konstanz mit. Diese sogenannten Neozoen hätten jedoch bisher keine schwerwiegenden Auswirkungen auf den Bodensee. Zuvor hatten Wissenschaftler bereits den Höckerflohkrebs, die Körbchenmuschel und die Schwebegarnele im See ausgemacht. Bereits 1965 war die Dreikantmuschel, 1985 der Kaulbarsch entdeckt worden.

Bodensee: Biologen finden erneut eingeschleppte Art
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DPA

Bodensee: Biologen finden erneut eingeschleppte Art

Die Forscher gehen davon aus, dass die Neozoen aus dem Oberrheingebiet stammen. Durch den Ausbau der Schifffahrtswege und besonders seit der Eröffnung des Rhein-Main-Donau-Kanals seien die großen Flüsse stark von Einwanderern besiedelt worden. Die gebietsfremden Tiere gelangten meist mit Sportbooten in den Bodensee und stellten immer ein gewisses Risiko dar.

Um diesen Weg zu versperren, arbeiten Experten der Konstanzer Universität und des Instituts für Seenforschung in Langenargen mit der Internationalen Wassersportgemeinschaft Bodensee an Richtlinien für die Reinigung von "Wanderbooten" aus anderen Gewässern, die im Bodensee verwendet werden. Auch Wassersportler wie Surfer, Taucher und Angler sollten ihre Geräte säubern, um weder fremde Tiere noch Pflanzen in den Bodensee einzuschleppen.

Auch in anderen hiesigen Gewässern verursachen eingeschleppte Tierarten inzwischen große ökologische Schäden. Allein im Rhein haben sich bereits 30 fremde Tier- und Pflanzenarten angesiedelt, erklärte ein Biologe schon vor einem Jahr. An der Nordseeküste zählte er 46 fremde Arten, an der Ostseeküste 27 und sogar 76 in den Flüssen. Manche der Neulinge seien so widerstandsfähig, dass sie sowohl in Süß- als auch in Salzwasser überleben könnten. Eine besondere Gefahr können auch exotische Spinnen darstellen.

Auch weltweit ist die Invasion ortsfremder Arten ein stetig wachsendes Problem. Vor allem als blinde Passagiere in den Ballasttanks von Handelsschiffen reisen Meeresbewohner um den Globus. Nach Angaben des Umweltbundesamts werden allein in deutschen Häfen jedes Jahr rund 2,2 Millionen Tonnen Ballastwasser aus außereuropäischen Regionen abgelassen.

Nicht nur für die Umwelt, auch für Menschen können eingeschleppte Arten eine Gefahr darstellen. 2002 warnte ein Forschungsbericht an das Bundesumweltministerium vor Neozoen als Erreger von Krankheiten. Die Schistosomiase-Erreger, gefährliche Wurmparasiten, würden "regelmäßig von Touristen eingebracht", schrieben die Zoologen der Universität Rostock.

mbe/dpa

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