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Alarmierender Bericht Öl aus der Arktis - Politik zensiert Forscher-Warnungen

2. Teil: Neue Fördertechnik für das Arktis-Abenteuer

Wie viel Öl und Gas es in der Arktis tatsächlich gibt, ist allerdings bis heute nicht klar. Immer wieder wird eine Studie des Geologischen Dienstes der USA (USGS) aus dem Jahr 2000 zitiert. Diesem Papier zufolge befinden sich unter dem Eis der Arktis ein Viertel aller noch nicht entdeckten Öl- und Gasvorkommen der Erde. Diese beeindruckende Zahl ist allerdings nicht unumstritten. Denn die USGS-Experten sind bekannt dafür, dass sie gern optimistische Schätzungen abliefern. Am Kaspischen Meer hatten sie in den Neunzigern schon einmal einen Ölboom vorausgesagt. Mittlerweile geht man aber nur noch von einem Achtel der ursprünglich prognostizierten Lagerstätten aus.

"Es gibt viel Optimismus über das Ressourcenpotential in der Arktis", sagt Norwegens Außen-Staatssekretärin Elisabeth Walaas – ungeachtet des Umstandes, dass die USGS-Schätzungen "eher unsicher" seien. Um sich nicht noch einmal mit aufgeblasenen Zahlen in die Nesseln zu setzen, wollen die US-Forscher in diesem Jahr eine aktualisierte Version ihrer Schätzungen vorlegen.

Schneewittchen mit Kinderkrankheiten

Die Fördertechnik für den Einsatz in der Arktis ist jedenfalls schon weit entwickelt. Das zeigt ein Projekt im Hohen Norden von Norwegen. Im Meer, rund 145 Kilometer vor der Stadt Hammerfest fördert der Ölkonzern StatoilHydo auf dem Kontinentalsockel in der Barentssee Erdgas, in einer vollautomatischen Fabrik auf dem Ozeanboden in mehr als 300 Metern Tiefe. "Snøhvit", also Schneewittchen, heißt die Anlage, die als Prototyp für die vollautomatische unterseeische Produktion gilt – und die es sogar in Frank Schätzings Megaseller "Der Schwarm" zu Berühmtheit gebracht hat. Mit einer 70-Zentimeter-Pipeline wird das Gas vom Ozeanboden zum Terminal auf der Insel Melkøya gebracht, wo es gekühlt, verflüssigt und auf Tanker verladen wird. Doch noch hat Schneewittchen mit Kinderkrankheiten zu kämpfen, wie sichtlich angespannte StatoilHydro-Mitarbeiter eingestehen. Ein Scheitern des Projekts wäre desaströs für die ambitionierten Arktis-Abenteuer des Konzerns.

John Calder bleibt indes ratlos zurück. Sein Bericht, der eigentlich als Meilenstein bei der Entwicklung der arktischen Öl- und Gasindustrie gedacht war, könnte weitgehend unbeachtet bleiben, weil der entscheidende Teil, die Handlungsempfehlungen, fehlen. "Risiken können nicht gänzlich ausgeschlossen werden", heißt es nun nüchtern im vorletzten Kapitel des Amap-Berichts. Die Umweltorganisation WWF, die in Tromsø einen eigenen Bericht zu Gefahren von Ölunglücken in arktischen Umgebungen vorgestellt hat, fordert deswegen einen Stopp der Erkundung neuer Öl- und Gasvorkommen in der Arktis. Eine Forderung, die ein frommer Wunsch bleiben dürfte.

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