Die Frage nach der Entwicklung des Vogelflugs wird von Evolutionsbiologen schon lange kontrovers diskutiert. Einer Theorie zufolge lernten die Vögel, von Bäumen und anderen Höhen herabzugleiten, bevor sie aktiv zu fliegen begannen. Vertreter der anderen Hypothese meinen, dass Bodenvögel zuerst zu fliegen lernten, indem sie einen Anlauf nahmen und dann mit den Flügeln schlugen. Paläontologen legten Fossilfunde einmal zugunsten der ersten, dann der zweiten Theorie aus. Geklärt wurde die Frage bis jetzt aber nicht.
Untersuchungen von Biologen der University of Montana in Missoula könnten dies nun ändern. Kenneth Dial und seine Kollegen beobachteten Chukarhühner von der Zeit des Schlüpfens, bis sie ihre volle Größe erreicht hatten. Die in Europa, Asien und Amerika lebenden Vögel gehören zur Familie der Fasanenartigen.
Vor jedem Flug oder Flugversuch präparierten die Forscher die Tiere mit Reflektoren und machten dann Aufnahmen mit Hochgeschwindigkeitskameras. Die Bewegung der Reflektoren auf den Tierkörpern wandelten sie später mit Hilfe einer Computersoftware von 2D- in 3D-Aufnahmen um und konnten so den Flug vom Start bis zur Landung genau analysieren.
Dial und sein Team stellten dabei fest, dass der Winkel, in dem die Hühner ihre Flügel in Relation zur Bodenoberfläche halten, vom Küken bis zum Altvogel nur um wenige Grad variiert. Nach früheren Theorien müssten die Tiere für jedes Flugmanöver - Start, Sinkflug oder Horizontalflug zum Beispiel - eine andere Flügelhaltung einnehmen. Dass sie dies nicht tun, beweise die Theorie der Evolution des Flugs vom Boden, schreibt Dial im Wissenschaftsmagazin "Nature" (Online-Vorabveröffentlichung).
Die Vorfahren der heutigen Vögel hätten nur den richtigen Winkel herausfinden müssen, um auch mit Vorformen von Flügeln schon aerodynamische Kräfte zu entfalten und so einen Vorteil in der natürlichen Auslese zu erringen, erklärt Dial. Das Fliegenlernen sei demnach nichts anderes gewesen als den richtigen Flügelwinkel beim Flattern zu finden.
hda/ddp
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