Von Thilo Thielke, Nairobi
Probleme existierten in dem einzigartigen Gebiet also schon seit langem, und deshalb auch fand Kenias Tageszeitung "Daily Nation" die Schlagzeile "Massai Mara, unser Ruhm, unsere Schande" für das berühmte Naturschutzgebiet. Seit die kenianische Regierung aber im Dezember 2007 die Präsidentschaftswahlen fälschte und das ostafrikanische Land im Chaos versinkt, herrscht in der Massai Mara akute Not.
Simbabwe ist das abschreckende Beispiel
Die Touristenzahlen in den Nationalparks und "Game Reserves" sind dramatisch eingebrochen, sie sind in den vergangenen Wochen um rund 90 Prozent geschrumpft. Hotels mussten schließen, Mitarbeiter entlassen werden. Weil kaum noch ein Tourist kommt und die hohen Parkgebühren (30 Dollar) zahlt, geht dem "Mara Conservancy Trust", der für den Tierschutz verantwortlich ist, das Geld aus.
Die Folgen hält die Tierschutzorganisation Wildlife Direct bereits jetzt für katastrophal. Die Massai Mara, berichten die Aktivisten, sei "ernsthaft bedroht durch weitverbreitete Wilderei in Folge des Zusammenbruchs des Tourismus". Weil kein Geld mehr für die Ranger eingenommen werde, drohe nun auch der Kollaps des Tierschutzes.
"Wir erwarten einen drastischen Anstieg der Wilderei", befürchtet auch der Chef des Mara Conservancy Trusts, Brian Heath: "Die Tierwelt der Mara zieht nicht nur Tausende von Touristen an, sondern auch Wilddiebe, die es auf Bushmeat abgesehen haben." Zudem dürften auch die wachsenden sozialen Spannungen zu einem Anstieg der Wilderei führen. Abschreckendstes Beispiel für einen derartigen Trend ist Simbabwe, das von einem ruchlosen sozialistischen Tyrannen ruiniert wird und dessen Nationalparks von Wilderern bereits nahezu zerstört sind. Zudem ist auch Narok, die nächstgelegene Großstadt auf dem Weg nach Nairobi, bereits in den Strudel ethnischer Gewalt gezogen worden, die derzeit das ganze Rift Valley heimsucht.
Jagdaufseher Joseph Kimojino, Chef der Tourismus-Sektion bei der Mara Conservancy, ist schon weitgehend beschäftigungslos. "Jetzt, wo die Touristen nicht mehr kommen, bin ich zu Hause bei meiner Familie", schreibt er in seinem Massai-Mara-Blog, "das heißt nicht, dass es keine Arbeit mehr für uns gibt, sondern dass es kein Geld mehr gibt, um uns weiter zu beschäftigen. Es ist hart, aber wir wissen nicht, wann die Touristen zurückkommen werden. Dies sollte eigentlich eine unserer besten Saisons werden. Aber ohne das Geld, das wir sonst durch die Eintrittsgebühren einnehmen, werden wir alle unsere Operationen drastisch einschränken müssen."
Richard Leakey, der als damaliger Direktor des staatlichen "Kenya Wildife Service" Anfang der neunziger Jahre die kenianischen Elefanten vor dem Untergang rettete, will nun Spenden sammeln, um die Hege der Massai Mara von den Tourismuseinnahmen unabhängig zu machen: "Wir haben die Verantwortung, diese außergewöhnliche Wildnis nicht nur für die Kenianer, sondern für die ganze Welt, zu retten. Wenn wir nichts tun, laufen wir Gefahr, sie für immer zu verlieren."
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