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Langfrist-Wettervorhersage Wie der Sommer in diesem Jahr wird

2. Teil: In der Regel macht kein Wettermodell richtige Vorhersagen

Immer bunter wird das Treiben. Die Wetterkundler könnten den Modellen dabei zusehen, wie sie sich verirren im unendlichen Raum der Möglichkeiten. Aber das interessiert hier niemanden. "Einzelne Berechnungen schauen wir uns gar nicht an", sagt die Meteorologin Renate Hagedorn, die für den DWD in Reading an den Saisonprognosen arbeitet.

In der Regel macht kein einziges Wettermodell auch nur annähernd richtige Vorhersagen. Das ändert sich aber, sobald die Forscher das gesamte Ensemble betrachten: Im Durchschnitt bringt der organisierte Wahn ganz vernünftige Daten hervor. Zunächst müssen freilich noch alle Schwankungen von Tag zu Tag getilgt werden. Jedwedes Detail würde nur eine Genauigkeit vorgaukeln, die es nicht geben kann. Übrig bleiben einzig die monatlichen Mittelwerte.

Bekannt ist immer auch das Maß der Uneinigkeit. Je weiter die 41 Modelle auseinanderliegen, desto weniger sollte man sich auf den Mittelwert verlassen. "Das ist der eigentlich wichtige Fortschritt", sagt Hagedorn. Nun lässt sich nämlich genau sagen, wie ungenau die Prognose ist.

Für Unternehmen kann das nützlich sein. Einem Windparkbetreiber etwa ist durchaus mit der Auskunft geholfen, ein Fünftel der Modelle erwarte derart starke Stürme, dass er seine Windräder abschalten müsste. Sobald das Restrisiko bezifferbar ist, kann er es einkalkulieren.

Hin und wieder ist aber die Unsicherheit so groß, dass man ebenso gut raten könnte. Wenn die Modelle überhaupt Treffer landen, liegt das an der geschickten Vorauswahl der Daten. Der Computer kümmert sich nicht so sehr um die launenhafte Atmosphäre, die bekanntlich jeden Tag zu neuen Kapriolen imstande ist. Er rechnet vor allem mit Größen, die sich nur langsam ändern: mit der weltweiten Ausbreitung von Schnee und Eis, der Bodenfeuchte und der Ozeantemperatur.

Gerade die Meere wirken sehr nachhaltig auf das Gewimmel des Wettergeschehens. Sie bilden als Temperaturspeicher quasi sein Langzeitgedächtnis. Ein Hochdruckgebiet in der Atmosphäre ist in der Regel nach ein paar Tagen wie ausgelöscht; eine übermäßige Erwärmung des westlichen Pazifik jedoch vergisst das Wetter monatelang nicht.

Die Forscher in Reading stellen gerade fest, dass sie auch auf andere Faktoren achten sollten: auf den Kohlenstoffkreislauf etwa mit seinen Treibhauseffekten. Und auf die Verteilung der Schwebteilchen in der Atmosphäre, die das Sonnenlicht filtern. Solche Vorgänge werden bislang nur in Klimamodellen simuliert, die den Verlauf ganzer Jahrhunderte errechnen. Sie bestimmen aber, wie sich zeigt, auch das aktuelle Wetter mit. "Wir versuchen deshalb, sie in die Vorhersagen einzubauen", sagt die Meteorologin Hagedorn. "Klima- und Wettermodelle nähern sich einander ohnehin immer weiter an."

Das EZMW hätte die Jahreszeitenprognose auch mit einer verfeinerten Klimasimulation versuchen können. "Aber Wettermodelle sind eben unsere große Stärke", sagt Hagedorn. In der Tat ist das Zentrum in Reading führend in der exklusiven Weltliga der großen Wetterrechenzentren. Bei globalen Leistungsvergleichen schneidet das europäische Modell meist am besten ab.

Dennoch stößt auch der Supercomputer in Reading an Grenzen. Das Wettermodell für die tägliche Kurzzeitvorhersage teilt die Atmosphäre in ein Gitternetz mit einer Maschenweite von 25 Kilometern. Für die Halbjahresprognose musste es jedoch auf eine Rastergröße von 125 Kilometern vergröbert werden, damit der Computer 41 Modelle auf einmal bewältigen kann.

Das ist immer noch feiner als bei der Klimasimulation, die oft mit Maschen von 200 Kilometern rechnet. Aber befriedigend ist es nicht.

"Eine feinere Auflösung würde die Ergebnisse entscheidend verbessern", sagt Hagedorn. Auch würde sie gern mehr Beobachtungsdaten einspeisen und noch weit mehr Modelle parallel betreiben, "theoretisch wären auch ein paar tausend möglich, die Vorhersage kann damit nur gewinnen".

Da fügt es sich, dass der nächste Supercomputer schon bestellt ist. Gegen Jahresende soll er in Betrieb gehen. Aller Voraussicht nach wird dann das Ungetüm, wie auch sein Vorgänger bei dessen Betriebsstart schon, einer der schnellsten Rechner der Welt sein.

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