Im Tromsø Villmarkssenter hat man wieder etwas Hoffnung. "Im Moment können wir unsere Schlittenhundetouren ganz regulär anbieten", sagt Mitarbeiterin Agneta. Das war in diesem Winter längst nicht immer so: Von Mitte Dezember bis Mitte Januar lag selbst im sonst gut versorgten Norden Norwegens so wenig Schnee, dass die Schlitten im Schuppen bleiben mussten. Touristen konnten stattdessen mit den arbeitslosen Huskies durchs Küstengebirge wandern. "Nun hoffen wir, dass der Schnee wenigstens lange liegen bleibt", sagen die Schlittenhundepfleger. Denn auch jetzt sei die Schneebedeckung nicht gerade üppig. Immerhin, gibt man sich in Tromsø hoffnungsfroh, sei es gerade einigermaßen kalt.
Doch in der Zentrale des Norwegischen Wetterdienstes in Oslo haben die Meteorologen nur wenig Tröstliches zu berichten. "Der Februar war der zweitwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1900", sagt Heidi Lippestad SPIEGEL ONLINE. Und die mittelfristige Prognose lasse auch ein Frühjahr erwarten, in dem die Temperaturen über dem langjährigen Mittel liegen.
Rund um die Ostsee hat es einen Rekordwinter gegeben: Schiffskapitäne berichten von historisch geringen Eismengen auf dem Meer - so klein, dass schwedische und finnische Eisbrecher die meiste Zeit des Winters ungenutzt an ihren Ankerplätzen blieben.
Nach Ansicht von Jürgen Holfort vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie wird der diesjährige Winter wohl als der eisärmste seit 1720 in die Geschichte eingehen. Normalerweise sei der Bottnische Meerbusen, der nördliche Zipfel der Ostsee zwischen Finnland und Schweden, von Ende Februar bis Mitte März vollständig mit Eis bedeckt. Doch in diesem Winter habe es nur Eis in dessen nördlichstem Zipfel und - weiter südlich - in einigen Schärenbereichen gegeben. Auch bei der Eisdicke liege der diesjährige Winter weit unter den üblichen Werten. Gefreut haben sich darüber die Fährunternehmen: So konnten die Expressfähren zwischen der estnischen Hauptstadt Tallinn und der finnischen Metropole Helsinki, die für gewöhnlich von Dezember bis April eingemottet werden, quasi ohne Unterbrechung fahren.
Wärmerekorde in Schweden
"Es war der wärmste Winter seit Beginn der Aufzeichnungen", sagt John Ekwall vom Schwedischen Wetterdienst. Die Durchschnittstemperatur in Stockholm habe von Dezember bis Februar bei mehr als zwei Grad gelegen. Das sind Werte, wie sie seit 1756 nicht erreicht wurden. Für rund ein Dutzend andere Stationen in Schweden war die Lage ähnlich.
Und auch von der anderen Seite der Ostsee kommen ähnliche Nachrichten: In Südfinnland lag die Zahl der bisherigen Schneetage bei gerade einmal 20; für gewöhnlich sind es mehr als dreimal so viel.
In der estnischen Universitätsstadt Tartu musste vor wenigen Wochen der traditionelle Ski-Marathon abgesagt werden - aus Schneemangel. Organisationschef Indrek Kelk hofft nun auf einen kalten Winter im kommenden Jahr. Skifahrer, die dieses Jahr nicht an den Start gehen konnten, sollen mit Sonderkonditionen zum Wiederkommen bewegt werden. Auch die Schlittschuhfans, die sich auf dem schwedischen Mälarsee zum 80 Kilometer langen Wikingerrennen treffen wollten, hatten Pech: "Es gibt keinen einzigen Millimeter Eis", beklagte Organisator Anders Tysk, der das Rennen zuvor bereits im Wochentakt nach hinten verschoben hatte.
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