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07.03.2008
 

Killer-Seen

Lautloser Tod aus der Tiefe

2. Teil: Gewaltige Mengen Wasser - eine zusätzliche Bedrohung

Die Region ist dicht besiedelt. Zudem liegt der Vulkansee in geologisch aktivem Gebiet. Und der riesige Kohlendioxidspeicher schwillt immer weiter an. Experten befürchten, dass bei einer Erschütterung große Mengen CO2 freigesetzt werden könnten – mit katastrophalen Auswirkungen für die rund zwei Millionen Menschen, die an den Ufern des Kiwu-Sees leben.

In den USA könnten ähnliche Katastrophen drohen. Dort gibt es zahlreiche vulkanische Kraterseen. Auf den ersten Blick offenbart sich ein ähnliches Szenario. Doch die Gefahr heißt hier Schwefeldioxid.

Gefahr am Mount Rainier

14 Vulkane des Kaskadengebirges im pazifischen Nordwesten der USA gelten als aktiv. Die größte Sorge bereitet den Experten ein Katastrophenszenario, das auch ohne einen Ausbruch verheerende Folgen haben könnte.: Tödliche Schlammlawinen am Mount Rainier im US-Bundesstaat Washington. Der 4395 Meter hohe Berg ist der größte Vulkankegel des Kaskadengebirges, das sich über tausend Kilometer von Nordkalifornien bis an die kanadische Grenze erstreckt. Der Mount Rainier ist ein Schichtvulkan, ein Eisriese, dessen steile Flanken auch im Sommer von gewaltigen Gletschern bedeckt sind.

Die Gefahr für mehr als 100.000 Menschen in unmittelbarer Umgebung des Mount Rainier lauert im Schmelzwasser und im Eis des Bergkraters: vulkanisches Gas. In acht bis zehn Kilometer Tiefe entweicht aus der Magmakammer Schwefeldioxid und steigt durch den Vulkan auf. Das Gas trifft auf warmes Schmelzwasser und verbindet sich mit ihm zu Schwefelsäure.

"Es dringt durch den Vulkan, sickert durch Risse und Spalten und verändert das harte, vulkanische Gestein", sagt der Geologe Kevin Scott vom US Geological Survey. Die Schwefelsäure verändert im Lauf von Jahrhunderten die Zusammensetzung des eigentlich harten vulkanischen Gesteins. Der Fels wird poröser und zerbröselt leicht - ein bekanntes Phänomen, das immer dann auftritt, wenn vulkanisches Gas und Wasser aufeinandertreffen.

Gestein viele Jahrtausende lang geschwächt

Am Mount Rainier könnte dieser natürliche Prozess eine Katastrophe auslösen. Der Vulkan ist rund eine Million Jahre alt und damit einer der ältesten Vulkane der Kaskadenkette. Über viele Jahrtausende hat die Säure das Gestein durchdrungen und chemisch verändert. Die Gefahr, die durch die Zersetzung des Vulkans droht, ist wesentlich höher als bei anderen Vulkanen wie dem benachbarten Mount St. Helens, der nur 50.000 Jahre alt ist.

Experten befürchten, dass der Mount Rainier jeden Moment nachgeben könnte. Sinkt die Spitze des Vulkans in sich zusammen, könnte das eine Schlammlawine auslösen, die den Berghang hinunter stürzen und alles Leben unter sich begraben würde. Bei dem Vulkanausbruch des benachbarten Mount Saint Helens im Jahr 1980 demonstrierte ein vulkanischer Schlammstrom, ein sogenannter Lahar, seine zerstörerische Kraft.

Die oberen 400 Meter des Vulkans stürzten den Berg herunter. Es war der größte Erdrutsch, der jemals verzeichnet wurde. Innerhalb weniger Minuten mischten sich Eis und Gesteinsschutt unter den Schlamm und bildeten mehrere Lahars. Die Gerölllawinen donnerten mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 70 Stundenkilometern den Mount St. Helens hinunter. Der schnellste Lahar erreichte eine Schnelligkeit von 110 km/h und zerstörte 200 Häuser. "In den vergangenen Jahrzehnten kamen mehr Menschen durch Schlammströme ums Leben als durch Vulkanausbrüche", betont Scott.

Schlammlawinen könnten ohne Vorwarnung kommen

Am Mount Rainier stellen gewaltige Mengen Wasser eine zusätzliche Bedrohung dar. Vier Milliarden Kubikmeter Gletscherschnee und -eis lagern hier, fünfmal so viel wie an allen anderen Vulkanen des Kaskadengebirges zusammen. Ein Einsturz würde nicht nur den Kratersee zum Überlaufen bringen, sondern auch gefrorenes Wasser aus den oberen Schichten mobilisieren. Bereits ein verhältnismäßig kleiner Zusammenbruch von Teilen des Vulkans würde einen Lahar von verheerenden Ausmaßen verursachen.

Der letzte Lahar am Mount Rainier rollte vor etwa 200 Jahren 45 Kilometer weit ins Land. "Wir wissen, dass ein Lahar am Mount Rainier ohne einen Ausbruch auftreten kann", sagt Scott. Akustische Überwachungsgeräte würden erst Alarm geben, wenn der Lahar bereits herabstürzt.

Nach Schätzungen des geologischen Dienstes der USA blieben nur 40 Minuten für eine Evakuierung des bedrohten Gebiets. Millionen Tonnen Gestein, Eis und Geröll könnten mit einer Geschwindigkeit von 80 Kilometern in der Stunde den Berg hinab rollen und alles in Schutt und Asche legen.

SPIEGEL TV Thema über das Phänomen der Killer-Seen. Heute 22.50 bis 00.50 Uhr, Vox

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