Bonn/Paris - Die Zahlen sind erschreckend: Mehr als eine Milliarde Menschen hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, 2,6 Milliarden müssen ohne sanitäre Einrichtungen leben. "Täglich sterben 5000 Kinder unter fünf Jahren an Durchfallerkrankungen, weil sie und ihre Eltern nicht wissen, dass unsauberes Wasser krank macht und den Tod bedeuten kann", teilte die Welthungerhilfe am Mittwoch in Bonn mit. Die Organisation forderte zum Weltwassertag am 22. März deshalb mehr Einsatz für Sanitärversorgung und Hygiene. Experten verwiesen darauf, dass sich die Versorgungslage bei Wasser durch Klimawandel und Bevölkerungswachstum in den kommenden Jahrzehnten nochmals deutlich verschärfen wird.
"Alle 20 Sekunden stirbt ein Kind an den Folgen einer Krankheit, die durch mangelhafte Hygiene, verschmutztes Wasser oder mit Fäkalkeimen verunreinigte Nahrung verursacht wird", erklärte Karin Kortmann vom Entwicklungshilfeministerium. "Damit tötet Hygienemangel weltweit mehr Kinder als HIV/Aids." Insgesamt leben heute laut Uno-Angaben 2,6 Millionen Menschen "ohne grundlegende Sanitärversorgung".
Der Weltwassertag findet seit 1993 jedes Jahr am 22. März statt. Die Uno hatte es sich 2002 zum Ziel gesetzt, bis 2015 die Zahl der Menschen zu halbieren, denen ein Zugang zu sauberem Wasser fehlt. Experten halten dies aber schon jetzt nicht mehr für erreichbar. Hauptproblem ist, dass Wasser ungleich verteilt ist. "Vereinfacht gesagt, gibt es dort genug, wo keine Menschen leben", sagte der französische Wasserexperte Pierre Chevallier vom Pariser Institut de recherche pour le développement (IRD). "Mit dem Klimawandel wird das nicht besser werden. Er wird die Verdunstung und das Abschmelzen der Gletscher fördern und die verfügbare Wassermenge verringern."
Wie stark der Klimawandel die Trinkwasser-Reserven der Menschheit bedroht, hatten erst kürzlich Wissenschaftler der Ohio State University herausgefunden. Ein steigender Meeresspiegel führt nämlich auch dazu, dass Küstengebiete weltweit überflutet werden. Das eindringende Salzwasser mindert dabei die Wasservorräte.
Der französische Wasserexperte Chevallier verwies auf ein weiteres Problem: das rasante Bevölkerungswachstum auf dem Globus. Nicht nur die Weltbevölkerung wachse, auch die Anforderungen der Menschen in den großen Entwicklungsländern erhöhten sich. Das Uno-Umweltprogramm Unep schätzt demnach, dass Indien im Jahr 2050 mit einer auf 1,5 bis 1,8 Milliarden gewachsenen Bevölkerung 30 Prozent mehr Wasser benötigt als heute. Technisch sei das nicht unmöglich, sagt Chevallier. Dafür seien aber "riesige Investitionen" nötig.
Forscher suchen nach neuen Wegen, um verseuchtes Wasser auf möglichst einfache Weise reinigen zu können. Ein möglicher Weg sind Nanokügelchen. Sie sollen Schmutz und Krankheitserreger aus dem Trinkwasser fischen können - und zwar auf simple Weise: Man muss die Partikel lediglich für eine Stunde in verschmutztes Wasser einrühren.
hda/AFP
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