Gen-Analyse
H5N1-Virus könnte aus China stammen
Die Vogelgrippewelle der letzten Jahre hat ihren Ursprung wahrscheinlich im Süden Chinas. Das schließen Forscher aus einer genetischen Untersuchung von H5N1-Viren. Experten fürchten nach wie vor eine Mutation des Erregers, die eine Pandemie auslösen könnte.
Die Vogelgrippe in Asien ist nicht besiegt. Inzwischen scheint immerhin festzustehen, wo die gefährlichen Infektionen ihren Anfang nahmen: in den südchinesischen Provinzen Yunnan und Hunan. Das folgern Forscher der University of Hongkong aus einem Vergleich des Erbguts verschiedener in Asien gefundener Erreger.
AFP
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Virenstämme, die 2002 und 2003 in Vietnam, Thailand und Malaysia auftauchten, würden jenen Stämmen gleichen, die auf Geflügelmärkten der Provinz Yunnan nachgewiesen wurden, schreiben Guan Yi und seine Kollegen im Fachblatt "Journal of Virology". Große Ähnlichkeiten gebe es auch zwischen den Erregern aus der chinesischen Provinz Hunan und jenen, die in Indonesien entdeckt wurden.
"Diese Ergebnisse sprechen für eine direkte Übertragung der H5N1-Viren von Yunnan nach Vietnam und nach Indonesien in den Jahren 2002 und 2003", erklären die Forscher. Über den Geflügelhandel seien die Erreger wahrscheinlich nach Vietnam gelangt. Auf welchem Weg die Viren von der Provinz Hunan nach Indonesien kamen, sei bislang nicht geklärt.
Die Vogelgrippe
Die Vogelgrippe, auch als Aviäre Influenza bekannt, ist eine hochansteckende Viruskrankheit und befällt vor allem Hühner und Puten, aber auch Wildvögel, Fasane und Perlhühner. Der Virusstamm H5N1 ist eine besonders aggressive Variante, die bei 80 bis 100 Prozent der erkrankten Tiere innerhalb weniger Tage zum Tod führt. In seltenen Fällen können sich auch Menschen anstecken. Weltweit wurden bisher über 300 solcher Fälle festgestellt, die meisten in Asien. Fast 200 Menschen starben. Die meisten hatten beruflich mit Geflügel zu tun.
Übertragen wird die Seuche von Tier zu Tier durch direkte Berührung, über Kot, Speichel und Tränenflüssigkeit oder über Kontakt mit infiziertem Material wie Transportkisten oder Eierkartons. Bei starker Staubentwicklung ist auch eine indirekte Ansteckung über die Luft möglich.
Die Zeit von der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit beträgt meist 3 bis 14 Tage. Oft treten hohes Fieber, Atemwegsprobleme, Schwarzfärbung von Kamm und Kehllappen, Mattigkeit, Fressunlust, verminderte Legeleistung und Durchfall auf. Die Tiere können aber auch plötzlich tot umfallen oder ersticken.
Forscher sind besorgt, dass H5N1 mutieren könnte, bis es von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Neuere Forschungsergebnisse bestätigen diese Befürchtung: Der Subtyp H1N1, der von 1918 bis 1920 als Spanische Grippe grassierte und bis zu 50 Millionen Tote forderte, war ein reines Vogelvirus, das sich an den Menschen angepasst hat. Denkbar ist auch eine Doppelinfektion eines Menschen oder eines Schweins mit menschlichen und tierischen Erregern. Dabei könnte sich eine Virus-Variante bilden, die eine verheerende weltweite Seuche - eine sogenannte Pandemie - auslösen könnte.
Zwei Medikamente können Menschen im unwahrscheinlichen Fall einer H5N1-Infektion helfen: Die antiviralen Medikamente Tamiflu (Roche) und Relenza (GlaxoSmithKline). Tamiflu gibt es als Tablette oder Saft, Relenza als Pulver, das inhaliert wird. Sie werden auch Neuraminidase-Hemmer genannt. Neuraminidase ist eine Eiweißstruktur an der Virushülle. Wird diese Struktur von den Medikamenten blockiert, können neu gebildete Influenza-Viren die Wirtszelle nicht mehr verlassen und sich daher nicht weiter im Körper ausbreiten. Die deutschen Bundesländer haben 2006 beschlossen, mehr als acht Millionen Dosen beider Medikamente als Vorsichtsmaßnahme kaufen. Sie sollen die Monate zwischen einem Pandemie-Ausbruch und der Entwicklung eines Impfstoffs überbrücken.
Die besonders aggressive Variante der H5N1-Viren war 1996 erstmals in Chinas Provinz Guangdong aufgetreten - also ebenfalls im Süden des Landes. 1997 starben bei einem Ausbruch in Hongkong sechs Menschen. 2003 kam es zu einem erneuten Ausbruch in Asien - seitdem sind mehr als 200 Menschen an der Vogelgrippe gestorben, Hunderte wurden infiziert, Millionen von Vögeln mussten geschlachtet werden - auch in Europa.
Gefährliche Mutation befürchtet
Nach wie vor warnen Mediziner vor einer gefährlichen Mutation des Erregers. Dadurch könnte er so ansteckend wie die gewöhnliche Grippe werden und eine weltweite schwere Infektionswelle auslösen (Pandemie). Vor allem Indonesien gilt als möglicher Seuchenherd. Alle nationalen und internationalen Bemühungen hätten die Tierseuche in dem Land nicht eindämmen können, warnte Joseph Domenech von der Welternährungsorganisation FAO in Rom.
Das auch für Menschen gefährliche Virus H5N1 habe sich mittlerweile in 31 von 33 Provinzen des Landes eingenistet. Er sei "zutiefst besorgt", dass die weite Verbreitung der Tierseuche die Bedingungen schaffe, unter denen sich der Erreger in ein Pandemievirus wandeln könne, sagte Domenech. Bisher ist ein solches Virus nicht nachgewiesen worden.
"Indonesiens Sterberate durch die Infektionen ist die höchste der Welt", betonte Domenech. Mehr Menschen würden sterben, sofern es nicht gelinge, die Tierseuche einzudämmen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat bislang 129 H5N1-Fälle bei Menschen in Indonesien registriert, 105 dieser Patienten starben.
hda/Reuters/dpa
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