Von Volker Mrasek
Der israelische Atmosphärenforscher hat großes Vertrauen in das Ergebnis der neuen Simulation. Es ist zwar die erste nahöstliche Regionalstudie mit dem japanischen Klimamodell, wie Alpert einräumt. "Aber es ist auch das erste Mal, dass ein globales Modell die Kontur des 'Fruchtbaren Halbmondes' realistisch wiedergibt." Vorhergehende Simulationen mit geringeren räumlichen Auflösungen seien daran gescheitert.
Ein Trend zu größerer Trockenheit zeichnet sich heute schon ab, etwa im Einzugsgebiet des Jordans, wo auch deutsche Forscher Auswirkungen der Klimaerwärmung auf den Wasserhaushalt simulieren – im Rahmen eines Projektes namens "Glowa Jordan". "Auf den Golan-Höhen liegt nicht mehr so viel Schnee und wenn er schmilzt, fließt das Wasser viel rascher ab", sagt Peter Suppan vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung in Garmisch-Partenkirchen, einer Außenstelle des Forschungszentrums Karlsruhe.
Die Folge: Später im Jahr strömt kein Wasser mehr aus dem Gebirge, der Pegel des Jordans sinkt stark ab, die Bewässerung der Felder wird problematisch. Laut Suppan "ist es den Menschen dort egal, ob es ein oder zwei Grad wärmer wird". Viel kritischer sei, was mit dem Niederschlag geschehe: "Schon eine Abnahme von zehn Prozent kann dramatische Folgen haben."
Noch sei der "Fruchtbare Halbmond" nicht gänzlich verloren, meint Alpert. "Es hängt davon ab, was die Welt unternimmt." Um die Wiege der modernen Landwirtschaft zu retten, müssten "ernsthafte Maßnahmen" gegen den Klimawandel ergriffen werden. Die neue Modellstudie aus Nahost verdeutlicht auf jeden Fall: Nicht nur Meereis, Gletscher und kälteangepasste Arten drohen zu verschwinden, sondern auch unvergleichliche Kulturlandschaften der Menschheit.
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