Manchester - Ein Papageienfund an einem Ort, wo man ihn nicht vermutet hätte - auf der dänischen Insel Mors im Nordwesten des Landes. Ein Wissenschaftlerteam um David Waterhouse vom Naturkundemuseum Norfolk hat das Fossil dort in einem Naturkundemuseum aufgetan. Ursprünglich stammt es aus einem Steinbruch ganz in der Nähe, aus dessen Material Katzenstreu hergestellt wird.
Die Forscher haben ihre Ergebnisse nun in der Fachzeitschrift "Palaeontology" vorgestellt. Die Papageien entstammen den Erkenntnissen der Forscher zufolge nicht wie bislang angenommen den südlichen Regionen, und sie entwickelten sich früher in der Evolution als gedacht.
Die versteinerten Überreste wurden einer neuen Spezies zugeordnet, die den offiziellen Namen Mopsitta tanta trägt. Inoffiziell tauften die Entdecker ihren Fund "Dänischer Blauling" - nach einem berühmten Sketch der britischen Komikertruppe Monty Python ("Der Papagei ist tot"), in dem ein lebloser Vogel, der "Norwegische Blauling", eine wichtige Rolle spielt.
Anders als im Monty-Python-Sketch fiel es den Forschern nicht schwer, den Tod des Tieres festzustellen: "Offensichtlich haben wir es hier mit einem Vogel zu tun, der seines Lebens beraubt wurde", sagt Waterhouse. "Der schwierigere Teil war, das Tier als Papageien zu identifizieren." Die Zuordnung war umso schwerer, da den Forschern lediglich ein Oberarmknochen zur Verfügung stand. "Aber dieser kleine Knochen enthält Merkmale, mit denen wir den Vogel eindeutig die Familie der Papageien zuweisen können. Er hatte etwa die Größe eines Gelbwangenkakadus", sagt Waterhouse.
Bisherige Fossilienfunde von Papageien der südlichen Hemisphäre waren höchstens 15 Millionen Jahre alt. Das hohe Alter von 55 Millionen Jahren des in Dänemark entdeckten Fossils legt für Waterhouse eine Vermutung nahe: "Der Papagei könnte in der nördlichen Hemisphäre entstanden sein, bevor er sich später in mehrere Arten aufteilte und in den Süden ausbreitete."
Einen Papagei derart weit im Norden zu finden, ist nur auf den ersten Blick unglaublich. "Als Mopsitta lebte, befand sich Nordeuropa gerade in einer Warmperiode", sagt Waterhouse, "eine riesige tropische Lagune bedeckte große Teile von Deutschland, Südostengland und Dänemark. Man muss bedenken, dass die Dinosaurier damals gerade erst zehn Millionen Jahre ausgestorben waren. Überall auf dem Planeten passierten ungewöhnliche Dinge mit der Tierwelt." Das Bild vom Ur-Papagei, der auf der Suche nach Nahrung über die Fjorde segelte, trifft jedoch nicht zu: Die skandinavischen Fjorde entstanden erst vor einer Million Jahren.
chs/ddp
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